Auswandererwelt BallinStadt

4. Februar 2011 | Von | Kategorie: Die Reportage, Hamburg

Auf dem Boden der ehemaligen Auswandererstadt auf der Veddel wurde m Juli 2007 die Erlebnisausstellung „BallinStadt“ eröffnet. In drei originalgetreu rekonstruierten Wohn- und Schlafpavillons können Besucher die Geschichten der Auswanderer nacherleben, die zwischen 1850 und 1939 über Hamburg in eine neue und unbekannte Welt aufbrachen.

BallinStadt

„Hallo! Ich heiße Maria und wohne in einem kleinen Dorf in Österreich. Ich bin neun Jahre alt und habe vor 150 Jahren gelebt, ich wurde nämlich 1857 geboren. Meine Eltern wollen nach Amerika ziehen. Sie sagen, dass es dort besser ist. Aber Amerika ist sehr weit weg…“

So wie Maria mit ihren Eltern und Geschwistern brachen zwischen 1850 und 1939 über fünf Millionen Menschen von Hamburg in eine neue Heimat auf. Die meisten zog es Richtung Amerika, aber auch Brasilien, Argentinien, Neuseeland oder Australien waren Ziele. Durch sprechende Puppen erfahren Besucher von Träumen, Hoffnungen und Wünschen, die die Menschen damals bewegten. Schauspieler des Hamburger Schauspielhauses sprechen dazu verschiedene Biografien.

BallinStadt

1901 wurden die Auswandererhallen eingeweiht. Albert Ballin, Generaldirektor der Reederei Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actiengesellschaft (HAPAG) ließ sie für die Emigranten, die mit den Schiffen der HAPAG befördert wurden, auf der Veddel bauen. In 30 Gebäuden waren Schlaf- und Wohnpavillons, Bäder, Speisehallen, Räume für ärztliche Untersuchungen, Kirchen und Synagogen untergebracht. Zweck der Auswandererstadt war es, den Menschen, die auf ihre Überfahrt warteten, einen sicheren Ort zur Verfügung zu stellen und die Ausbreitung von Krankheiten zu vermeiden. Unterkunft und Verpflegung waren im Preis der Passagiertickets enthalten. Die Einrichtungen zeichneten sich für die damalige Zeit durch sehr gute hygienische Verhältnisse aus.

Bei der Rekonstruktion der drei Pavillons wurden Originalsteine des einzigen noch erhalten gebliebenen Gebäudes im Pavillon 3 mit verbaut. Im Ballin-Park kann man auf wieder gefundenen historische Pflastersteinen flanieren.

BallinStadt

Im Pavillon 1 befinden sich die Kasse und das Familienforschungszentrum. Gemeinsam mit „ancestry.de“, der deutschen Tochtergesellschaft von „The Generation Network GmbH“, wurde das ancestry-Familienforschungszentrum ins Leben gerufen. Wer mehr über die Emigrationsgeschichte der eigenen Familie herausfinden möchte, kann hier kostenlos am Computer über „www.ancestry.de“ recherchieren. Es stehen unter anderem die Hamburger Passagierlisten der Schiffe von 1850 bis 1934 und Daten der amerikanischen Volkszählung von 1930 zur Verfügung.

Im Pavillon 2 lernt der Besucher Beweggründe kennen, warum Menschen ihre Heimat verließen und den Start in eine ungewisse Zukunft wagten. Die erwähnten Puppen erzählen ihre Biografien und ein zweieinhalb Meter großer Atlas vermittelt per Knopfdruck Informationen über die Situation in den Herkunftsländern der Auswanderer. Man lernt den Gründer Albert Ballin kennen, und endlich beginnt die große Überfahrt im Auswandererhafen Hamburg. Unter dem Motto „Was nehme ich mit? Was lasse ich zurück?“ können Kinder „ihren“ Koffer selbst packen.

Schließlich zeigt die Ausstellung die Ankunft auf Ellis Island, der Einwandererstation im Hafen von New York. Nun kann man die Ankommenden auf ihrem Weg in die neue Heimat begleiten und verfolgen, ob sich Wünsche und Hoffnungen erfüllten. So wie bei Maria, dem Mädchen vom Beginn der Ausstellung: „Hello! Ich bin Maria aus Österreich. Aber jetzt heiße ich Mary. Wir sind tatsächlich ausgewandert. Bis nach Hamburg waren wir mehrere Tage unterwegs. Dort sind wir dann auf das große Schiff gestiegen. Es war schrecklich voll mit Menschen. Die Überfahrt dauerte vier Wochen. Obwohl ich es mir zuerst nicht vorstellen konnte, bin ich jetzt doch froh, dass wir nach Amerika ausgewandert sind.“ Auch Erfolgsgeschichten wie die von Levi Strauss, dem Erfinder der Levi-Jeans, oder von Henry John Heinz, dem Ketchup-Produzenten, sind dabei.

Pavillon 3 demonstriert die damalige Empfangssituation in den Auswandererhallen und rekonstruierte Schlafsäle. Am Ende der Ausstellung sind es Einwohner des heutigen Stadtviertels Veddel, die den Besuchern verdeutlichen, dass Auswanderung nach wie vor so aktuell ist wie vor 150 Jahren.

Informationen:
Auswandererwelt BallinStadt Hamburg
Veddeler Bogen 2
20539 Hamburg
Tel. 040 3197916 0
www.ballinstadt.de

Öffnungszeiten:
November bis März: 10 – 16:30 Uhr
April bis Oktober: 10 – 18 Uhr
letzter Einlass eine Stunde vor Schließung

BallinTour
http://www.ballin-tour.de/14/ballintour

Ostern bis Oktober sonntags, 11:15 Uhr, ab St. Pauli Landungsbrücken (Touristinformation)

Anfahrt:
S-Bahn S 3 oder S 31 bis Station Veddel-BallinStadt, 5 Minuten Fußweg zum Museum

Mit dem Boot: Von April bis November alle zwei Stunden (10 bis 16 Uhr) mit einer Hafenbarkasse ab Landungsbrücke 10 (Maritime Circle Line) direkt zur BallinStadt. Fahrzeit circa 30 Minuten. Während der Wintermonate eingeschränkter Liniendienst: www.maritime-circle-line.de

© Text und Fotos: Dagmar Krappe

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