Duvenstedter Brook – Das Fernglas nicht vergessen!

24. Oktober 2011 | Von | Kategorie: Hamburg

In Hamburg mit dem Fernglas auf die Pirsch zu gehen, um Kraniche beim Balztanz, Frösche im blauen Balzkleid oder Hirsche bei der Brunft zu beobachten, dazu bietet der Duvenstedter Brook zu verschiedenen Jahreszeiten beste Möglichkeiten. Für die knapp 20 Kilometer Rundwanderung benötigt man fünf bis sechs Stunden – mit dem Rad geht es natürlich schneller.

Im äußersten Nordosten Hamburgs liegt das mit rund 780 ha zweitgrößte Naturschutzgebiet der Stadt. Die Bezeichnung Brook oder Bruch ist eine niederdeutsche Landschaftsbezeichnung für sumpfiges, von Wasser durchzogenes Gehölz und Gelände.1958 wurde der Duvenstedter Brook unter Naturschutz gestellt. Ende der 1970er Jahre begann man mit der Wiederherstellung der abwechslungsreichen Landschaft, denn durch die landwirtschaftliche Nutzung und Abtorfung der Moore, ging der ursprüngliche Charakter verloren. Das Waldgebiet besteht größtenteils aus Laubbäumen. Birken und Erlen bilden den Hauptanteil.

Duvenstedeter Brook - typische Landschaft

Duvenstedeter Brook - typische Landschaft

Die Wander- oder Radtour beginnt am U-Bahnhof Ohlstedt. Dies ist bereits die erste Station auf einem sieben Kilometer langen historisch-ökologischen Erlebnispfad. Er wurde im Rahmen eines Projekts der Ohlstedter Schule Am Walde entworfen und verbindet Naturerleben und Stadtteilgeschichte. Der Erlebnispfad ist als Rundweg konzipiert und besteht aus 30 Stationen. Die Geschichte des Ohlstedter Bahnhofs beginnt 1907 als die Kleinbahnstrecke von Alt-Rahlstadt bis nach Ohlstedt verlängert wurde. Doch das Ende der Kleinbahn nahte, als man 1925 das Streckennetz der Walddörferbahn, dem Vorläufer der heutigen U-Bahn, bis Ohlstedt ausbaute. Die letzte Teilstrecke von Ohlstedt nach Wohldorf, die mitten durch den Wohldorfer Wald führte, wurde aber sogar noch bis 1961 betrieben. Im ehemaligen Bahnhofsgebäude Wohldorf ist seit 1999 ein Kleinbahnmuseum eingerichtet, das mit Bildern und Erinnerungsstücken die Geschichte der Kleinbahn dokumentiert.

In früheren Jahrhunderten wurde der Wohldorfer Wald hauptsächlich als Waldweide zur Schweinemast und zum Erwerb von Bau- und Brennholz genutzt. Heute stehen rund 135 ha der circa 480 ha großen Gesamtfläche unter Naturschutz. Der Wald bietet Lebensraum für zahlreiche bedrohte Tier- und Pflanzenarten wie Schwarzspecht und Eisvogel sowie Orchideenarten und Sumpffarne.

Auf dem Kleinbahnwanderweg, an dessen Rand die ersten Informationstafeln zum Erlebnispfad stehen, geht es tiefer in den Wald hinein. Wenn man der fortlaufenden Nummerierung der Tafeln folgt, gelangt man geradeaus bis zur „Brücke mit Ausblick“. Man überquert die Aue und blickt nach links auf den Mühlenteich mit der Wohldorfer Kornmühle. Danach nach links abgebogen, erreicht man über den Weg „Holländer Berg“ die Herrenhausallee. Man folgt ihrem Verlauf nach rechts bis in einer Kurve nach links ein Weg (Weberstieg) zum Naturschutz-Informationshaus Duvenstedter Brook abzweigt. Die Ausstellung im Gebäude informiert über die Entwicklungsgeschichte und die heutige ökologische Bedeutung des Schutzgebietes sowie über die Tiere und Pflanzen, die im Duvenstedter Brook beheimatet sind. Wer sie sich nicht vor der Wanderung im Internet heruntergeladen hat, kann hier eine Gebietskarte erwerben, um den Brook zielsicher zu erkunden. Die Karte gibt auch Auskunft darüber, welche Wege zu bestimmten Zeiten während der Brut- und Brunftsaison gesperrt sind. Sonderausstellungen, Dia-Vorträge und Führungen zu unterschiedlichen Jahreszeiten gehören zum Angebot des Informationshauses. Wer GPS-geführt durch den Duvenstedter Brook wandern möchte, kann sich den Naturscout ausleihen, und schon führt Kranich „Lütke“ durch die Sehenswürdigkeiten des Geländes. Auch eine Broschüre über den Erlebnispfad Wohldorfer Wald ist im Infohaus erhältlich.

Naturschutz-Informationszentrum

Naturschutz-Informationszentrum

Auf dem Duvenstedter Triftweg geht es nun in den Brook hinein. Bald tauchen am Wegrand die ersten Beobachtungsstände auf. Tafeln informieren über Damwild, Rehwild, Rotwild und Schwarzwild (Wildscheine). Die Landschaftsbild des Duvenstedter Brooks wird wesentlich durch Moore geprägt. Durch die in der Vergangenheit erfolgte Trockenlegung der Moore entstand Feuchtheide. Im Frühjahr werden diese hauptsächlich im nordwestlichen Teil des Brooks gelegenen Gebiete von weißem Wollgras überzogen, im Sommer entfaltet die Glockenheide ihre lila Pracht.

Duvenstedter Brook - Kraniche

Duvenstedter Brook - Kraniche

Die Wiesen des Duvenstedter Brooks werden fast das ganze Jahr über zur Schaubühne. Mitte Februar kehren die Kraniche aus ihren Winterquartieren zurück und vollführen mit lauten Trompetenrufen ihre Balztänze. Von Mai bis Juli sind sie dann mit ihren noch flugunfähigen Jungen auf Nahrungssuche. Erst Ende Oktober/Anfang November ziehen sie sich wieder ins wärmere Spanien zurück.

Die vielen Bäche, Gräben und Teiche im Duvenstedter Brook enthalten zahlreiche Frosch- und Molcharten. Von Ende April bis Mitte Juni suchen die Amphibien wie Erdkröte, Gras- und Moorfrosch ihre Laichgewässer auf. Die Männchen der Moorfrösche verfärben sich und tragen dann ein leuchtend blaues Balzkleid.

Von Mitte September bis Anfang Oktober sind die Wiesen die große Bühne für die Rothirschbrunft. Überwiegend in der Dämmerung und in der Nacht sind die Rangkämpfe von den Beobachtungsständen aus mit etwas Geduld zu sehen. Bis Mitte November folgt dann die Brunft der Damhirsche. Sie spielt sich allerdings verborgen im Wald ab, und ist daher noch schwieriger zu beobachten.

Informationen:

Naturschutz-Informationshaus Duvenstedter Brook
Duvenstedter Triftweg 140
22397 Hamburg
Tel. 040 6072466
Öffnungszeiten:
Februar, März, November Sa 12 – 16 Uhr, So und feiertags 10 – 16 Uhr
April bis Oktober Di – Fr 14 – 17 Uhr, Sa 12 – 18 Uhr, So und feiertags 10 – 18 Uhr
Naturkundliche Ausstellung und großes Angebot an Informationsmaterial.
Ausleihen des GPS-Naturscouts: 4 Euro und Hinterlegung des Personalausweises

www.nabu-hamburg.de
Unter dieser Internetadresse gibt es Informationen zu NABU-Veranstaltungen und man kann sich die Gebietskarte über den Duvenstedter Brook herunterladen.
Im gesamten Naturschutzgebiet gilt ausdrückliches Hundeverbot, damit die wild lebenden Tiere nicht aufgeschreckt werden.<

© Text: Dagmar Krappe, Fotos: Axel Baumann

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