Alt wie ein Baum…

17. Mai 2013 | Von | Kategorie: Schleswig-Holstein

Neueröffnung des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus am 23. Mai 2013

© Nils Hinrichsen

Seit Gründung des Museums war an der restaurierten Fassade des Alt-Segeberger Bürgerhauses zu lesen: „ANNO DOM. 1606“. Doch das älteste Haus Bad Segebergs ist viel älter… Wenige Jahre nach dem verheerenden Stadtbrand von 1534 war es als eines der ersten Wohnhäuser Segebergs bereits wieder aufgebaut. Ein Forschungsprojekt des Jahres 2012 ergab, dass die meisten Eichen für das Fachwerkgerüst bereits im Winter 1540/41 geschlagen wurden! Zur Neueröffnung des Museums am 23. Mai 2013 wird das alte Holzschild mit der unkorrekten Jahreszahl „1606“ ersetzt durch ein Buchenschild des Wahlstedter Bildhauers Christopher Coltzau mit der Aufschrift „ANNO DOM. 1541“.

Während des ganzen 16. Jahrhunderts bestand das Segeberger Bürgerhaus jedoch nur aus einer Wohndiele und zwei kleinen Seitenanbauten. Das ursprüngliche „Fachhallenhaus“ war somit noch in mittelalterlicher Bauweise wiedererstanden. In den folgenden Jahrhunderten wurde es – dem jeweiligen Zeitgeschmack entsprechend – dann allerdings immer wieder umgebaut und erweitert.

Bis heute sind sämtliche Bauphasen in der historischen Gebäudekonstruktion ablesbar: Ein einzigartiges Zeugnis vom Wandlungsprozess bürgerlicher Wohnkultur durch etliche Jahrhunderte hindurch! Doch wird an allen erhalten gebliebenen Um- und Anbauten noch etwas anderes deutlich: Die permanenten Fortschritte in der Wohnkultur erzählen auch vom „Prozess der Zivilisierung“, der sich im Bürgertum Holsteins vom Mittelalter bis zur Moderne vollzogen hat. In der neuen Dauerausstellung des Museums Alt-Segeberger Bürgerhaus wird nun auch dieser „kulturelle Fortschritt“ sichtbar!

Triptychon © Nils Hinrichsen

Für heutige Verhältnisse mutet die „Urzelle“ des Bürgerhauses von 1541 noch geradezu mittelalterlich an. Doch entsprach sie in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts durchaus den Anforderungen, die gut gestellte Segeberger Bürger an ihre Behausung stellten. Eine riesige Wohndiele, in der sich das gesamte Alltagsleben abspielte: Wohnen, Schlafen, Essen, Arbeiten, Feiern und Tierhaltung – alles spielte sich in einem Raum ab!

Erst als rund 40 Jahre später (genauer gesagt 1585/85) die „Upkamer“ in das Gebäude eingebaut wurde – eine Hochkammer, die ausschließlich als Schlafzimmer diente – entstand ein früher „vormoderner“ Wohnkomfort; das Schlafen auf der Diele galt fortan nicht mehr als schicklich. Doch konnten sich im ausgehenden 16. Jahrhundert ausschließlich wohlhabende Segeberger Bürger den Luxus einer eigentlich täglich nur wenige Stunden genutzten Kammer leisten. Mit der bis heute erhalten gebliebenen „Upkamer“ zeigt das Museum erstmalig, wie dieser erste Fortschritt Richtung zivilisierte Bürgergesellschaft aussah.

Zugleich zeugen alle nachfolgenden Umbauten des Fachwerkhauses von der Wandlung der kleinstädtischen Wohnkultur ebenso, wie von der Jahrhunderte langen Entwicklung des holsteinischen Ackerbürgertums.

Museum Alt-Segeberger Bürgerhaus © Nils Hinrichsen

Noch bis 1959 war das Alt-Segeberger Bürgerhaus bewohnt, dann sollte es wegen Baufälligkeit abgebrochen werden. Nach seiner Rettung und Grundsanierung diente es in den letzten fünf Jahrzehnten als „Heimatmuseum“ – eine Nutzung, die zuletzt längst selber museal war. In der neuen Dauerausstellung des Bad Segeberger Museums wird auch dieses Kapitel in der Geschichte des Alt-Segeberger Bürgerhauses aufgeschlagen.

Die Geschichte des 500-jährigen Bürgerhauses ist nicht erzählbar ohne den Hintergrund der Stadtgeschichte. Zwei Räume im Alt-Segeberger Bürgerhaus sind daher dem Werden und Geschick der Stadt gewidmet. In einem chronologischen Durchgang erfährt der Besucher, wie aus der mittelalterlichen Bauarbeitersiedlung der Siegesburg die zeitweilige Hauptstadt Holsteins werden konnte und wie zuletzt ehrgeizige Pläne einer Bergwerksstadt in der Gründung des modernen Kurortes Bad Segeberg mit den alljährlichen Karl-May-Spielen mündeten.

Mit der Wiedereröffnung des Museums wird zugleich eine Sonderausstellung zur „Lübecker Straße“ eröffnet, die bis zum 1. September 2013 zu sehen sein wird. Die Lübecker Straße ist die älteste Straße der Stadt Bad Segeberg. Bereits mit dem Bau der Siegesburg im 12. Jahrhundert siedelten hier, auf der Bruchkante um den Kalkberg, die Handwerker der Burgbaustelle. Im Jahre 1260 erlangte diese Siedlung das Lübsche Stadtrecht – die heutige Lübecker Straße ist somit der Ursprung der Stadt Bad Segeberg!

Auch heute schmiegt sich die Lübecker Straße eng um den Kalkberg und hat noch immer vieles von seiner Ursprünglichkeit bewahrt. Auf alten Ansichten aus dem letzten und dem vorletzten Jahrhundert sind diese Einsichten in der Ausstellung noch deutlich(er) zu bewundern.

Informationen

Museum Alt-Segeberger-Bürgerhaus
Lübecker Straße 15
23795 Bad Segeberg
Tel. 04551 964204
www.museum-badsegeberg.de
Öffnungszeiten:
Apr. – Okt. Di – So 12 – 17 Uhr (Neueröffnung am 23. Mai 2013, um 11 Uhr)
Nov – März auf Anfrage
Eintrittspreise:
Erw. 1 €, Kinder bis 14 J. 0,50 €, Familienkarte 2,50 €

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