Der Kaiser kommt nach Hamburg!

17. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Hamburg

Der Kaiser kommt! – Die Schlusssteinsetzung an der Brooksbrücke 1888

Kaiser Wilhelm II. schreitet mit dem Hamburger Senat durch das Tor © Archiv Speicherstadtmuseum

Es war der 29. Oktober 1888. Ganz Hamburg stand Kopf. Der Kaiser kommt! Punkt 12 Uhr mittags hielt der Sonderzug an der Lombardsbrücke, wo die Stadt ein Festzelt aufgebaut hatte, um den hohen Gast zu begrüßen. Eine Dreiviertelstunde später ging es mit der Barkasse zum Jungfernstieg und von dort mit der Kutsche durch die festlich geschmückte Innenstadt zur Brooksbrücke in der Speicherstadt. Das Backsteingebäude der Patriotischen Gesellschaft war besonders üppig dekoriert, und über dem Eingang prangte der markige Spruch „Allzeit treu zu Kaiser und Reich.“ Um 13.15 Uhr traf der Kaiser in der Speicherstadt ein.

Das Jahr 1888 war für Hamburg ein besonderes Datum. Am 15. Oktober wurde die Stadt in das deutsche Zollgebiet eingegliedert. Bismarck hatte den Senat zu diesem Schritt gedrängt. Eine Zollgrenze mitten in Deutschland, das passte nach der Reichsgründung 1871 nicht mehr in das Bild. Andererseits wollten die Hamburger Kaufleute aber auch nicht das Vorrecht verlieren, Waren zollfrei einführen und lagern zu können. Der Kompromiss bestand darin, dass der Hamburger Hafen in einen Freihafen umgewandelt wurde: als zollfreie Enklave mitten in der Stadt. Nun stellte sich allerdings das Problem, dass die meisten Speicher in der Innenstadt lagen und somit im zukünftigen Zollinland. Wer nach dem Zollanschluss noch zollfrei lagern wollte, musste daher seinen Betrieb in den Freihafen verlagern. Nach kontroversen Diskussionen entschied sich der Senat schließlich, die Brookinseln im Süden der Altstadt, auf denen damals 16.000 Menschen lebten, komplett abzureißen und dort die neuen Freihafenspeicher zu konzentrieren. Die Speicherstadt entstand.

Kelle und Hammer für den Kaiser © Archiv Speicherstadtmuseum

Zwei Wochen später reiste der Kaiser nach Hamburg, um den Zollanschluss mit einem feierlichen Akt an der Brooksbrücke – der sogenannten Schlusssteinsetzung – symbolisch zu besiegeln. Dieser Schlussstein war tatsächlich eine Gedenktafel, die in den westlichen der beiden Brückentürme eingefügt wurde. Hierfür wurde dem Kaiser zunächst eine Maurerkelle gereicht, mit der er etwas Mörtel auf die Tafel gab, die anschließend professionell vermauert wurde. Dann gab man ihm einen Hammer, mit dem er drei Schläge auf der Tafel ausführte. Dieses Ritual wiederholte sich noch unzählige Male: Zunächst erhielt Reichkanzler Bismarck den Hammer, anschließend Moltke, der Feldherr aus dem deutsch-französischen Krieg 1870/71, der Erste Bürgermeister, die Vertreter des Bundesrates, der Reichstagspräsident, der Präsident der Bürgerschaft, der königlich-preußische Gesandte … Nach einer halben Stunde war dieses Ritual beendet, und die Festgäste stimmten noch die patriotische Hymne „Heil Dir im Siegerkranz“ an.

Die Maurerkelle und der Polierhammer, die dem Kaiser gereicht wurden, sind erhalten. Das waren selbstverständlich keine profanen Werkzeuge aus Stahl und Holz, sondern wertvolle Silberarbeiten mit Elfenbeingriffen. Sie blieben im Besitz der Stadt Hamburg und befinden sich heute im Ratssilberschatz im Hamburger Rathaus.

Wer diese beiden geschichtsträchtigen Werkzeuge sehen möchte, sollte das neugestaltete Speicherstadtmuseum besuchen, wo sie sich seit August 2012 als Leihgabe befinden. Dort erhält man auch noch weitere Informationen über den Zollanschluss, den Freihafen, den Bau der Speicherstadt und die Arbeit der Quartiersleute, wie sich die Lagerfirmen im Hafen noch heute traditionsbewusst nannten.

Jeden Sonntag um 11 Uhr (ganzjährig) und jeden Samstag um 15 Uhr (April bis Oktober) gibt es außerdem öffentliche Führungen durch das Speicherstadtmuseum und die Speicherstadt. Der Treffpunkt ist im Museum. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

STIFTUNG HISTORISCHE MUSEEN HAMBURG
Speicherstadtmuseum
Außenstelle Museum der Arbeit
Am Sandtorkai 36
20457 Hamburg
Tel. 040 – 32 11 91
E-Mail: info@speicherstadtmuseum.de
www.speicherstadtmuseum.de

ÖFFNUNGSZEITEN

1. April bis 31. Okober:  Mo. – Fr. 10 – 17 Uhr, Sa, So und Feiertage 10 -18 Uhr 

1. November bis 31. März:  Di. – So. 10 –17 Uhr

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