„Glück auf“ – Unter Tage durch den Harz

3. August 2012 | Von | Kategorie: Die Reportage, Nordd. Tiefland

Nicht nur auf und um den Brocken, sondern auch unter Tage hat der Harz einiges zu bieten. Ein Naturerlebnis mit Tiefenwirkung.

Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“, Elbingerode/Harz

„Erwachsene finden Schutzkleidung und Helme links, Kinder rechts“, ruft Frank Münnemann den wartenden Besuchern zu. Nach und nach kommen alle mit blauen Umhängen und verschieden farbigen Schutzhelmen aus dem Umkleideraum. Frank Münnemann ist inzwischen mit der Grubenbahn vorgefahren. Jeweils zwei Personen zwängen sich auf die engen Bänke der umgebauten ehemaligen Lorenbahn. Und schon geht es 600 Meter tief hinein ins Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“ in Elbingerode im Unterharz. Durch dunkle, schmale Gänge schaukelt der Zug. Dann heißt es „Aussteigen!“ Die 90-minütige Führung geht zu Fuß weiter. Von den Wänden tropft Wasser. Die Luft ist klamm. Die Wege sind hell ausgeleuchtet, aber feucht und schlammig. Mit rutschfesten Schuhen sind sie jedoch bequem und gefahrlos zu begehen.

ehemalige Lore

Mit dem Bergmannsgruß „Glück auf“ begrüßt der „Museumsführer unter Tage“ seine Gäste: „Von 1889 bis 1990 wurden in der Grube Eisenerz und später Schwefelkies gefördert. Nach der Wende waren die Erzeugnisse auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig.“ Seit 1992 ist der Stollen als Besucherbergwerk eingerichtet. So wie viele weitere rund um den Brocken: Das Schaubergwerk Büchenberg, das sich ebenfalls in Elbingerode befindet, das Besucherbergwerk Rammelsberg in Goslar, die Gruben Samson und Catharina Neufang in St. Andreasberg, der 19-Lachter-Stollen in Wildemann oder der Röhrigschacht in Wettelrode. Hinzu kommen verschiedene Hütten- und Technikmuseen.

bei der Vorführung des Handbohrgezähes wird es laut

Ausgestattet mit Grubenlicht „fährt“ Münnemann mit seinen Besuchern durch die einzelnen Schächte. „Egal ob gegangen, geklettert oder gefahren wird, „fahren“ ist der Begriff für jegliche Art von Fortbewegung unter Tage“, erläutert er. Da der Betrieb erst vor 22 Jahren eingestellt wurde, sind noch alle Geräte voll funktionstüchtig, und die Bergwerksführer demonstrieren sie den Besuchern begeistert. Besonders beim Einsatz von „Handbohrgezähe“, „Lafettenbohrgerät“ und der „Überhauen-Aufbruchbühne“ ist anzuraten, sich die Ohren zuzuhalten.

In früheren Jahrhunderten waren die Werkzeuge des Bergmanns Schlägel (Hammer) und Eisen (Spitzhacke), um Gestein und Mineralien aus den Wänden herauszulösen. Diese historischen Werkzeuge sind bis heute die Symbole des Bergbaus. „Eine große Erleichterung für die Erzgewinnung brachte 1330 die Entwicklung des Schwarzpulvers durch den Mönch Bertold Schwarz und 1867 die Erfindung des Dynamids durch Alfred Nobel“, schildert Münnemann: „So konnten Schächte durch Sprengungen gebaut werden. Die Arbeit des Bergmanns wurde einfacher und produktiver.“

Bevor die Besucher wieder die Grubenbahn besteigen, knipst Frank Münnemann das elektrische Licht aus, um zu demonstrieren, wie es war, nur bei Grubenlicht zu arbeiten. Die Ausfahrt geht schnell. Nach 200 Metern ist bereits wieder Sonnenlicht am Ende des Tunnels zu sehen.

Tropfsteinhöhle „Baumannshöhle“ in Rübeland

Doch im wenige Kilometer entfernten Nachbarort Rübeland wartet noch ein anderes Unter-Tage-Erlebnis. Nicht Eisenerz oder Schwefelkies, sondern Stalagmiten und Stalaktiten haben die Baumanns- und die Hermannshöhle zu bieten. Letztere wurde 1866 bei Straßenbauarbeiten entdeckt. Sie ist die größere der beiden Tropfsteinhöhlen. Ihre Besonderheiten sind die Kristallkammer und der Olmensee, in dem sich lichtscheue Grottenolme versteckt halten.

Stalagmiten und Stalagtiten in der Baumannshöhle in Rübeland

„Die Baumannshöhle ist die älteste Schauhöhle der Welt“, verrät die Höhlenführerin: „Ein Bergmann namens Friedrich Baumann soll sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts entdeckt haben. Schon 1646 gab es in dieser Höhle die ersten organisierten Führungen“, berichtet sie weiter: „Selbst Johann Wolfgang von Goethe hat sie zwischen 1777 und 1784 mehrmals besucht. Er soll sich hier Inspirationen zum „Faust“ geholt haben.“ Der nach ihm benannte Höhlensaal mit dem künstlich angelegten Wolfgangsee bietet 300 Personen Platz. In ihm finden bei einer konstanten Temperatur von acht Grad Celsius in der Winter- und Sommersaison Theateraufführungen statt. Märchen wie „Hänsel und Gretel“ oder „Rotkäppchen“ von den Brüdern Grimm, „Die Schneekönigin“ von Hans Christian Andersen oder „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff stehen je nach Saison auf dem Spielplan unter Tage. Glück auf!

Information:

 Pauschalangebot der Wernigerode Tourismus GmbH:
„Harzer Bergbau und märchenhafte Höhlenwelt“
Zwei Übernachtungen mit Bergwerkführung in Elbingerode und Besuch einer Tropfsteinhöhle in Rübeland, Schlossbesichtigung und Stadtführung Wernigerode, ab 160 Euro pro Person im DZ (Preis 2012)

Wernigerode Tourismus GmbH
Marktplatz 10
38855 Wernigerode
Tel.: 03943-5537835
Fax: 03943-5537899
www.wernigerode-tourismus.de

Tourist–Information Elbingerode
Markt 3
38875 Elbingerode
Tel.: 039454-89487
Fax: 039454-89488
www.oberharzstadt.de

Besucherbergwerke und Tropfsteinhöhlen sind ganzjährig geöffnet.
Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“, Elbingerode

Tel. 029454-42910
www.grube-einheit.de
Führungszeiten: täglich 10, 12, 14 und 16 Uhr

Rübeländer Tropfsteinhöhlen und Schaubergwerk Büchenberg, Elbingerode
Tel. 039454-49132
www.harzer-hoehlen.de
www.schaubergwerk-elbingerode.de
Öffnungszeiten Tropfsteinhöhlen: 9 bis 16:30 Uhr (November bis Januar 9 bis 15:30 Uhr). Dauer einer Führung ca. 50 Minuten. Während der Wintermonate ist zeitweilig eine der Tropfsteinhöhlen geschlossen. Führungszeiten Schaubergwerk: 10, 12, 14 und 16 Uhr (Dauer 60 Minuten)

Theateraufführungen in der Baumannshöhle: Information und Kartenbestellung: Harzer Bergtheater Thale, Tel. 03947-2324, www.harzer-hoehlenfestspiele.eu und www.harzer-bergtheater.de

Informationen zu weiteren Besucherbergwerken und Museen:

Harzer Verkehrsverbund e.V.
Marktstraße 46
38640 Goslar
Tel. 05321-34040
Fax 05321-340466
www.harzinfo.de

© Text: Dagmar Krappe, Fotos: Axel Baumann

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