An Hamburgs Waterfront

1. Januar 2014 | Von | Kategorie: Die Reportage, Hamburg

Spaziergang durch Speicherstadt und HafenCity

Dalmannkaipromenade in der HafenCity Hamburg © Axel Baumann

Einiges, was sich derzeit in der Hamburger HafenCity im Bau befindet, muss sich erst noch in einen stolzen Schwan verwandeln. Und vieles wird in den nächsten Jahren noch hinzukommen, auch wenn inzwischen mancher Glasturm bewundernde oder zumindest interessierte Blicke auf sich lenken kann. Bis zirka 2025 soll sich die Hamburger Innenstadt um 40 Prozent erweitert haben. Auf 157 Hektar wird es eine Mischung aus Wohnen, Arbeiten, Kultur und Natur geben. 12.000 Menschen werden zukünftig hier leben und 45.000 ihren Arbeitsplatz haben. Die HafenCity wird von Westen nach Osten und von Norden nach Süden entwickelt. 50 Projekte sind fertiggestellt, weitere 37 im Bau oder in der Planung.

Nach fünf Jahren Bauzeit nahm im Dezember 2012 die U-Bahnlinie U4 von Billstedt über den Jungfernstieg bis zur HafenCity ihren Betrieb auf. Überseequartier und HafenCity Universität heißen die beiden Haltestellen. Wir nehmen die U-Bahn bis zum Überseequartier und fühlen uns nach dem Aussteigen auch erst einmal im Meer oder unter der Elbe, zumindest aber unter Wasser. Wie ein Taucher, der langsam aus 18 Metern Tiefe wieder an der Oberfläche auftaucht, begeben wir uns vom dunklen Blau in immer hellere Farbtöne, die schließlich silbrig schimmern. Die Wände sind mit blauen Glaskacheln verkleidet, die nach oben immer heller werden. Silberne Bleche an der Decke erwecken den Eindruck einer Wasseroberfläche. Oben angekommen, stören immer noch viele Baukräne und Brachflächen das einheitliche Bild der neuen Glasgiganten, von denen der Marco-Polo-Wohn- und Gewerbeturm und das Unilever-Gebäude in der Nähe der Marco-Polo-Terrassen sicherlich am spektakulärsten wirken. Aber das ist reine Geschmacksache. Das Langnese-Café mit Elbblick ist nicht nur Unilever-Mitarbeitern vorbehalten. Sollte gerade ein Kreuzfahrtschiff am Cruise Center 1 angelegt haben, hat man vor hier beste Sicht und kann ein bisschen von Urlaub und Luxus träumen. Die meisten musealen Attraktionen befinden sich allerdings nicht in der HafenCity, sondern in der alten Speicherstadt mit ihren roten Backsteinfassaden, die durch die Straße Am Sandtorkai von den modernen Glasbauten getrennt ist. An der derzeitigen Endstation der U4 „HafenCity Universität“ auszusteigen, macht weniger Sinn, da man sich inmitten einer Großbaustelle beziehungsweise Brachfläche wieder findet, aber die Haltestelle selbst lohnt einen Abstecher. Hier herrscht Hafenatmosphäre. Die Wände sind mit dunkelbraunen, glatten Metallplatten verkleidet. Zwölf je sechs Tonnen schwere Milchglas-Leuchtcontainer in den Abmessungen von 20-Fuß-Containernern erhellen die Bahnsteige. Farbige LED-Lampen sorgen für unterschiedliche Lichtstimmungen.

U-Bahn-Station der Linie U4 „HafenCity Universität“ © Dagmar Krappe

Da das gesamte Areal unmöglich in einem Tag zu erkunden ist, zumindest nicht, wenn man sich das eine oder andere Bauwerk und Museum ansehen möchte, sollte man sich spätestens an der U-Bahnstation Überseequartier (Ausgang Hübenerstraße/Elbphilharmonie) entscheiden, ob man den östlichen oder westlichen Teil des Gebietes auskundschaften möchte. Wir konzentrieren uns zunächst auf den von der U-Bahnstation in nordöstlicher Richtung gelegenen Part. Schlendern den Großen Grasbrook entlang und wandern nach rechts über denSandtorpark, die erste Grünfläche, die 2011 in der HafenCity angelegt wurde. Weiter geht es über die Tokiostraße zum Internationalen Maritimen Museum. Hier treffen wir links von der Busan-Brücke auf einen alten Bekannten. Das Störtebeker-Denkmal aus der Straße Großer Grasbrook hat nun in der Nähe des Museums einen neuen Standort gefunden. Die Bronzestatue des Künstlers Hansjörg Wagner erinnert an den Piraten Klaus Störtebeker, der 1401 als Anführer der Likedeeler (Gleichteiler) auf dem Grasbrook enthauptet wurde. Im Maritimen Museum wird auf neun Decks im ältesten noch erhaltenen Speicher der Stadt, dem Kaispeicher B aus dem Jahre 1878, die Privatsammlung des Hamburger Professors Peter Tamm gezeigt, dessen Sammelleidenschaft als 6-Jähriger begann. Tausende Exponate von Segelschiffen, Dampfern, U-Booten, Schiffsmodellen aus verschiedenen Materialien vom 16. Jahrhundert bis in die Gegenwart, über Seekarten, Navigationsgeräte und Schiffseinrichtungsgegenstände, lassen den Betrachter staunen. Wem der Sinn mehr nach Autos statt nach Schiffen steht, der macht im Automobilmuseum Prototyp in der Shanghaiallee eine Zeitreise durch die Welt der Rennwagen.

Deutsches Zollmuseum © Axel Baumann

Wer sich für den westlichen Teil der HafenCity entscheidet, gelangt von der U-Bahnstation Überseequartier über den Großen Grasbrook zu den Magellan-Terrassen, die uns den Blick auf den Traditionsschiffhafen mit alten Seglern und Dampfern freigeben, eingerahmt von den unterschiedlichsten architektonischen Projekten, hinter deren schillernden Fronten sich Büros und Wohnungen verbergen. Im Pavillon Elbphilharmonie erhalten wir ausführliche Informationen über das sich immer wieder verzögernde Megaprojekt. Im oberen Stockwerk des würfelförmigen Baus ist das 1:10-Modell des großen Konzertsaals montiert, der einmal 2.150 Besuchern Platz bieten wird. Die eigentliche Ausstellung befindet sich im Erdgeschoss des Pavillons. Sie informiert sowohl über die Architektur als auch über die Nutzung der Elbphilharmonie. Draußen bieten aus der Fassade ragende Hör- und Sehrohre audiovisuelle Eindrücke.

Links um die Ecke im Kesselhaus, Am Sandtorkai 30, informieren wir uns über neueste Bauaktivitäten in der HafenCity. Hier wird alles präsentiert, was sich derzeit und weiterhin zwischen Elbbrücken und Kehrwiederspitze tut. Am Modell, mittels Computern, Hörstationen, Filmen und Broschüren kann man sich mit Vergangenheit und Zukunft der zehn wachsenden Quartiere auseinandersetzen. Am Sandtorkai 34 riecht es hingegen nach Gewürzen. Im Spicy’s werden gleich mehrere Sinne angesprochen. Etwa 50 Rohgewürze kann man hier fühlen, riechen und schmecken. Über 800 Exponate erzählen Gewürzgeschichte vom Anbau bis zum Fertigprodukt. Am Sandtorkai 36 hat sich das Speicherstadtmuseum niedergelassen. Kaffee, Tee, Kakao & Consorten sind die Themen. Im authentischen Rahmen eines Lagerhauses aus dem 19. Jahrhundert zeigt das Museum, wie die Quartiersleute (Lagerhalter) früher hochwertige Importgüter gelagert, bemustert und veredelt haben. Auch die Baugeschichte der Speicherstadt wird illustriert. Sie entstand zwischen 1883 und 1914 als weltweit größter zusammenhängender Lagerhauskomplex. An den wuchtigen roten Backsteinwänden prangen immer noch einige Namen von Quartiersleuten wie „Adolf Tiede und Söhne“ oder „Eichholtz und Consorten“ in großen goldenen Lettern. Das Besondere des Museums sind Tee- und Kaffeeverkostungen, die an verschiedenen Wochenenden stattfinden. Dann erfährt man auch, dass es in Hamburg das erste Kaffeehaus sieben Jahre früher gab als in Wien.

Eröffnungsfeuerwerk für die Miniatur-Elbphilharmonie im Miniatur Wunderland © Axel Baumann

Gleich drei Attraktionen gibt es in der Parallelstraße Kehrwieder: Im Miniatur Wunderland lässt sich der Eisenbahnfan im Maßstab 1:87 begeistern. Auf 12 Kilometern Gleislänge bahnen sich über 800 Züge ihren Weg durch Landschaften in Deutschland, Österreich, der Schweiz, Skandinavien und den USA. Und am 13. November 2013 wurden nur wenige hundert Meter von der Originalbaustelle entfernt, auf einer Fläche von 70.000 Quadratzentimetern, eine Miniatur-Elbphilharmonie im Maßstab 1:130 sowie zehn Gebäude der umliegenden HafenCity mit einem Miniatur-Feuerwerk eröffnet. Im Wunderland ist vieles möglich, was in der realen Welt noch warten muss. In der Speicherstadt-Kaffeerösterei nebenan kann man mehrmals täglich beim Rösten zuschauen und sonntags nach Anmeldung auch an Verkostungen unterschiedlichster Sorten und Qualitäten teilnehmen. Schauspieler entführen im Hamburg Dungeon mutige Erwachsene und Kinder ab 10 Jahren ins 18. und 19. Jahrhundert, als Sturmflut, Pest und Feuerbrünste die Hansestadt heimsuchten.

Großsegler Rickmer Rickmers © Dagmar Krappe

Nach einem ereignisreichen Tag zwischen traditionsreichen dicken Backsteinmauern und futuristischen Bauten aus Beton und Glas, begeben wir uns auf die Heimreise. Über die Straße Niederbaumbrücke ist die U-Bahnstation Baumwall schnell erreicht. Aber was wäre ein Besuch in HafenCity und Speicherstadt ohne eine kurze Schifffahrt? Dafür verlassen wir die HafenCity vom Fähranleger Elbphilharmonie, um auf selbige noch einen letzten Blick zu werfen. Von Bord der Fähre 72 sehen wir das rote Feuerschiff, den Stückgutfrachter Cap San Diego und den Großsegler Rickmer Rickmers im Hafenbecken dümpeln. Dann nehmen wir Kurs auf die St. Pauli Landungsbrücken.

Informationen

Hamburg Tourismus GmbH
Steinstr. 7
20015 Hamburg
Tel.: 040-30051300
Fax: 040-30051333
www.hamburg-tourismus.de

Windjammer Rickmer Rickmers
Landungsbrücken, Ponton 1a
www.rickmer-rickmers.de

Stückgutfrachter Cap San Diego
Überseebrücke
www.capsandiego.de

Restaurant/Bar „Das Feuerschiff“
Vorsetzen
www.das-feuerschiff.de

Miniatur Wunderland Hamburg
Kehrwieder 2 – 4
www.miniatur-wunderland.de

Hamburg Dungeon
Kehrwieder 2
www.the-dungeons.de

Speicherstadt Kaffeerösterei und Café
Hacienda San Nicolás GmbH

Kehrwieder 5
www.speicherstadt-kaffee.de

Spicy’s Gewürzmuseum
Am Sandtorkai 34
www.spicys.de

Pavillon Elbphilharmonie
Besichtigung des Konzertsaal-Modells
Magellan-Terrassen/Großer Grasbrook
www.elbphilharmonie.de

Internationales Maritimes Museum Hamburg
Kaispeicher B / Koreastr. 1
www.internationales-maritimes-museum.de

Automobilmuseum Prototyp
Shanghaiallee 7
www.prototyp-hamburg.de

Speicherstadtmuseum
Am Sandtourkai 36
www.speicherstadtmuseum.de

Deutsches Zollmuseum Hamburg
Alter Wandrahm 16
www.museum.zoll.de

Chocoversum
Meßberg 1
www.chocoversum.de

© Text: Dagmar Krappe, Fotos: Dagmar Krappe (2) / Axel Baumann (3)

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