Archäologie und Propaganda

8. März 2013 | Von | Kategorie: Bremen

Sonderausstellung im Bremer Landesmuseum zeigt die enge Verzahnung von Politik und Archäologie im Nationalsozialismus

© BTZ - Focke-Museum - Graben fuer Germanien

Der von den Römern geprägte Begriff „Germanien“ weckt bis heute unterschiedliche Assoziationen. Während der Zeit des Nationalsozialismus diente er dem NS-Regime zur Verbreitung ihres ideologischen Gedankengutes. Massive Unterstützung erhielt die Politik dabei in den Jahren zwischen 1933 und 1945 von der Archäologie, die vermeintlich wissenschaftliche Belege für eine germanische Hochkultur und ihr großes Siedlungsgebiet lieferte. Diese Belege nutzten die Nationalsozialisten, um die eigene Überlegenheit zu beweisen und Besitzansprüche auf Territorien in den Nachbarländern zu legitimieren. Die Verflechtung von NS-Regime und Archäologen wurde bisher noch nicht umfassend aufgearbeitet. Dies geschieht nun erstmals im Rahmen einer Ausstellung in Bremen.

„Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz“

Das Focke-Museum, Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, zeigt unter dem Titel „Graben für Germanien. Archäologie unterm Hakenkreuz“ vom 10. März bis 8. September 2013 eine große Sonderausstellung, die das spannungsvolle Verhältnis von Politik und Archäologie im Nationalsozialismus beleuchtet. Schirmherr der Ausstellung ist Kulturstaatsminister Bernd Neumann. Er betont: „Die Ausstellung leistet einen Beitrag zur Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels unserer Geschichte und verdeutlicht darüber hinaus den hohen Stellenwert der Freiheit von Wissenschaft und Forschung“.

 

Auf 800 Quadratmetern präsentiert das Focke-Museum über 750 Exponate, darunter sowohl nationale und internationale Leihgaben als auch eigene Bestände. Sie dokumentieren eindringlich, wie ideologisch geprägte Vorstellungen über Germanien im Unterricht und im Alltag vermittelt wurden – und machen bewusst, dass das damals in die Welt gesetzte Germanenbild bis in die Gegenwart nachwirkt. So propagiert die rechte Szene noch immer diese falschen Vorstellungen. Versatzstücke des nationalsozialistischen Germanen-Mythos finden sich immer wieder in den Massenmedien, in der rechtsextremen Jugendkultur und in verschiedenen Musikszenen. Das Internet erleichtert und beschleunigt die weltweite Verbreitung und Vermarktung rassistischer Ideologien immens. Die Ausstellung untersucht also ein aktuelles gesellschaftspolitisches Thema, das die Ursprünge der Vorstellungen von „Germanien“ mit der Gegenwart verknüpft.

Umfassendes Begleitprogramm

Im Begleitprogramm zur Ausstellung finden ab Februar 2013 Vorträge von Wissenschaftlern zu verschiedenen Gesichtspunkten statt, unter anderem zu Ausgrabungen in besetzten Gebieten, zur Rolle von Zwangsarbeitern in der Archäologie und zu psychologischen Aspekten von Rechtsradikalismus. Neben Themenführungen bietet das Focke-Museum auch satirische Führungen mit Pago Balke an.

Weitere Informationenüber die Ausstellung, Tickets, die Anreise sowie Übernachtungsmöglichkeiten gibt es bei der Bremer Touristik-Zentrale, Service-Telefon 04 21 – 30 800 – 10 oder im Internet unter www.bremen-tourismus.de

Informationen zum Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte „Focke-Museum“:  www.focke-museum.de, Öffnungszeiten: Di 10 – 21 Uhr, Mi – So 10 – 17 Uhr

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