Auf vier Pfoten durchs Gebirge – ein nicht alltäglicher Wintersport

30. Dezember 2011 | Von | Kategorie: Niedersachsen

Eine Faszination, die nicht nur die vierbeinigen Sportler ansteckt
4er-Gespann am Start Hundeschlitten

4er-Gespann am Start

Zugegeben, ein vor Kraft strotzendes Schlittenhundegespann mit einem „richtigen“ Schlitten im Gepäck macht rein aus optischer Sicht einfach mehr her. Doch was tun, wenn eine  Weltmeisterschaft lockt und statt eines satten Weiß ein herrlicher November-Sonnentag herrscht? Wenn sattgrüne Wiesen, Felder und Wege als Parcours herhalten müssen? Winterfreuden hin oder her, dann werden einfach die Kufen bis zum Januar eingemottet und statt dessen ein drei- oder vierrädriges Gefährt hinten an die Meute gehängt. Warten bis es endlich geschneit hat, wollen weder die zwei- noch die vierbeinigen Leistungssportler. Die interessierten Zuschauer ebenso wenig. Doch vielleicht ist es bald wieder soweit, dann können sich Herrchen, Frauchen und die kleinen Kläffer wieder im Schnee austoben. Und, gibt es im Norden ein passenderes Ambiente als den Harz mit seiner pittoresken Winterlandschaft? Wohl kaum. Das haben bereits vor Jahren ebenfalls die Organisatoren zahlreicher Rennsportveranstaltungen erkannt und laden regelmäßig nationale wie internationale Könner dieser Hundesportart in das einzige norddeutsche Mittelgebirge ein.

„Wenn die Hunde vor einem Rennen angespannt zittern, ist es kein Anzeichen von Angst, vielmehr ein Ausdruck von Freude und Ungeduld, dass es bald losgeht“, erklärt geduldig der Musher den interessierten Zaungästen. Der Blick auf die vier erwartungsvoll wartenden Hunde gibt im Recht. Ohne mehrere helfende Hände hätte der Mann hinten auf dem kleinen Wagen keine Chance seine Meute in Zaum zu halten, geschweige denn auf den sehnlichst erwarteten Startschuss zu warten. Doch kaum gibt es das O.K. des Zeitnehmers, braust das Gespann schon los. Nur mit viel Training und Routine gelingt es dem Hundeführer sein Gespann nach wenigen Metern in vollendeter Ideallinie durch die erste Kurve zu lenken und ohne das es umkippt. So schnell haben die 16 Pfoten das Gefährt bereits nach wenigen Metern beschleunigt. Dabei warten noch einige Kilometer auf die Truppe. Deutlich gelassener aber nicht minder interessiert verfolgen einige Huskies entlang der Absperrung als „Zuschauer“ den Rennverlauf ihrer vierbeinigen Mitbewerber. Geduldig warten sie darauf eingeschirrt zu werden und endlich selbst an den Start gehen zu dürfen. Dann aber sind auch sie nicht mehr zu bremsen, um ihren Trail in persönlicher Bestzeit zu bewältigen.

Im wahrsten Sinne des Wortes – „die Lauffreude steckt ihnen im Blut“. Bereits vor mehr als 4.000 Jahren nutzten sibirische Nomaden diese Eigenschaft des „besten Freunds des Menschen“ als kommodes Fortbewegungsmittel. Eine Idee, die überall im Norden Anklang fand. So lernten auch auf der anderen Seite der Beringstraße die Eskimos die Annehmlichkeiten dieser Mobilität zu schätzen. Sie entwickelten daraus ein recht multifunktionales Haustier: die Huskies waren Spielkameraden der Kinder, sie begnügten sich mit den vorhandenen Essensresten, dienten einigen Stämmen sogar selbst als Nahrungsquelle oder ließen sich als Gabe den Göttern opfern. Gleichzeitig waren sie ein Ausdruck von Wohlstand und Reichtum. Es machte halt etwas her, wenn man Dutzende gar Hunderte von Schlittenhunden sein Eigen nennen konnte – halt so wie heute, wenn ein Musher bewundernde Blicke erntet, wenn vorneweg gleich zwölf Hunde auf Höchstgeschwindigkeit beschleunigen.

Dem Goldrausch vergangener Tage in Nordamerika verdankten die Huskies dann ihre heutige Bestimmung: Die Goldgräber benötigten einfach jedes verfügbare Last- und Zugtier. In der Freizeit veranstalteten sie dann die ersten Schlittenhunderennen mit ihren Huskies.

Auch wenn die meisten Laien heute Huskies fest mit dem Begriff „Schlittenhunde“ verbinden, längst konkurrieren neue Hunderassen bei den Mushern um die Gunst als Sportkamerad. So finden sich heute immer häufiger besondere Züchtungen von Jagd- und Windhunderassen vor einem Gespann wieder.

Wer selbst einmal die Weite und Ursprünglichkeit einer verschneiten Winterlandschaft kennen lernen will, braucht deswegen weder in die Weiten Skandinaviens oder gar nach Alaska zu reisen. Das Gefühl mit Mutter Natur auf Du und Du zu sein, lässt sich gleichfalls im Harz erleben. Je nach Wetterbedingungen wird in Clausthal-Zellerfeld ebenso in der Wintersaison dieses Erlebnis gelebt, sei es als geführte Winterwanderung per Schneeschuh, sei es in Begleitung eines kräftigen Schlittenhundes.

Egal, ob aktiv oder passiv, selbst wer dieses Flair nur konsumieren will, wird in den kommenden Wochen hier auf seine Kosten kommen (Angaben ohne Gewähr): In der Westernstadt „Pullmann City Harz“ in Hasselfelde im Ostharz startet am 7. und 8. Januar 2012 ein Schlittenhunderennen – so die Planungen. Dann lädt der „Sportverein reinrassiger Schlittenhunde Deutschland“ zum „12. Internationalen Schlittenhunderennen“ in die Pullmann City ein, einem Wertungslauf zur Internationalen Norddeutschen Meisterschaft.

Bereits zwei Wochen später, am 21. und 22. Januar 2012, ist Benneckenstein das Mekka der Schlittenhundefreunde. Bereits zum 19. Mal findet dort ebenfalls ein Wertungslauf zur norddeutschen Meisterschaft statt. Auf der Bockwieser Höhe wird am 4. und 5. Februar 2012 Clausthal-Zellerfeld Gastgeber der „Oberharz Schlittenhunde Adventure“ sein. Seit 1981 findet dieses sportliche Ereignis hier im Oberharz statt.

Informationen und Adressen:

Da diese Sportveranstaltungen stark vom Wetter abhängen, ist es ratsam, sich vorab zu informieren, ob die Rennen tatsächlich stattfinden oder ob sie kurzfristig abgesagt worden sind. Auch sollten eigene Haustiere nicht mitgenommen werden, um die Schlittenhunde nicht zu irritieren oder zu gefährden.

SRSD – Sportverein Reinrassiger Schlittenhunde Deutschland e.V., Luzerner Str. 37a, 12205 Berlin, Tel. 030/84727473, www.schlittenhunderennen.de

Harzer Tourismusverband e.V., Marktstr. 45, 38640 Goslar, Tel. 05321/3404-0, Fax: 05321/3404-66, Internet: www.harzinfo.de, Mail: info ‎@‎harzinfo.de

Westernstadt Pullman City Harz, HaWo Management GmbH, Am Rosentale 1,38899 Hasselfelde, Tel. 039459/731-0, Fax. 039459/73110, Internet: www.westernstadt-im-harz.de Mail: info@westernstadt-im-harz.de

Tourist-Information Benneckenstein, Bahnhofstraße 22c, 38877 Benneckenstein, Tel. 039457/2612, Fax. 039457/2613, Internet: www.benneckenstein.de, Mail: benneckenstein@oberharzstadt.de

Tourist-Information Clausthal-Zellerfeld, Bergstraße 31 (Dietzelhaus), Tel. 05323/81024, Fax. 05323/81024, Internet: www.oberharz.de, Mail: info@oberharz.de

Adrenalintours (z.B. Harzwanderungen auf Skischuhen), Buchungs- und Informationsbüro, Kronenplatz 4, 38678 Clausthal-Zellerfeld, (Büro: Mo 14 – 19 Uhr, Di + Do 9 – 13 Uhr), Tel. 05323/9877828, Internet: www.adrenalintours.de, Mail info@adrenalintours.de

© Text und Fotos: Helge Holz

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