360 Grad Panorama auf Valentia Island

18. August 2014 | Von | Kategorie: Hamburg-Tor zur Welt

Erkundungstour auf einer der westlichsten Inseln Europas im Südwesten Irlands – abseits des berühmten „Ring of Kerry“

Valentia Island - Blick von Geokaun Mountain

Valentia Island – Blick von Geokaun Mountain

In Nordfrankreich habe er gesehen, dass man mit Bergen, die traumhafte Ausblicke bieten, Geld verdienen kann, sagt Muiris O’Donoughue während er mit einer Gruppe Touristen auf Valentia Islands höchsten Punkt mit 360 Grad Panorama stapft. Muiris ist Farmer. Seine Familie lebt in fünfter Generation auf einem gerade mal elf Kilometer langen und drei Kilometer breiten Eiland im Südwesten der irischen Grafschaft Kerry. Da das Land laut Geschichte immer wieder von Krisen gebeutelt war, schien es Muiris auf Dauer zu gewagt, nur von 80 friesischen Kühen zu leben. „Die kleineren Kerry-Kühe geben zu wenig Milch“, meint der drahtige Ire. Also auch nicht alles hundertprozentig Irisch, was in der bekannten Gold-Butter steckt.

Muiris O Donoughue kaufte einen Berg

Muiris O Donoughue kaufte einen Berg

So nahm Muiris einen 270 Meter hohen Berg ins Visier, dessen Besitzer gerade keine Lust mehr hatte, Schafe und Kühe zu melken: „Er wollte lieber ein Restaurant aufmachen und benötigte dringend Geld.“ Schnell wurden beide handelseinig. Doch es vergingen noch einige Jahre, bis Muiris und sein Sohn Bernie das unwegsame Gelände erschlossen hatten und 2006 „Geokaun Mountain“ mit den vorgelagerten Fogher Cliffs in der heutigen Form für Wanderer eröffneten. Breite Wege führen zu den vier Aussichtspunkten „Viewing Deck“ „The Miner’s View“, “The Shepherd’s View“ und „Carraig na Circe“. Mehr als 30 Tafeln informieren über allerlei Mystisches, Geologisches und was es bei guter Sicht rund um die Insel zu entdecken gibt. „Oscar’s Cast“ zum Beispiel ist ein riesiger Felsstein. Er soll von Oscar, dem Enkel Fionns, von der Halbinsel Dingle herüber geworfen worden sein. Fionn war laut irischer Mythologie der Anführer der Fianna, einer Garde mit schwierigsten Aufnahmeprüfungen, die den König von Irland beschützte. Auf 385 Millionen Jahre alte fossile Spuren des ersten Landwirbeltieres auf irischem Boden trifft der Wanderer auf dem „Tetrapod Trackway“, weiter abwärts entlang der Felsenküste. 1992 entdeckte sie ein Schweizer Geologiestudent. Doch wer Dinosaurierspuren erwartet, wird enttäuscht. Das Tierchen maß nur einen Meter.

Knightstown - Uhren und Waagenturm am Hafen

Knightstown – Uhren und Waagenturm am Hafen

Auch über die „Knights of Kerry“, die Valentia Island nach und nach kultivierten, erfährt der Wanderer so einiges, nachdem er „Geokaun Mountain“ erklommen hat. Robert Fitzgerald, der 17. Knight of Kerry, erkannte die günstigen klimatischen Bedingungen durch den Golfstrom und begann, Mitte des 18. Jahrhunderts Flachs an- und die Leinenindustrie aufzubauen. Sein Nachfolger Maurice entwickelte den Hauptort der Insel – „Knightstown“ mit seinem leuchtend roten Uhren- und Waagen-Turm am Pier. „Glanleam House“ plante er zunächst als Farm. Um 1850 begann Peter Fitzgerald, der 19. Knight of Kerry, „Glanleam House & Gardens“ als noblen Landsitz mit 16 Hektar subtropischem Garten, Dschungel und Regenwald anzulegen. „Viele Gewächse, die er pflanzte und die die Jahrzehnte überlebten, stammen von der südlichen Hemisphäre – aus Australien, Neuseeland und Südamerika“, sagt die heutige Besitzerin Meta Kreissig: „Manche gedeihen hier üppiger als in ihren Heimatländern. Und wir haben unsere Glanleam Gold Myrthe, die nur in Irland und England wächst.“ Die Rheinländerin führte in den 1960er und 70er Jahren eine Strickwarenfabrik in Irland. 1975 sah sie das heruntergekommene Herrenhaus und erwarb es samt Gelände. „Es war so stark zugewuchert, dass man vom Haus aus das Meer nicht mehr sehen konnte. Sechs Jahre lang haben wir nur aufgeräumt und 15.000 Pflanzen neu gesetzt“, berichtet die 73-Jährige, die das Haus mit Tochter Jessica, deren Mann und Enkelkindern bewohnt. „Ostern 1994 haben wir den Park schließlich für Publikum eröffnet und dreieinhalb Jahre später wurde Heiligabend durch einen heftigen Sturm fast alles wieder zerstört. In 22 Minuten lagen 80 Bäume am Boden.“ Doch Meta Kreissig ließ sich nicht unterkriegen. „Zu einmalig ist der Ausblick auf den Ozean. Das Gelände ist eine Energiequelle für mich. Es ist mein Paradies.“

Glanleam House auf Valentia Island

Glanleam House auf Valentia Island

Schaut man vom Geokaun Mountain zwölf Kilometer in südliche Richtung, dann ragen, wenn der Atlantiknebel nicht gerade sein weißes Tuch über dem Meer ausbreitet, bizarre Felsformationen namens Great and Little Skellig aus dem Wasser. Bei ruhiger Wetterlage können schwindelfreie Besucher mit Booten hinüber fahren und auf den ausgetretenen Pfaden der Mönche wandeln, die dort auf der größeren der beiden Inseln, „Skellig Michael“, viele Jahrhunderte lebten.

Valentia Island - Skellig Experience Centre

Valentia Island – Skellig Experience Centre

Allen anderen bleibt das Besucherzentrum „Skellig Experience“ gleich hinter der Brücke, die Valentia Island mit dem bunten Fischerdorf Portmagee auf dem irischen Festland verbindet. Eine Ausstellung und ein spannender Film geben Einblick in die Vogelwelt auf Little Skellig und das Leben der frommen Männer und der letzten Leuchtturmwärterfamilie auf Skellig Michael. „Vor mehr als 1.400 Jahren hauten die Gottesmänner Hunderte von Stufen von drei Seiten in den Fels, um ihn erklimmen zu können und um dort ein Kloster und Behausungen zu errichten“, bemerkt Museumskurator John O’Sullivan: „Die erhaltenen Treppen und Bienenkorb ähnlichen Steinhütten gehören zum UNESCO Weltkulturerbe.“ Little Skellig war immer ein Vogelparadies. 50.000 Basstölpel leben dort. Die Mönche fanden Mittel und Wege, sich von Fisch, Kegelrobben, Vögeln und Eiern zu ernähren. Tölpel, Papageientaucher, Möwen und Trottellummen lieferten ihnen Eier und Federn, die auf dem Festland als Tauschmittel für Getreide und Gemüse dienten. Doch auch ein Außenposten wie Skellig Michael blieb nicht immer friedlich. Im 9. und 10. Jahrhundert fuhren die Wikinger übers Meer. Überfielen die Mönche, verkauften sie als Sklaven oder töteten sie. Im 12. Jahrhundert gaben die verbliebenen Ordensbrüder das Kloster auf. Als einmal der irische Dramatiker George Bernard Shaw Skellig Michael besuchte, nannte er die Insel “den fantastischsten und unmöglichsten Felsen der Welt, .., er ist Teil unserer Traumwelt.“

Informationen

Anreise
Mit Aer Lingus (www.aerlingus.com) Direktflug von Hamburg nach Dublin.

Valentia Island ist bei Portmagee über eine Brücke mit dem irischen Festland verbunden. Außerdem gibt es zwischen April und September eine Fährverbindung von Renard Point bei Cahersiveen nach Knightstown.

Sehenswertes auf Valentia Island

Geokaun Mountain & Fogher Cliffs
Tel. 00353 87 6493728
www.geokaun.com
Ganzjährig geöffnet.

Glanleam Gardens
Tel. 00353 66 9476176
Öffnungszeiten: März bis Oktober

The Skellig Experience
Skellig Heritage Centre
Tel. 00353 66 9476306
www.skelligexperience.com
Öffnungszeiten: März bis November

Übernachtung

The Moorings Guesthouse
Portmagee
Tel. 00353 66 9477108
www.moorings.ie
Portmagee ist ein Fischerdorf mit bunten Häusern und über eine Brücke mit Valentia Island verbunden. Direkt hinter der Brücke befindet sich das Skellig Experience Centre.

Glanleam House
Valentia Island
Tel. 00353 66 9476176
Zimmer im Haupthaus und Ferienwohnung mit eigenem Strand.

Essen und Trinken

O’Neills The Point Seafood Bar
Renard Point/Cahersiveen
Tel. 00353 66 9472165
Fischspezialitäten. Direkt am Fähranleger nach Knightstown auf Valentia Island gelegen.

The Moorings Restaurant and The Bridge Bar
Portmagee
Tel. 00353 66 9477108
www.moorings.ie
Fischspezialitäten. In der Bar mehrmals pro Woche „Traditional Irish Music“.
Am Hafen von Portmagee gelegen mit Blick auf Valentia Island.

Allgemeine Informationen

Irland Information Tourism Ireland
Gutleutstr. 32
60329 Frankfurt
Tel: 069 923185-0
www.ireland.com

© Dagmar Krappe (Text und Fotos)

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