Die Speise der Götter

28. November 2016 | Von | Kategorie: Die Reportage

Im Chocoversum im Kontorhausviertel zeigt sich Hamburg von seiner Schokoladenseite

Chocoversum im Kontorhausviertel Hamburg

Das Chocoversum im Kontorhausviertel Hamburg

Ein warmer, süßlicher Duft umgibt den Besucher des Chocoversums mitten im Kontorhausviertel mit seinen imposanten, denkmalgeschützten Bauten wie Chilehaus und Messberghof. Bis zur Speicherstadt und HafenCity sind es nur wenige Schritte. „Der Hamburger Hafen ist nach Rotterdam und vor Antwerpen der zweitgrößte europäische Umschlagplatz für Kakaobohnen“, erzählt Perizat Ibralieva während ihrer Führung durch die Erlebniswelt des Schokoladenmuseums. Hier kann der Besucher nicht nur riechen, sondern auch fühlen, schmecken und seine eigene Schokolade kreieren. Zwar sei Hamburg bekannt für Schmuddelwetter, aber es müsse noch dreimal so viel regnen, damit ein Kakaobaum gedeihen könne, und die tropische Hitze fehle natürlich, meint Perizat. Deshalb wachsen Kakaobäume, die die „Speise der Götter“ liefern, was der botanische Name „Theobroma cacao“ bedeutet, rund um den Äquator. Obwohl ein Baum 100.000 Blüten direkt am Stamm trägt, entwickeln sich nur 20 bis 50 Kakaofrüchte. Sie sind je nach Sorte 16 bis 22 Zentimeter lang. Zweimal pro Jahr ist Erntezeit. Aus etwa zwei Früchten entsteht eine Tafel Bitterschokolade.

Chocoversum Hamburg

aus dem Schokoladenbrunnen kann man Vollmilchschokolade schöpfen

Im Chocoversum kaufen Besucher keine Eintrittskarte für ein Museum, sondern für 90 Minuten Spaß und Genuss. Man steht im Regenwald, im Hamburger Hafen und in einer Schokoladenfabrik.  Jeder Zwischenschritt von der frischen Kakaofrucht bis zur fertigen Schokolade kann probiert werden. Die „Reise in die Welt der Schokolade“ beginnt am Chocoholic-Checkpoint. Mit einer Waffel tauchen Schleckermäuler hier in den 143 Zentimeter hohen Schokoladenbrunnen ein. „Edelkakao verfügt über besonders feine und ausgeprägte Aromen“, erklärt Perizat: „Er macht aber weniger als 5 Prozent der Welternte aus. Die Hauptanbauländer sind Ecuador, Papua Neuguinea und Madagaskar.“ Nur Schokolade, die diesen Kakao enthält, darf auch als Edelschokolade bezeichnet werden. Für die preiswerten Schokoladen kommt Konsumkakao zum Einsatz, der hauptsächlich in Westafrika gedeiht. Er ist teilweise säuerlich und scharf im Geschmack. Eine Rarität ist Wildkakao. Diese Bäume wachsen nicht auf einer Plantage, sondern verstreut in undurchdringlichen Wäldern am Amazonas, dem Ursprungsgebiet des Kakaos.

Jutesaecke-gefuellt_mit_Kakaobohnen

Jutesäcke gefüllt mit Kakaobohnen

Fermentiert und getrocknet gelangen die Kakaobohnen in Jutesäcken nach Europa. Im Chocoversum werden Gäste selbst zu Qualitätskontrolleuren. Sie untersuchen, sieben, mörsern Bohnen und schauen beim Rösten zu, wo sich ein erstes Bukett entfaltet. An Riechstationen schärfen sie ihren Geruchsinn. Da geröstete Kakaobohnen eine dünne, harte Schale besitzen, wird diese im „Wurfbrecher“ mit einem ausgeklügelten Schüttelsystem vom Kern getrennt.

Qualitaetskontrolle Testbrett für Kakaobohnen

Qualitätskontrolle – Testbrett für Kakaobohnen

Schokolade gibt es in drei Ausprägungen: Zartbitter- enthält nur Kakaopulver und Zucker, Vollmilch- einen Zusatz von Milchpulver und weiße Schokolade statt Kakaopulver nur Kakaobutter. Da die Herstellung einer Qualitäts-Schokolade bis zu 100 Stunden dauert, kann im Museum nicht jeder Produktionsschritt gezeigt werden. Man beschränkt sich aufs Mischen, Walzen, Conchieren und Verpacken. Alles erfolgt mit Maschinen aus den 1930er und 1950er Jahren des Schokoladenproduzenten Hachez in Bremen. Der belgische Chocolatier Joseph Emile Hachez gründete die Firma dort 1890.

Der Melangeur vermischt die Zutaten wie gerösteten Rohkakao, Kakaobutter, Zucker und Milchpulver mittels Granitwalzen. Damit die Kakaomasse nicht rau und sandig schmeckt, wird sie durch eine Fünferwalze kalt gepresst und zu einem feinstaubigen, homogenen Pulver verarbeitet. In der Conchiermaschine („Conche“) findet die Schokolade schließlich ihre Vollendung. Sie wird gerührt, gelüftet, gedreht und gewendet. So verflüchtigen sich unerwünschte Geschmackstoffe und wichtige Aromen bilden sich. Der zarte Schmelz entsteht.

Deutlich ist der Unterschied von Bitter- und Vollmilchschokolade auf der Zunge zu spüren. Bevor die Schokolade verpackt wird, müssen Glanz, Knackverhalten und Würze getestet werden. Besucher können sich ein kleines Täfelchen auf der Zunge zergehen lassen und überprüfen, ob die eigene Bewertung mit der der Experten übereinstimmt. Mittels eines Touchscreens können Interessierte auch das Verhalten von Schokolade auf das menschliche Wohlbefinden erforschen. Zwar gibt es im Chocoversum weder ein Kakaobad noch eine -massage, aber man erfährt, dass Kakaobutter in Hautcreme, Lippenstift und Badezusätzen zum Einsatz kommt.

Chocoversum Hamburg

eine Eigenkreation aus der Schokoladenwerkstatt

In der Schokoladenwerkstatt wird schließlich jeder zum Chocolatier, indem er eine knackige Tafel mit Mandeln, Kokos, Gummibärchen, Pfeffer oder Chili kreiert. „Eine von 91 Tafeln, die statistisch  jeder Deutsche im Jahr verzehrt“, sagt Perizat. Und warum wird im Chocoversum Schokolade als „Chocolade“ bezeichnet? „Es ist die alte und traditionelle Schreibweise, die wir hier im Museum im Sinne der hanseatischen Tradition beibehalten.“

 

 

Informationen

Chocoversum
Meßberg 1
20095 Hamburg
Tel. 040 41912300
E-Mail: info@chocoversum.de
www.chocoversum.de
Öffnungszeiten: Täglich 10 bis 18 Uhr
Eintrittspreise für eine 90-minütige Führung und das Kreieren einer eigenen Schokolade: Erwachsene: 15 €, Kinder 6 bis 17 Jahre: 11 €, „Vier gewinnt“ (2 Erwachsene + 2 Kinder): 41 € Um zu vermeiden, dass die Wunschführung ausgebucht ist, ist es sinnvoll, vorab Eintrittskarten im Online-Ticket-Shop zu erwerben. Das Team der Gästeführer besteht aus acht Nationen und beherrscht zwölf Sprachen. Öffentliche Führungen werden auf Deutsch, Englisch und Dänisch angeboten.

Chocoversum Hamburg

in der Schokoladenwerkstatt im Chocoversum kann jeder Besucher kreativ werden

Neben den Genussführungen sind auch Pralinenkurse und Events wie „Salsa & Schokolade“, „Oh sweet poetry“, „Ladies Night“, etc. im Angebot.

Zum Chocoversum gehört auch ein süßes Fachgeschäft, der Choco-Laden. Das Sortiment umfasst 1.100 Produkte von über 60 verschiedenen Fimen.

Allgemeine Informationen über Hamburg gibt es bei der
Hamburg Tourismus GmbH
Steinstr. 7
20015 Hamburg
Tel. 040 30051300
Fax: 040 30051333
www.hamburg-tourismus.de

© Text: Dagmar Krappe, Fotos: Axel Baumann

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