„Nordhäuser Modell“ ist zehn Jahre alt

21. April 2014 | Von | Kategorie: Nordd. Tiefland

Erfolgreiches Verkehrskonzept zwischen Nordhausen und Ilfeld findet auch nach zehn Jahren noch weitreichende Beachtung

HSB-Bahnhof Ilfeld im Südharz – Hier sind historische Dampfeisenbahn und moderne Zweisystemfahrzeuge am selben Bahnsteig anzutreffen © Sammlung HSB/ Matthias Bein

Am 30. April 2004 war es soweit: Im Südharz wurde mit einem feierlichen „Rollout“ der  nagelneuen Zweisystem-Straßenbahnwagen vom Typ
„Combino Duo“ auf dem Bahnhofsplatz von Nordhausen ein neues Nahverkehrszeitalter eingeläutet. Bereits einen Tag später wurde das innovative
Verkehrskonzept umgesetzt, das fortan als „Nordhäuser Modell“ einen vertakteten
Mischbetrieb von Zügen der Harzer Schmalspurbahnen GmbH (HSB) und „Combino Duos“ der Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH (VBN) auf dem  HSBStreckenabschnitt zwischen Nordhausen und Ilfeld vorsah. Zwei Jahre
zuvor waren hierfür durch die Verbindung der Infrastrukturen zwischen Straßen und
Eisenbahn die entsprechenden Voraussetzungen geschaffen worden. Bereits
mit Ablauf des ersten Betriebsjahres zeichnete sich der große Erfolg des neuen
Konzepts mit deutlichen Fahrgastzuwächsen ab. Am 30. April 2014 wird
dessen zehnjähriger Geburtstag mit einem gemeinsamen offiziellen Akt der
HSB und VBN gewürdigt. Anlässlich dieses besonderen Tages werden im frisch
renovierten Nordhäuser Empfangsgebäude der HSB darüber hinaus auch eine
thematische Fotoausstellung sowie ein neuer „Dampfladen“ eröffnet.

Das „Nordhäuser Modell“ wurde vor zehn Jahren unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit in Betrieb genommen. Was seinerzeit für viel Furore und einen dauerhaften Anstieg der Fahrgastzahlen sorgte, findet auch heute noch eine weitreichende regionale wie überregionale Beachtung.

Doch wie kam es zum heutigen Erfolgsmodell? Vorausgegangen war gegen Ende des letzten Jahrtausends der gemeinsame Wille, durch die Überwindung der  Systemgrenzen zwischen der Nordhäuser Straßenbahn und den Harzer Schmalspurbahnen attraktivere regionale Verbindungen im Südharz zu schaffen und dadurch mehr Personenverkehr auf die Schiene zu bringen. Um dieses große Ziel zu erreichen, mussten zunächst zahlreiche einzelne Etappen absolviert werden.
Zum einen galt es, die betrieblichen Voraussetzungen für das innovative
Verkehrskonzept zu schaffen. So mussten erst einmal die Gleisinfrastrukturen der
Eisenbahn (HSB) und der Straßenbahn miteinander verbunden werden. Beide
hatten mit 1.000 mm zwar immerhin schon dieselbe Spurweite, es galten mit der Verordnung über den Bau und Betrieb der Straßenbahnen (BO Strab)
sowie der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung für Schmalspurbahnen (ESBO)
unterschiedliche Betriebsvorschriften. Nachdem der entsprechende
„Lückenschluss“ nach relativ kurzer Bauzeit bereits am 27. April 2002 feierlich in
Betrieb genommen werden konnte, fuhren die Triebwagen der HSB fortan über
die neu geschaffene Gleisverbindung direkt auf den Nordhäuser Bahnhofsplatz
und boten damit erstmals direkte Umsteigemöglichkeiten zur Straßenbahn.

Feierliches „Roll out“ am 30. April 2004 © Sammlung HSB / F.Fröschki

Die zukünftig durchgehend vorgesehenen Fahrten zwischen dem Nordhäuser Krankenhaus und der Ilfelder Neanderklinik machten zum anderen aber auch die Beschaffung von sogenannten „Zweisystem“-Fahrzeugen erforderlich, die sowohl
auf Straßenbahn- als auch auf Eisenbahngleisen fahren konnten. Daher erteilte
das Verkehrsunternehmen der Stadt Nordhausen noch gegen Ende des Jahres 2002 der Firma Siemens den Auftrag zum Bau von drei Fahrzeugen auf Basis der bereits seit zwei Jahren in Nordhausen eingesetzten Straßenbahnzüge vom Typ „Combino“. Der neue als „Combino Duo“ bezeichnete Typ sollte mit einem Diesel-Hybrid-Antrieb fahren und seinen Fahrstrom dabei sowohl aus der Fahrleitung der Straßenbahn als auch durch ein Dieselaggregat auf der oberleitungsfreien HSBStrecke bis nach Ilfeld beziehen. Der entsprechende Spezialantrieb entstand dabei in Zusammenarbeit mit dem Nordhäuser Institut für Maschinen, Antriebe und elektronische Gerätetechnik gGmbH (IMG). Der erste Combino Duo wurde am 12. Februar 2004 ausgeliefert. Nur fünf Tage später begann der erfolgreiche Probebetrieb. Die beiden weiteren Fahrzeuge folgten dann am 18. März bzw. 27. April 2004.

Am 30. April 2004 war es dann schließlich soweit. Bei der offiziellen Eröffnungsveranstaltung feierten zehntausende Besucher auf dem Nordhäuser Bahnhofsplatz das Ereignis und säumten das festliche „Rollout“ der neuen Combino Duo-Fahrzeuge.

Den zehnjährigen Geburtstag des Erfolgskonzepts werden die HSB und die VBN am 30. April 2014  im frisch sanierten Empfangsgebäude des Bahnhofs Nordhausen Nord würdigen und dabei auch die Fotoausstellung „10 Jahre Nordhäuser Modell“ eröffnen. Diese wird anschließend vier Wochen lang im neuen „Dampfladen“ des Südharzer Tourismusverbandes e. V. zu sehen sein, der am 30. April 2014 ebenfalls offiziell seine Pforten öffnen wird. Neben einer Vielzahl touristischer Dienstleistungen wird hier zukünftig auch die Angebotspalette der Harzer Schmalspurbahnen erhältlich sein. In der Zeit von 10:00 bis 16:00 Uhr bietet darüber hinaus die Deutsche Post am 30. April 2014 im Bahnhofsgebäude einen Sonderstempel „10 Jahre Nordhäuser Modell“ an. Tagsüber dreht eine historische Straßenbahn ihre Runden durch die Kreisstadt, und am Nachmittag finden zwei historische Dampfzugfahrten zwischen Nordhausen und Ilfeld statt.

Harzer Schmalspurbahnen GmbH
Friedrichstraße 151
38855 Wernigerode
Tel. 03943 558-0
Fax 03943 558-148
E-Mail: info@hsb-wr.de
www.hsb-wr.de

Verkehrsbetriebe Nordhausen GmbH
Robert-Blum-Straße 1
99734 Nordhausen
Tel.: 03631 639-0
E-Mail: info@stadtwerke-nordhausen.de
www.stadtwerke-nordhausen.de

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