Glucke sucht Rastplatz in Bremen

2. April 2012 | Von | Kategorie: Bremen

400 Jahre Bremer Rathaus-Fassade

Die Akropolis in Athen, das historische Stadtzentrum von Rom, das Schloss und die Gärten von Schönbrunn: Seit 2004 reihen sich das Bremer Rathaus und die 5,5 Meter hohe Roland-Statue davor in diese Reihe ein.

Damals nahm die UNESCO sie in die Liste der Stätten auf, die sie zum Welterbe der Menschheit zählt: Das Rathaus und der Roland seien „ein einzigartiges Zeugnis“ für bürgerliche Autonomie und Souveränität. Unter anderem würdigte das Gutachten, das der Entscheidung zugrunde lag, für das Rathaus ausdrücklich „die herausragende Form der Architektur der späten Renaissance in Norddeutschland“.

Bremer Rathaus mit Roland © Ingrid Krause (BTZ)

Bremer Rathaus mit Roland © Ingrid Krause (BTZ)

Diese sogenannte Weser-Renaissance prägt die Fassade, die zwischen 1609 und 1612 vor das damals schon 200 Jahre alte Gebäude gesetzt wurde. In diesem Jahr feiert Bremen den 400. Geburtstag der Fassade. Ein stolzes Jubiläum, aus dessen Anlass die Bremer Touristik-Zentrale Bremen-Besuchern anbietet, bei einer Spezialführung doch mal einen ganz genauen Blick zu riskieren.

Auf der Front des Bremer Rathaus ist nämlich neben dem Kaiser und den sieben Kurfürsten allerhand Sehenswertes von allegorisch bis anzüglich zu entdecken. Da steht die Nacht mit Krone, Zepter und Zauberbuch neben dem Tag, dargestellt mit strahlender Sonne, flammendem Haar und Zepter. Ein paar Arkadenbögen weiter streut eine Schöne Geld aus, während sich ein Mann mit griesgrämigem Gesicht offenbar große Sorgen macht. An wieder anderer Stelle stehen sich Glauben und Hoffnung gegenüber: eine Frau mit Kreuz und Kelch hier, eine mit Anker und Taube dort. Und mittendrin entdecken Scharfsichtige eine Henne mit ihren Küken, die direkt der Gründungslegende der Stadt entstiegen ist: Eine Glucke auf der Suche nach einem Rastplatz soll Schiffern den Weg nach Bremen gewiesen haben.

Etwas über den Arkadenbögen sind unter anderem Szenen aus der Mensch-heitsgeschichte zu finden, eingefasst von offenherzigen Darstellungen von Meeresgeschöpfen aus dem Reich des griechischen Meeresgottes Poseidon, die sich ungeniert amüsieren. Und das im eigentlich sittenstrengen Bremen!

All das und noch viel mehr zeigen sachkundige Führer den Gästen in einer rund einstündigen Führung zum Preis von 3 Euro pro Person. Sie findet vom 13. April bis zum 28. Oktober 2012 immer freitags bis sonntags um 10 Uhr statt, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen. Wenn das Rathaus geöffnet ist, können Teilnehmer gleich im Anschluss bei einer weiteren Füh-rung (5 Euro pro Person) das Architekturkunstwerk von innen bewundern: die obere Rathaushalle mit ihren historischen Schiffsmodellen und die Güldenkammer mit der vergoldeten Ledertapete zum Beispiel.

Wer den Führer zu anderen Zeiten an seiner Seite wissen möchte: bitte sehr. Eine individuell gebuchte Inspektion der Fassade unter sachkundiger Anleitung kostet 56,50 Euro für Gruppen bis zu 25 Personen.

„Bremen und die Welt“
Das Rathaus kennen Besucher nach diesen Führungen – wer dann noch tiefer in die Stadtgeschichte eintauchen möchte, für den hat die Bremer Touristik-Zentrale zum Beispiel die Vier-Tage-Pauschale „Bremen und die Welt“ entwickelt (ab 186 Euro pro Person). Darin ist neben Übernachtungen und Frühstück unter anderem der Eintritt in das Focke-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte enthalten, in dem der originale Kopf des Roland aufbewahrt wird. Auch steht ein Besuch im Überseemuseum frei. Es gehört zu den meistbesuchten Museen Deutschlands und basiert auf den Schätzen, die Bremer Kaufleute aus aller Welt mitbrachten.

Weitere Informationen sind über das Service-Telefon der Bremer Touristik-Zentrale (BTZ) unter 018 05/10 10 30 (14 Ct./Min. dt. Festnetz, max. 42 Ct./Min. Mobilfunk), unter der Festnetznummer 04 21/30 800 10 oder im Internet unter www.bremen-tourismus.de erhältlich.

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