Feuerzeichen über St. Peter-Ording

1. Februar 2015 | Von | Kategorie: Die Reportage, Schleswig-Holstein

Jedes Jahr am 21. Februar erwacht Nordfriesland aus dem Winterschlaf

entlang der nordfriesischen Küste lodern am 21. Februar die Biike-Feuer

Funken sprühen. Asche fliegt durch die Luft. Noah, Tabea und Clara starren gebannt in die von Ruß geschwärzte Feuerwanne. „Ich bin doch kein Bäcker“, ruft Noah plötzlich empört. Frustriert zieht er sein Stockbrot aus der Glut. An der Spitze ist es völlig verkohlt.

Es ist der 21. Februar. Wie in jedem Jahr findet an diesem Tag in Nordfriesland das Biikebrennen statt. In St. Peter-Ording auf der Halbinsel Eiderstedt kommen nicht nur die Großen am Abend bei Glühwein und Jazzklängen auf dem Seedeich auf ihre Kosten. Auch an die kleinen Gäste ist gedacht, um ihnen die Biikefeuer-Tradition näher zu bringen.

Nicole Henfling, Leiterin des Kinderspielhauses, erzählt, dass Biike auf Friesisch Bake heißt und Feuerzeichen bedeutet. Durch das Anzünden eines Holzstoßes aus morschen Ästen und ausgedienten Weihnachtsbäumen soll der Winter vertrieben werden.

Sie setzt eine Schale mit Brotteig neben der Feuerwanne ab. Die Kinder nehmen einen Klumpen Teig. Kneten ihn zwischen den Händen zu einer langen Rolle und flechten ihn wie einen Zopf um einen langen Stock. Dann hocken sie sich vor den Bottich und drehen den Teig in der Glut. Wer nicht aufpasst, dem verkohlt die Spitze. Alle anderen lassen sich das selbstgebackene Brot mit Bockwurst und Senf schmecken.

Die geplante Fackelwanderung zum Seedeich fällt wegen schlechten Wetters leider aus. Eine Stunde vor dem Entfachen des Scheiterhaufens setzt heftiger Regen ein. Trotzdem treffen sich nach Einbruch der Dunkelheit Hunderte von Einheimischen und Besuchern mit aufgespannten Regenschirmen auf der Promenade am Strand, um der Feuerrede zu lauschen und zuzusehen, wie der Holzstoß langsam in sich zusammenfällt.

über einer großen Feuerwanne wird Stockbrot gebacken

St. Peter-Ording ist einer von zirka 60 Orten in Nordfriesland, die die Biike-Tradition aufrecht erhalten. Auf den Inseln Sylt, Amrum, Föhr, auf den Halligen und entlang der Küste lodern die Feuer in dieser Nacht.

„Das Brauchtum des Biikebrennens hat sich über viele Jahrhunderte erhalten“, erklärt Bürgervorsteher Boy Jöns in seiner Feuerrede auf Platt- und Hochdeutsch: „Einst war es ein heidnisches Opferritual.“ Die Bauern hofften auf eine gute Ernte, indem sie mit dem Feuer die bösen Geister vertreiben wollten. Nach der Christianisierung hielt sich der Brauch. Leuchtbaken verabschiedeten die Walfänger und wiesen ihnen den Weg. Eine Legende besagt, dass die Feuer auch fremden Männern als Zeichen dienten, dass viele Frauen an der Küste und auf den Inseln nun für mehrere Monate wieder alleine waren und bei der Arbeit und „bei anderen Dingen“ Hilfe benötigten. „Heute ist es eine nette Sitte, die Küstenorte und Inseln aus dem Winterschlaf zu wecken“, beendet Boy Jöns seine Ansprache, bevor der Holzstoß mit einer Fackel entzündet wird.

Funken fliegen durch die pechschwarze Nacht. Rauch zieht gen Promenade. Regenschirme leuchten im Feuerschein. Auch wenn das Feuer wärmt und die „Delvtown Jazzmen“ zusätzlich kräftig einheizen, bewegt sich der Menschenstrom bald Richtung Innenstadt. Zieht weiter in die diversen Restaurants und Hotels zum Grünkohlessen. Grünkohl mit süßen oder Bratkartoffeln, Kassler, Kochwurst, Schweinebacke, Bier und Köm bildet den Abschluss des Tages. Auch wenn am nächsten Morgen Kälte, Wind und Regen doch noch nicht ganz vertrieben sind.

Informationen

Anfahrt:
A 23 bis Heide, B 5 bis Tönning, B 202 bis St. Peter-Ording

Tourismus-Zentrale St. Peter-Ording
Maleens Knoll 2
25823 St. Peter-Ording
Tel.: 04863-999-0
Fax: 04863-999-180
www.st.peter-ording.de

Übersicht über die Biike-Veranstaltungen 2015 an der Nordsee: http://www.nordseetourismus.de/alle-biikefeuer-am-21februar

Passende Urlaubsarrangements zur Biike 2015 gibt es unter http://www.nordseetourismus.de/angebote-zur-biike

Weitere Informationen erhalten Interessierte telefonisch unter 0 48 41 – 89 75 0 bei der Nordsee-Tourismus-Service GmbH in Husum sowie im Internet unter www.nordseetourismus.de.

© Dagmar Krappe (Text), Axel Baumann (Fotos)

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