Ausstellungen Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

8. Februar 2015 | Von | Kategorie: Hamburg

Museum für Kunst und Gewerbe, Hamburg

Cannes Outdoor Lions“ –  30. Januar bis 3. Mai 2015

Jung von Matt, Renovated Billboards - Pink House, 2013, Hamburg, Werbung für OBI ausgezeichnet als Gold Lion Campaign, 2014 © Cannes Lions

Jung von Matt, Renovated Billboards – Pink House, 2013, Hamburg, Werbung für OBI
ausgezeichnet als Gold Lion Campaign, 2014
© Cannes Lions

Jedes Jahr werden beim großen internationalen Festival an der Côte d’Azur in Cannes die kreativsten Werbekampagnen der Welt prämiert. Eine Auswahl der Filmgewinner wird zur „Cannes-Rolle“ zusammengeschnitten und in zahlreichen Kinos präsentiert. Mittlerweile prämiert das Festival Kreativkampagnen in sechzehn verschiedenen Kommunikationskategorien. Die Kategorie Outdoor gewinnt in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung, sodass 2014 weltweit über 5.000 Outdoor-Kampagnen beim Festival eingereicht wurden. Outdoor umfasst vor allem Plakatkampagnen, aber auch andere Formen der Werbung, die im Freien stattfinden. Ab dem 30. Januar 2015 zeigt die Ausstellung „Cannes Outdoor Lions“ Werbekampagnen, die 2014 mit den begehrten Löwen-Trophäen ausgezeichnet wurden. Gemeinsam mit der Agentur Jost von Brandis präsentiert das MKG über 150 Drucke der prämierten Kampagnen. Die „Outdoor Lions“ bieten einen spannenden Einblick in aktuelle globale Kreativtrends. Jost von Brandis ist deutscher Repräsentant der Outdoor-Kategorie bei den Cannes Lions; das Schwesterunternehmen WerbeWeischer repräsentiert seit 1996 offiziell das Cannes-Lions-Festival in Deutschland.

Herbarium. Wilhelm Weimar. Die Sammlung Fotografie im Kontext – 3. Februar bis 19. April 2015

Wilhelm Weimar, Pflanze, Hamburg, 1898, Zelloidin-Abzug auf Karton, 24 x 18 cm, © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Wilhelm Weimar, Pflanze, Hamburg, 1898, Zelloidin-Abzug auf Karton © Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Wilhelm Weimars fotografisches Herbarium entsteht um die Jahrhundertwende und vereint den geschärften Blick der botanischen Wissenschaft mit jenem für ästhetische Komposition. Vor neutralem Hintergrund lichtet der Fotograf Blüten, Blätter und Zweige ab, stets bemüht um eine ansprechende Bildgestaltung und eine wahrheitsgetreue Übertragung der Formen und Farbwerte der Natur. Seine Aufnahmen entstehen in Rahmen kunstgewerblicher Gestaltungslehre, die zu dieser Zeit auf der Suche nach neuen Schmuckformen auf die Strukturen und den Aufbau der Natur zurückgreift. Weimar (1857-1917) rückt jedoch die starre, tektonische Form der Pflanzen in den Hintergrund und vermittelt einen Eindruck von ihrer organischem Lebendigkeit und Dynamik. Seine Arbeiten vereinen botanisches Interesse, die Tradition des kunstgewerblichen Vorlagenwerks und das erwachende Interesse am autonomen fotografischen Bild, das über den Status des Hilfsmediums hinausgeht. Die Ausstellung gibt mit rund 40 Arbeiten Einblick in einen bisher gänzlich unbekannten und bedeutenden Bestand aus dem Werk Wilhelm Weimars und setzt ihn in Bezug zu Pflanzenfotografien von Constant Alexandre Famin (1827-1888), der Gebrüder Alinari (aktiv 1854 – 1890) sowie einer Vorlagenmappe für Kunstgewerbe des Verlegers Martin Gerlach (1846-1918), die ebenfalls gezeigt werden. Die mehr als 250 Pflanzenbilder, die sich heute in der Sammlung Fotografie und Neue Medien des MKG befinden, fertigt Weimar zwischen 1890 und 1906.

 

Bilder der Mode. Meisterwerke aus 100 Jahren – 19. Dezember 2014 – 3. Mai 2015

Antonio, At Home, 1967 © Courtesy of Estate of Antonio Lopez and Juan Ramos and Galerie Bartsch & Chariau

Antonio, At Home, 1967 © Courtesy of Estate of Antonio Lopez and Juan Ramos and Galerie Bartsch & Chariau

Mit einem einzigartigen Überblick demonstriert das Genre Modezeichnung seine Berechtigung als eigenständige Kunstform. Zwar wird Mode seit der Antike abgebildet und seit dem 19. Jahrhundert auch in Zeitschriften und Grafikserien illustriert, doch entstand die Modezeichnung als eigenständiges Format erst mit dem Aufkommen von Modemagazinen wie Vogue, Gazette du Bon Ton oder Harper’s Bazaar. Die Bilder der Mode, die das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) ab dem 19. Dezember 2014 zeigt, stammen aus dem Besitz der renommierten Münchner Galeristin, Sammlerin und großen Kennerin der Illustration, Joëlle Chariau. Die Originale aus dieser Sammlung vermitteln eine Vorstellung vom Wesen der Modezeichnung und ihrer Qualität auf höchstem künstlerischem Niveau. Die über 200 Arbeiten feiern die Kreationen der großen Haute-Couture-Häuser, von Paul Poiret und Coco Chanel über Christian Dior bis hin zu Christian Lacroix, Alexander McQueen, Yohji Yamamoto und Comme des Garçons. Ihre außerordentliche Feinheit und Präzision vermögen oft überzeugender als Fotografie, die Eleganz und die Extravaganz der jeweils neuesten Kollektionen und Kreationen ins Bild zu setzen. Die Sammlung von Joëlle Chariau zeigt diese Entwicklung in sieben Abschnitten anhand beispielhaft ausgewählter Werke.

Die Sammlung von Joëlle Chariau, in 28 Jahren entstanden, zeugt von der höchst erfolgreichen Zusammenarbeit ihrer Galerie Bartsch & Chariau mit den Künstlern beziehungsweise deren Erben. Die Arbeiten dieser Sammlung waren bisher nur einmal 2011 im Design Museum London zu sehen, wo sie von den Medien und dem Publikum gefeiert wurden.

 

Neueinrichtung der Sammlung Islamische Kunst – ab 12. April 2015

MKG Neueröffnung Islamische Kunst

Fliesenbogen, Iznik/Türkei, Osmanische Dynastie, Mitte 16. Jh., Quarzfritte mit Glasur © Maria Thrun / Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG) stellt seine Sammlung islamischer Kunst auf erweiterter Fläche und in neuer Konzeption vor. Vor dem Hintergrund des zunehmenden öffentlichen Interesses an muslimischen Kulturen will das MKG den Islam als kulturelle Größe und Weltreligion in seiner historischen, geografischen, sozialen und politischen Vielfalt und Bedeutung erfahrbar machen. Die aktuelle Zerstörung historischer Stätten im Nahen Osten macht es umso dringlicher, die Geschichte und die Errungenschaften der großen Zivilisationen der Menschheit zu bewahren und weiterzuerzählen. Die Präsentation nimmt, wie auch zuvor bei den neu gestalteten Themen Buddhismus, Christentum und Judentum, zentrale Aspekte in den Blick, die die Kultur des Islam auszeichnen: Die große Vielfalt islamischer Kulturen, die Wechselwirkungen und der Wissenstransfer mit dem Alten Orient, den ostasiatischen und europäischen Kulturen und die Bedeutung der Religion für die künstlerische Produktion. Der historische Parcours wird durch wechselnde Arbeiten zeitgenössischer Künstler ergänzt. Sie bieten verschiedene Perspektiven auf den Umgang mit dem kulturellen Erbe und greifen aktuelle Themen auf. Der Animationsfilm Simorgh des Iraners Meghdad Asadi Lari bearbeitet beispielsweise mit der „Konferenz der Vögel“ ein bedeutendes Werk der persischen Mystik aus dem 12. Jahrhundert. Die libanesische Comic-Autorin Zeina Abirached erzählt von ihrem familiären Alltag während des Bürgerkriegs. Die Ausstellung zeigt rund 270 Exponate wie Architekturteile, Fliesenfelder, Keramik, Teppiche, Stoffe mit Metallbroschur, Buchkunst, tauschierte Metallgefäße, Filme und Graphic Novels.

Mit dieser Neuaufstellung will das MKG dem verbreiteten Vorurteil entgegenwirken, der Islam sei eine in sich geschlossene Welt, die durch ein einheitliches Erscheinungsbild gekennzeichnet ist. Mit ausgewählten Sammlungsobjekten erzählt das MKG von der Vielfalt ihrer Gebrauchsweisen und ihrer Bedeutungen in alltäglichen, rituellen und künstlerischen Zusammenhängen. Ziel der Neupräsentation der Sammlung Islamische Kunst ist es, mit diesen Erzählsträngen und Zugängen eine komplexe Zivilisation nachzuzeichnen, die über Epochen und Grenzen hinweg immer in Bewegung und im Austausch war und die das Abendland mitgeprägt hat. Die kulturelle Vielfalt islamisch geprägter Kulturen zeigt sich bis heute in der unterschiedlichen Einstellung zur Figurendarstellung oder zur religiösen Praxis. Auch im Bereich des Glaubens existieren verschiedene Interpretationen und Wege.

Was heißt Islamische Kunst?: Die Bezeichnung Islamische Kunst meint die Kunst islamisch geprägter Länder – von Spanien bis Indien und von Nordafrika bis Zentralasien – mit ganz unterschiedlichen Traditionen. Sie ist außerdem geprägt durch vielfältigen Kulturaustausch.

Begleitprogramm: Zur Neueinrichtung der Sammlung Islamische Kunst bietet das MKG ein umfangreiches Rahmenprogramm mit Gesprächen, Führungen, Vorträgen, einem Kalligrafie-Workshop und Moschee-Tour.

 

Silber made in Hamburg – seit 9. September 2014

Salzgefäße in Form eines muscheltragenden Oktopus, filigraner Schmuck aus Büroklammern und Edelsteinen, scharfkantig gezackte Teeservice, Dosen aus gelötetem Silberdraht, zeitlos schöne Kannen, archetypische Vasen, die sich an der rauen Industrieästhetik orientieren – das hanseatische Silber- und Metallgerät des 20. und 21. Jahr-hunderts ist sehr vielseitig und steht nun erstmals im Fokus der aktuellen Neupräsentation der Sammlung Hamburg Moderne im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). Als Freie und Hansestadt besitzt Hamburg eine lange und reiche Tradition der Silberschmiedekunst. Sie war selbst wichtigster Auftraggeber für den Ratssilberschatz der Stadt, der bis heute im Hamburger Rathaus bewahrt wird. Aufwendig verziertes Geschirr, üppige Pokale und dekorative Plastiken erzählen von Reichtum und Macht der Hansestadt und offenbaren die prunkvollen Facetten der Silberschmiedekunst. Die Neupräsentation im MKG mit 106 Objekten beleuchtet erstmals die Entwicklung des Silberschmiedens in Hamburg seit 1900.

Raubkunst? Provenienzforschung zu den Sammlungen des MKG – 12. September 2014 bis 1. November 2015

Besteck, Silber, ehemals jüdischer Besitz © Fellenberg/Luther

Besteck, Silber, ehemals jüdischer Besitz © Fellenberg/Luther

Die systematische Erforschung des Vorlebens der Dinge ist seit Jahren ein Schwerpunkt in der wissenschaftlichen Arbeit des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG). Nun gibt das MKG einen Einblick in seine Aktivitäten zur Provenienzforschung. Die Ausstellung versteht sich als Momentaufnahme in einem Prozess kontinuierlicher Aufarbeitung und zeichnet die vielfältigen Biografien von rund 100 recherchierten Exponaten nach. Dazu gehören Kunstgegenstände mit gesicherten Provenienznachweisen aber auch solche, deren Herkunftsgeschichten ungeklärt sind oder für die noch Forschungsbedarf besteht. Die Exponate sind nicht nach kunstgeschichtlichen oder thematischen Aspekten, sondern nach ihrer Herkunft geordnet. So treten Netzwerke und Beziehungen, die Bedingungen des Kunsthandels und die Vorlieben einzelner Privatsammler zutage. Forschungsdokumente wie Auktionskataloge, Inventarbücher oder Kunstzeitschriften machen die recherchierten Wege für den Betrachter nachvollziehbar. Ein Parcours führt von der Präsentation zu weiteren Objekten in den Dauerausstellungen des MKG. Der aktuelle Forschungsauftrag ermöglicht eine proaktive, systematische Recherche und konzentriert sich zunächst auf Kunstwerke, die während und nach der Zeit des Nationalsozialismus erworben wurden.

Die Klärung der Herkunftsgeschichte eines Kunstgegenstandes ist eine akribische Spurensuche in den Medien zurückliegender Zeiten, die der buchstäblichen Suche nach der Nadel im Heuhaufen allzu oft gleicht. Auktionskataloge müssen ausgewertet, in den Fachblättern des Kunsthandels muss nach Werbeanzeigen und Sammlergeschichten recherchiert werden. Die historischen Museumsarchive, die in Landes- und Bundesarchiven versammelten Aktenbestände zum Kunsthandel und die persönliche Korrespondenz zwischen den Museen, Sammlern und Kunsthändlern müssen eingesehen und ausgewertet werden. Man sucht nach Namen und historischen Zusammenhängen, nach Familiengeschichten und persönlichen Schicksalen, die oftmals nur in „Schnipseln“ überliefert sind, die ein Leben mehr oder weniger zufällig hinterlassen hat.

In der Ausstellung werden zahlreiche Kunstgegenstände vorgestellt, die währen der NS-Kernzeit 1933 bis 1945 in das MKG gelangt sind. Das betrifft etwa 600 Kunstwerke, die in dieser Zeitspanne vom MKG erworben wurden oder dem Haus geschenkt worden sind. Auch spätere Ankäufe müssen überprüft werden, denn für alle Werke, die vor 1945 entstanden und gehandelt worden sind, ist ein Nachweis über ihren Verbleib während der NS-Zeit notwendig. Ein besonderes Augenmerk liegt auf Silberobjekten aus ehemals jüdischem Besitz. Nach der Rückgabe vieler Objekte an die ehemaligen jüdischen Besitzer und einer Ausgleichszahlung an die Jewish Trust Corporation wurden die verbliebenen Objekte 1960 auf die Hamburger Museen verteilt. Doch bis heute besteht Klärungsbedarf darüber, wie mit diesen Silberbeständen umzugehen ist. Die Suche nach einem angemessenen Weg ist eine Herausforderung, der sich das MKG im Rahmen der Ausstellung und darüber hinaus im engen Austausch mit anderen Museen stellen will.

 

Richard Haizmann. Frühe Zeichnungen und Skulpturen – 5. Juni 2014 bis Mai 2015

„Es wächst alles in einer Art inneren Feuers aus mir heraus“ – so empfand es Richard Haizmann (1895-1963), als er sich 1924 entschloss, Künstler zu werden.

Richard Haizmann, Laufender Vogel, 1926, Lithografie, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: MKG

Richard Haizmann, Laufender Vogel, 1926, Lithografie, Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Foto: MKG

Der Künstler, tief religiös im Badischen aufgewachsen, zog direkt nach dem Gymnasium als Freiwilliger in den Weltkrieg. 1917 lernte er den hannoverschen Kunsthändler Herbert von Garvens-Garvensburg kennen, der ihn nach dem Krieg in den Kunsthandel einführte. Ende 1922 eröffnete Haizmann in Hamburg seine eigene Galerie, das Graphische Kabinett, und stellte gleich zu Beginn Vincent van Gogh und Emil Nolde aus. Aber schon nach zwei Jahren gab Haizmann seine Galerie auf, um sich selbst auf den eigenen künstlerischen Weg zu begeben. Innerhalb von einem Jahrzehnt entstand ein kraftvolles, gleichermaßen eigenwilliges wie rätselhaftes Werk: vor allem Zeichnungen und Skulpturen, aber auch Keramiken und Schmuck sowie einige Lithografien und Gemälde. Max Sauerlandt, 1919 bis 1933 Direktor des Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, war voller Lob über die ersten Zeichnungen: „Das sind Wesen einer frühen Kultur, die noch ganz mit Gott verbunden war. Geheimnisvoll, aber nah und fern zugleich. Nie habe ich so etwas gesehen. Da müssen Sie aber weitermachen.“ Haizmann begann mit ruhenden, verinnerlichten Gestalten, aber schon bald beschritt er den Weg von der Vereinfachung zur Abstraktion. Seine Menschen und Tiere lösen sich in Striche, Flächen und ornamentale Liniengefüge auf. Zeitgleich schuf Haizmann Skulpturen in verwandten Formen, stets auf der Suche nach inneren Werten, nach der Seele in der Form. Die Nationalsozialisten beendeten seine Karriere. Er gehörte zu den „entarteten“ Künstlern. Auch im MKG wurden viele seiner Werke beschlagnahmt. Er zog sich nach Nordfriesland zurück, in die Nachbarschaft von Emil Nolde in Niebüll. Es entstanden nun Zeichnungen in einem zunehmend realistischen Stil. Erst in den 1950er Jahren suchte er an die Symbolkraft seines Frühwerks anzuknüpfen. Das Richard Haizmann Museum in Niebüll bewahrt seinen Nachlass.

Fast Fashion. Die Schattenseiten der Mode – 20. März bis 20. Spetember 2015

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg

Fast Fashion, Ausstellungsansicht © Annika Lampe/Friederike Palm

Die Ausstellung wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Textilwirtschaft und soll dazu anregen, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum zu beschäftigen. Fast Fashion ist die erste Ausstellung, die sich umfassend, differenziert und kritisch mit dem System der Bekleidungsindustrie und den sozioökonomischen und ökologischen Folgen auseinandersetzt. Sie beleuchtet das globale Dreieck von Konsum, Ökonomie und Ökologie unter verschiedenen Aspekten: Fashion & Victims, Mangel & Überfluss, Global & Lokal, Lohn & Gewinn, Bekleidung & Chemie, Bekleidung & Ökobilanz. Im Slow Fashion-Labor stellt sie unter den Stichworten ‚Nachhaltige Fasern‘, ‚Tierische Fasern‘, ‚Innovative Technologien‘ sowie ‚Transparenz schaffen‘ alternative Möglichkeiten für nachhaltige Mode sowie relevante Textilsiegel vor. Besucher erhalten einen Einblick, wie der ethisch vertretbare Kleiderschrank von morgen aussehen könnte und welchen Einfluss der Konsument durch seine Kaufentscheidung nehmen kann. Die Ausstellung bündelt die aktuellen Diskussionen zu diesem komplexen Thema. Eine eigens entworfene Szenografie übersetzt die aktuell recherchierten Informationen und Hintergründe in eine nachvollziehbare visuelle Ordnung: Der Parcours führt die Besucher durch den gesamten Konsumprozess vom Laufsteg über Fotostudio, Litfass-Säule und Schaufenster bis zur Umkleidekabine. Erstmals bringt die Ausstellung unterschiedlichste Fachleute zusammen, die sich mit den ökologischen, ökonomischen, ethischen, sozialen und gestalterischen Zusammen-hängen auseinandersetzen. Ihr Wissen ist zusammengefasst in 30 Fachessays in einem Magalog (einem Katalog im Magazinformat), der den Besuchern als Bestandteil der Ausstellung weiterführende Informationen bietet.

Der Begriff Fast Fashion steht für ein spezifisches Produktions- und Vertriebssystem für massenproduzierte Modewaren, die häufig von High End-Entwürfen kopiert und weltweit zu Niedrigpreisen verkauft werden. Fast Fashion bedeutet auch Beschleunigung: für die Globalisierung des modischen Mainstreams, für Produktion und Handel (möglich ist ein Zeitraum von zwei Wochen vom Entwurf bis zur Auslieferung des Produkts), für den Gebrauch und Verschleiß von Kleidung. In der Hierarchie der Mode ist die Fast Fashion am unteren Ende angesiedelt, nach der Haute Couture, der Prèt-a-Porter Mode und der Konfektionsware im mittleren Preissegment. Als Gegenmodell zur Fast Fashion gewinnt die Slow Fashion-Bewegung zunehmend an Bedeutung. Sie fordert Produzenten und Konsumenten zu mehr Verantwortung und Respekt gegenüber Mensch, Umwelt und Produkten heraus. Die zentralen Ziele der Slow Fashion sind Entschleunigung, die umweltschonende Herstellung und Auswahl der Rohstoffe, fairer Handel, eine nachhaltige Produktion und hochwertige Verarbeitung. Angelehnt an andere „Langsam“-Bewegungen wie Slow Food besitzen die Produkte oftmals eine regionale Herkunft mit kurzer Produktionskette. Die einzelnen Schritte von der Faser bis zur Verarbeitung sind sichtbar. Dabei wird auf Chemie möglichst verzichtet: www.fastfashion-dieausstellung.de Beteiligte Künstler: Taslima Akhter, Susanne A. Friedel, Christin Losta, Tim Mitchell, Elisa van Joolen, Manu Washaus, Paolo Woods.

 

Tattoo – 13. Februar bis 6. September 2015

Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg


Gwendal & Karl Marc, Tattoos by Gwendal & Karl Marc, Foto: Gewendal & Karl Marc
© Karl Marc

Im Winter verborgen, im Sommer öffentlich zur Schau getragen: Tattoos sind heute allgegenwärtig. Als kulturhistorische Konstante sind sie aber weit mehr als ein Massenphänomen und kultiges Modeaccessoire. Tattoos erzählen persönliche Geschichten, schaffen Identität und Zugehörigkeit, sollen schmücken, heilen und schützen, sie faszinieren oder stoßen ab, werden mystifiziert oder sind Teil von Trends. Die Ausstellung Tattoo lotet erstmals das breite Spektrum dieser alten und noch immer sehr lebendigen Kulturtechnik im Fokus von Kunst und Design aus, stellt internationale Positionen vor und greift aktuelle Diskussionen auf. Sie beleuchtet die Ambivalenz des Tattoos zwischen Auszeichnung, sozialer Zuordnung, Identitätsmerkmal und Stigmatisierung in verschiedenen Kulturen, sozialen Schichten und Epochen. Ein Schwerpunkt liegt auf der wechselseitigen Beeinflussung von Kunst, traditioneller Tätowierpraxis und visueller Gestaltung. Tattoo zeigt über 250 Arbeiten aus dem späten 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart: Darunter Fotografien, Farbholzschnitte, Gemälde und Skulpturen, Videoarbeiten und Audioinstallationen sowie Vorlageschablonen und historische Hautpräparate. Tätowiergeräte von einfachen Naturwerkzeugen bis zu filigranen Präzisionsmaschinen, Farben und Pigmente vermitteln ein Bild von der handwerklichen Praxis. Mit der Schau blickt das MKG auch zurück auf die traditionsreiche Geschichte der Hamburger Tattoo-Szene, deren Wiege im Hafenmilieu des späten 19. Jahrhunderts zu finden ist. Bisher unveröffentlichte historische Fotografien dokumentieren die typischen Tätowierungen der Hamburger Arbeiterschaft um 1890. Tattoo-Legenden wie Christian Warlich („der König der Tätowierer“) und Herbert Hoffmann stehen für eine vielfältige und ausdrucksstarke Kunstform, die immer neue gestalterische Experimente hervorbringt. Einen Einblick geben Arbeiten lokaler Tattoo-Künstler, die sich von der Sammlung des Museums inspirieren ließen. Eine Videoprojektion zeigt zahlreiche Arbeiten renommierter Tätowier und Tätowiererinnen aus der aktuellen internationalen Szene, die sich durch eine Vielfalt an Stilrichtungen und neuen künstlerischen Bewegungen auszeichnet.

Vorschau

When we share more than ever. Eine Ausstellung im Rahmen der Triennale der Photographie Hamburg 2015 | 19.6. bis 20.9.15

Jugendstil | 16.10.2015 bis 8.2.2016

Nähere Informationen

Museum für Kunst und Gewerbe HamburgSteintorplatz, 20099 Hamburg Tel.: 040 428134–880 (Di. – Fr. 10 – 18 Uhr) Fax: 040) 428134–999 E-Mail: service@mkg-hamburg.dewww.mkg-hamburg.de

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