Das geht runter wie Öl

31. Mai 2013 | Von | Kategorie: Niedersachsen, Weblog von unterwegs

Ein Besuch im Deutschen Erdölmuseum in der Lüneburger Heide

Dass es unterm Wüstensand ölig ist, ist bekannt. Aber dass auch unter niedersächsischem Heidekraut einst das schwarze Gold sprudelte, verwundert doch ein wenig. Bereits 1652 haben Bauern in der Südheide um Wietze Ölsand abgebaut. Als der Hamburger Jungfernstieg 1838 als erste deutsche Straße asphaltiert wurde, kam der Teer dafür aus der Heide. Zwanzig Jahre später gab es dort, wo ich gerade stehe, die ersten Erdölbohrungen. Ein Jahr früher als in Titusville in Pennsylvania.

„Von 1900 bis 1920 war hier die produktivste Phase“, erklärt mir Museumsleiter Dr. Martin Salesch: „1918 erschloss die Deutsche Erdöl Aktiengesellschaft (DEA) mit einem Schachtbetrieb die bergmännische Förderung von Ölsand und Sickeröl aus einer Tiefe von etwa 300 Metern.“

1963 endete die Erdölförderung in Wietze. Seit 1970 können Besucher nun auf dem ehemaligen Fördergelände Original-Kehrradantriebe, Tiefpumpen und Fördertürme bestaunen. 1.200 Pumpen gab es zu Spitzenzeiten auf dem Terrain. Vieles kann ich per Knopfdruck in Bewegung setzen, so dass es rattert und surrt. Ein Geruch von Teer liegt selbst 50 Jahre nach Schließung der Anlage noch an verschiedenen Stellen in der Luft.

Das Wahrzeichen der zwei Hektar großen Außenanlage ist ein 58 Meter hoher Bohrturm, der von 1961 bis 1986 bei der Firma Wintershall für Bohrungen bis 6.000 Meter Tiefe im Einsatz war. Auch Fahrzeuge für seismische Untersuchungen, Leiterwagen mit Holzfässern aus der frühen Zeit der Förderung, Wachströge zum Auswaschen von Öl aus Sand, Öltanks oder ein Turbolift, der zum Druckausgleich dient, sind faszinierende Gegenstände aus der Welt des schwarzen Goldes.

In der Ausstellungshalle lerne ich einiges über die Entstehung von Erdöl und Erdgas. Bekomme eine Einführung in deren Förderung und den Produktionsablauf. Frische meine Chemiekenntnisse auf, indem ich Informationen über die chemische Zusammensetzung und die physikalischen Eigenschaften von Kohlenwasserstoffen erhalte, denn schließlich lässt sich einiges mehr als Heizöl, Benzin oder Schmiermittel aus ihnen herstellen: Die vielen angenehmen Produkte der Kunststoff- und Pharmaindustrie, auf die niemand mehr verzichten möchte.

Informationen

Deutsches Erdölmuseum
Schwarzer Weg 7 – 9
29323 Wietze (in der Südheide)
(Anfahrt: Autobahn A 7, Abfahrt Schwarmstedt, von dort 10 Kilometer auf der B 214 bis Wietze)
Tel. 05146 92340
www.erdoelmuseum.de
Öffnungszeiten:
01.März bis 30.November: Di bis So, 10.00 bis 17.00 Uhr
Juni bis August: Di bis So, 10.00 bis 18.00 Uhr
Juli und August: auch Mo, 10.00 – bis 18.00 Uhr
Eintrittspreise:
Erw. 5 €, Kinder (ab 6 J.)/Jugendliche/Studenten 2,50 €,
Familienkarte (2 Erw. + 4 Kinder bis 16 Jahre) 9 €

Auch mit dem Fahrrad ist das Deutsche Erdölmuseum gut zu erreichen. Es liegt am 328 Kilometer langen Aller-Radweg, der von der Weser (bei Verden) Richtung Elbe (bei Magdeburg) führt: www.allerradweg.de

Ein Rundgang durchs Deutsche Erdölmuseum Wietze in der Lüneburger Heide

der 58 Meter hohe Bohrturm, das Wahrzeichen des Museums

als das Öl noch in Holzfässer gefüllt und auf Leiterwagen transportiert wurde

das schwarzes Gold ist noch nicht versiegt

Tiefenpumpe mit Förderturm von 1905

Handel mit Petroleum

© Text: Dagmar Krappe; Fotos: Dagmar Krappe (3), Axel Baumann (7)

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