Belle Epoque in Binz

30. April 2013 | Von | Kategorie: Mecklenburg-Vorpommern, Weblog von unterwegs

Auch wenn es am 30. April 2013 an der Ostsee noch frisch ist, sind sie wieder da, die Hochherrschaftlichen. Damen flanieren in langen Kleidern und mit eleganten Hutkreationen über die Binzer Strandpromenade – begleitet von Herren im Gehrock.

Binzer Bürger und Besucher wie ich schlüpfen in Kleider um 1900 und lassen die Belle Epoque aufleben – ganz nach dem Motto „Sehen und Gesehen werden“.

Die „historischen Tage“ im Ostseebad Binz erleben schon ihre fünfte Saison. Ins Leben gerufen wurden sie 2009 im Rahmen der Feierlichkeiten zu „125 Jahre Seebad Binz“. Durch eine Idee von Fürst Malte zu Putbus entwickelte sich der erste einfache Badebetrieb in Binz ab 1830, einige Jahre später entstand das erste Hotel. Heute stehen die prachtvollen Villen im Stil der Bäderarchitektur als Synonym für das Ostseebad und bieten als Hotels, Pensionen und Ferienwohnungen modernen Komfort mit dem Flair der Jahrhundertwende.

Am nächsten  Mittag unternimmt die „historische Gesellschaft“ einen Ausflug mit dem Dampfzug „Rasender Roland“. Einer 750-Millimeter-Schmalspurbahn, deren Streckennetz ebenfalls Ende des 19. Jahrhunderts entstand: www.ruegensche-baederbahn.de

Jagdschloss Granitz ist das Ziel: Es wurde zwischen 1837 und 1846 auf dem 107 Meter hohen Tempelberg errichtet. Der Berliner Architekt Johann Gottfried Steinmeyer ließ das verputze Backsteingebäude für Fürst Wilhelm Malte 1. zu Putbus bauen. Den 38 Meter hohen Mittelturm entwarf Karl Friedrich Schinkel. Nach dem Aufstieg über die gusseiserne Wendeltreppe garantiert der Turm bei klarem Wetter einen Blick bis zur Insel Usedom oder aufs Festland bis Stralsund: www.jagdschloss-granitz.de. Bei leicht getrübtem Himmel und steifer Brise wie heute muss das Fernrohr etwas nachhelfen. Selbst in langen Gewändern – mit und ohne Reifrock – lassen sich die 154 Treppenstufen des Turms erstaunlich gut bewältigen. Bis zur Rückfahrt mit dem Jagdschloss-Express zur Binzer Seebrücke vertreiben wir uns die Zeit stilecht mit Boule-Spielen.

Am 1. Mai heißt es „Anbaden“ in Binz. In Badekostümen aus gestreiftem Trikot wagen sich an die 60 mutige Damen und Herren bei strahlender Sonne und unter anfeuernden Zurufen der „betuchten“ Binzer Sommerfrischler in die acht Grad kalten Fluten der Ostsee: www.binz.de.

Danach promenieren wir noch ein wenig am Wasser entlang. Heute sogar mit Sonnenschirm, um die vornehme Blässe zu erhalten. Schließlich lassen wir in der Villa Salve (www.ruegen-schewe.de) die historischen Tage bei einem Cocktail ausklingen. Barmeister Bernd Beier hat Historisches gemixt und offeriert Gibson, einen Hemingway Daiquiri oder einem Tom Collins.

Das komplette Programm der Zeitreise in die Binzer Sommerfrische 2013 gibt es unter: http://www.ostseebad-binz.de/veranstaltungen/zeitreise.html

Großer Bahnhof am Kleinbahnhof Binz

Warten auf den Rasenden Roland

Alle einsteigen und nicht über den Rock stolpern!

der Rasende Roland rumpelt mit Nostalgie-Wagen zum Jagdschloss Granitz

steiler Anstieg auf den 107 Meter hohen Tempelberg

Geschafft trotz Reifrock – 154 Stufen führen auf den Aussichtsturm

mit diesem Fernrohr muss die Aussicht gut sein

da lohnt so mancher Schnappschuss – selbst in Schwarzweiß

ein Boule-Spiel in Ehren kann niemand verwehren

Flanieren auf der Binzer Promenade ist schick

am 1. Mai ist Anbadetag in Binz

die „historische Gesellschaft“ begrüßt die Wagemutigen

bei 8 Grad Luft- und Wassertemperatur wird die Badesaison 2013 eröffnet

© Text und Fotos: Dagmar Krappe

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