Ein ganz großer Fisch

22. Mai 2013 | Von | Kategorie: Mecklenburg-Vorpommern, Weblog von unterwegs

Heute relaxe ich auf einem Liegestuhl. Nicht weil die Sonne endlich mal wieder scheint. Nein, ich aale mich sozusagen unter Wasser und lausche den Seufzern der Blauwale, den Gesängen des Buckewals und den Klicks der Pottwale anhand derer sie ihre Beute in bis zu 3.000 Metern Tiefer aufspüren. Unter der Decke über mir tummeln sich Nachbildungen in Originalgröße. Ein 26 Meter langer Blauwal, ein Buckelwal mit Jungtier und ein Schwertwal. Ich bin bei den Riesen der Meere angekommen – im Ozeaneum in Stralsund.

Drei Stunden lang habe ich mich von der Ostsee über die Nordsee bis in den offenen Atlantik treiben lassen. Habe gelernt, dass 70 Prozent der Erdoberfläche vom Meer bedeckt sind. Ich auf einem Wasserplaneten lebe, obwohl er Erde heißt. 45 Aquarien sind die lebendige Ergänzung zu den Ausstellungen, die zahlreiche seltene präparierte Original-Tiere und -Pflanzen zeigen.

Das Ozeaneum eröffnete 2008 als vierter Standort des Deutschen Meeresmuseums auf der Stralsunder Hafeninsel. Es entführt die Besucher auf einer Unterwasserreise von der Ostsee bis ins Polarmeer. Geplant wurde der Bau in Zusammenarbeit mit Greenpeace, so dass hohe Umweltstandards zum Tragen kamen.

Die Dachterasse, der höchste Punkt des Museums, bietet einen Panoramablick auf die Backstein-Altstadt Stralsunds, aus der die Kirchtürme von St. Jakobi, St. Nikolai am Rathaus und St. Marien herausragen. Aber deswegen bin ich nicht wirklich hier. Ich habe eine Verabredung mit Apollonia, Roscoe, Bowie, Marion, Alexandra, Kalle und Cieco. Es sind Humboldt-Pinguine, die im Freiluftbecken ihre Runden drehen. An bestimmten Tagen kann man auch bei einer Fütterung mit frischen Sprotten zusehen. Heute sind die Frackträger leider schon satt und trainieren die angefutterten Kalorien durch rasante Schwimmübungen wieder ab.

Schon seit 1951 gibt es ein Meeresmuseum in Stralsund, das längst aus allen Nähten zu platzen drohte und somit einen Neubau, das Ozeaneum, erforderlich machte. Hinter 750 Jahre alten und dicken Klostermauern befindet sich das heutige Stammhaus. Im Katharinenkloster mitten in der Stralsunder Altstadt. In den 36 Becken des Meeresmuseums tummeln sich leuchtende, bizarre Fische aus dem Mittelmeer und tropischen Gewässern.

Gigantische Aquarien wie im Ozeaneum kann der Besucher aufgrund der räumlichen Gegebenheiten nicht erwarten. Doch das Museum punktet auch durch sein Ambiente. In welchem einstigen Kirchenchor hängen schon Originalskelette eines Finn- oder Entenwals. Und Highlights kommen meistens zum Schluss. Im mit 350 Kubikmetern größten Bassin tummeln sich mehrere Riesenschildkröten und davor die meisten Besucher.

Informationen

Ein Museum – vier Standorte – Zur Stiftung Deutsches Meeresmuseum gehören vier Museen.

Ozeaneum
Von der Ostsee zum Polarmeer
Hafenstraße 11, 18439 Stralsund, Tel.: 03831 2650 610
www.ozeaneum.de

Meeresmuseum
Fischerei, Mittelmeer und Südsee
Katharinenberg 14 – 20, 18439 Stralsund, Tel.: 03831 2650 210
www.meeresmuseum.de

Nautineum
Küsten- und Zeesenfischerei, Meeresforschungstechnik, Unterwasserlabor
Kleiner Dänholm (erreichbar über die alte Rügenbrücke), 18439 Stralsund, Tel.: 03831 2880 10

Natureum, das Museum mitten in der Natur
Flora und Fauna der Vorpommerschen Boddenlandschaft

Darßer Ort 1 – 3 (5 Kilometer westlich von Prerow, autofrei, nur zu Fuß, per Fahrrad oder Pferdekutsche erreichbar), 18375 Bornm Tel.: 038233 304

Ozeaneum und Meeresmuseum in Stralsund – eine Liebeserklärung an die Meere

Architektur Ozeaneum – weiße Kiesel vom Meer umspült

Blauwale können bis zu 34 Meter lang werden

ein bisschen Spaß muss sein – hier kann man seinen Kopf hinhalten

Fische und Schrott auf dem Meeresgrund

Bunte Fische und Walskelette hinter Klostermauern im Meeresmuseum

Skelett eines Finnwals, 1825 an der Westküste Rügens gestrandet

Riesenschildkröte im Meeresmuseum Stralsund

© Text und Fotos: Dagmar Krappe/Axel Baumann

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