Der Kaiser lässt grüßen

30. März 2012 | Von | Kategorie: Mecklenburg-Vorpommern

Usedom – Deutschlands zweitgrößte Insel schwelgt gern in Nostalgie
nostalgischer Umkleidewagen

nostalgischer Umkleidewagen

„Schaut mal, hier steht eine Büste des Kaisers im Garten, und der lesende Mann da oben auf dem Balkon ist bestimmt einer seiner Nachfahren“, ruft ein Radfahrer und stoppt abrupt vor der Villa Staudt. Im ehemaligen Haus Miramar der Konsulin Elisabeth Staudt war Kaiser Wilhelm II. häufiger zu Gast. Die weiße Villa im Stil der Bäderarchitektur seht unweit der Seebrücke in Heringsdorf. „Das waren Habsburger“, sinniert er weiter: „Oder doch nicht? Na ja, wen interessiert das heute noch so genau.“ Seine beiden Töchter im Teenager-Alter jedenfalls nicht. Sie sind längst weiter geradelt entlang der acht Kilometer langen Promenade, die die drei Orte Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin miteinander verbindet. Der lesende Mann entpuppt sich als bürgerlicher Usedom-Tourist, der die abendlichen Sonnenstrahlen auf einem Balkon der mittlerweile zu Ferienwohnungen umgebauten Villa genießt. Und Habsburger waren es auch nicht, sondern Hohenzollern, wie die Tafel neben der Büste Kaiser Wilhelm des I. verrät. Mit seinem Vater König Friedrich Wilhelm III. besuchte er Heringsdorf 1820 zum ersten Mal. 

weiße Villa auf Usedom

weiße Villa auf Usedom

Seit der Wiedervereinigung schmücken sich die drei Badeorte mit dem Beinamen Kaiserbäder. Vom Kaisergemüse über Bowling-Kaiser, dem Restaurant Kaiser Wilhelm bis zum Hotel Kaiserhof wird der Begriff werbewirksam eingesetzt. Auch die Heringsdorfer Kaisertage – ein sommerliches Straßenfest (www.kaisertage.de) – versetzen ihre Besucher mit einem historischen Festumzug zurück in die kaiserliche Zeit. 

Übertrieben ist dies sicherlich nicht angesichts der prachtvollen Bauten, errichtet größtenteils Ende des 19. Jahrhunderts im Stile der Bäderarchitektur. Diejenigen, die Kriegs- und Nachkriegszeit überstanden, haben längst ihr Einheitsgrau abgelegt. Es dominieren weiße und Pastell-Farben. Auch in früheren Jahren statteten bereits ungekrönte, berühmte Häupter Usedom einen Besuch ab: Kurt Tucholsky, Karl Baedecker, Johann Strauß, Heinrich Mann und Maxim Gorki. Letzterem ist in der „Villa Irmgard“ in Heringsdorf eine Gedenkstätte gewidmet. 

Noch immer sind Berliner die Hauptbesucher der „ehemaligen Badewanne Berlins“. Doch mehr und mehr genießen auch Gäste aus anderen Teilen Deutschlands den 38 Kilometer gepflegten, feinen, hellen Sandstrand, der sich von Karlshagen im Südwesten bis Ahlbeck im Nordosten erstreckt. 

Die Infrastruktur zwischen den Seebädern Usedoms ist sehr gut geeignet, auch dem eigenen Auto ein paar geruhsame Tage zu gönnen. Von Wolgast bis Ahlbeck verkehrt die Usedomer Bäderbahn UBB. Die Fahrzeit für eine Strecke beträgt 60 Minuten. Alle drei Kaiserbäder sowie die Orte Zinnowitz und Koserow verfügen seit den neunziger Jahren wieder über restaurierte oder rekonstruierte Seebrücken, die von den Adler-Schiffen angelaufen werden. Somit ist die Besichtigung eines Ortes auch bequem von der Seeseite her möglich. 

Seebrücke in Ahlbeck

Seebrücke in Ahlbeck

Die erste Seebrücke in Heringsdorf entstand 1893 als Kaiser-Wilhelm-Brücke. Ende der 50er Jahre beendete ein Brand ihre Existenz. Die Neukonstruktion im Jahre 1995 erfolgte aus Stahl. Ungewöhnlich, aber praktisch – die mit über 500 Metern längste Seebrücke Kontinentaleuropas ist in der Mitte durch Kunststoffscheiben getrennt und zur Hälfte überdacht, so dass der Besucher stärker gegen Wind und Regen oder auch zu viel Sonne geschützt ist. Das restaurierte Brückenhaus der Ahlbecker Seebrücke ist vielen Loriot-Freunden noch aus dem Film „Papa ante Portas“ in Erinnerung. 

Wem die kaiserliche Pracht oder das Faulenzen am Strand zu viel wird, der kann auf 180 Kilometern Radwanderwegen Ausflüge ins Hinterland sowie Achterwasserrundfahren unternehmen. In den Seebädern Zinnowitz und Koserow oder den Ortschaften im Hinterland geht es beschaulicher zu. Egal für welche Seite Usedoms sich der Besucher entscheidet, für die quirlige oder die ruhige, eines wünschen sich alle: blauen Himmel und Sonne – Kaiserwetter eben. 

Informationen: 

Usedom Tourismus GmbH
Waldstraße 1
17429 Seebad Bansin
Tel. 038378 / 477110
Fax 38378 /477129
E-Mail: info@usedom.de
www.usedom.de 

Usedomer Bäderbahn:
www.ubb-online.de

Adler-Schiffe:
www.adler-schiffe.de

Touristinformationen der „3 Kaiserbäder“: 

www.drei-kaiserbaeder.de 

Jedes der „3 Kaiserbäder“ Ahlbeck, Heringsdorf, Bansin verfügt über eine eigene Touristinformation, welche sich jeweils in unmittelbarer Nähe zur Seebrücke befindet: 

Touristinformation Seeheilbad Ahlbeck
Dünenstrasse 45
17419 Seebad Ahlbeck
Tel 038378/499350
Fax 038378/499352
E-Mail: ahlbeck@drei-kaiserbaeder.de 

Touristinformation Seeheilbad Heringsdorf
Kulmstrasse 33
17424 Seebad Heringsdorf
Tel 038378/2451
Fax 038378/2454
E-Mail: heringsdorf@drei-kaiserbaeder.de 

Heringsdorfer Kaisertage
www.kaisertage.de

Touristinformation Seeheilbad Bansin
An der Seebrücke
17429 Seebad Bansin
Tel 038378/47050
Fax 038378/470515
E-Mail: bansin@drei-kaiserbaeder.de

© Dagmar Krappe

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