Goslar feiert 2013 „Tag der Niedersachsen“

6. Oktober 2012 | Von | Kategorie: Die Reportage, Niedersachsen

Für einen Moment lang das Zentrum von Niedersachsen sein

Besser kann es für die Stadtväter eigentlich nicht laufen. Seit einigen Jahren zählt Goslar zu den bedeutenden Stätten des UNESCO Weltkulturerbes und im kommenden Jahr reiht sich eine weitere Auszeichnung ein: Gemeinsam mit Vienenburg und der Klosterdomäne Wöltingerode wird die Stadt im Harz vom 30. August bis zum 1. September den „Niedersachsentag 2013“ ausrichten. Eine Premiere, denn zum ersten Mal in der Landesgeschichte tritt eine komplette Region an, um die unterschiedlichen Facetten des norddeutschen Bundeslandes an einem Ort zu konzentrieren.

Goslar – Kaiserpfalz

Trotzdem braucht niemand auf den kommenden Sommer zu warten, um dieser historischen Stadt mit seiner Kaiserpfalz einen Besuch abzustatten. Auch jetzt im Herbst lohnt sich die Visite. Was einem dabei sofort ins Auge springt sind die vielen alten Fachwerkhäuser und engen Gassen in der Stadt. Noch heute dokumentieren sie den Reichtum, den Goslar im 15. und 16. Jahrhundert ansammelte. Später, als die Einnahmequellen allmählich versiegten, fehlten den Bürger einfach die finanziellen Möglichkeiten für zeitgemäßere Prunkbauten. Jeder versuchte sein altes Heim so lang wie möglich in Schuss zu halten. Ein Glücksfall nicht nur für Historiker, denn auf diese Weise konnten die Häuser vor dem Abbruchhammer gerettet werden. Von den etwa 1.500 unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden wurden 168 bereits vor 1550 errichtet.

Goslar – Fachwerkhäuser entlang der Gose

Nicht ohne Grund nahm die UNESCO deshalb die Stadt im Nordharz zusammen mit dem 1988 stillgelegten Silberbergwerk am Rammelsberg 1992 in die Liste „Kultur- und Naturerbe der Menschheit“ auf. Für den Goslarer Dom kam diese Wertschätzung jedoch viel zu spät. Mit einem Schildbürgerstreich vergleichen heute die Bürger seinen Abriss 1050 wurde das Gotteshaus gegenüber der Kaiserpfalz geweiht. Wegen „Baufälligkeit“ ließen ihn die Verantwortlichen 1819 kurzerhand dem Erdboden gleichmachen. Nur die 1150 angebaute Vorhalle blieb in die Gegenwart erhalten, mit ihr auch der berühmte Kaiserstuhl. Just an diesem geschichtsträchtigen Ort eröffnete 1871 Kaiser Wilhelm I. den ersten Reichstag im Kaiserreich.

Nur wenige Meter trennen die Kaiserpfalz von der Innenstadt. Mit einem Kuriosum kann die Kleinstadt an der Gose aufwarten: Innerhalb der Stadtmauern heißt das kleine Flüsschen „Abzucht“. Wer dabei an die Funktion als Abwasserleitung schließt, tippt daneben. Vermutlich stammen die Wurzeln des Namens im lateinischen „aquaeductus“. Der Bummel entlang der „Abzucht“ lohnt sich durchaus: Schmucke Mühlen aus dem 16. Jahrhundert liegen hier am Lauf der Gose.

Kaiserringhaus mit Glockenspiel

Pünktlich zum Glockenschlag versammeln sich die Neugierigen auf dem Marktplatz, wenn das Figurenspiel im oberen Geschoss der alten Kämmerei beginnt. Sie lassen die Bergbaugeschichte am Rammelsberg noch einmal Revue passieren. Der Sage nach soll ein Ritter auf der Pirsch am Rammelsberg sein Pferd an einem Baum festgebunden haben, um zu Fuß dem flüchtenden Wild zu folgen. Dem edlen Ross indes wurde langweilig, es scharrte erwartungsvoll mit den Hufen. Ob’s ein Indikator für das vorhandene Jagdglück seines Reitersmann war? Jedenfalls soll der wartende Hafermotor genügend Zeit gehabt haben, um gleich eine Erzader an das Tageslicht zu bringen…

Goslars Dukatenkacker am Gasthof Kaiserworth

Gleich gegenüber befindet sich das gotische Rathaus. Zu Goslars „guter Stube“ gehört ebenso der Gasthof „Kaiserworth“.Ende des 15. Jahrhunderts wurde es als Gildehaus der Gewandschneider gebaut. Dieser Gilde gehörten jedoch keine Handwerker an, nur Kaufleute. Sie galten aber als die reichsten und vornehmsten der Stadt. Mit ihrer Meinung über die Kommunalpolitik hielten sie sich bereits damals nicht zurück. Lange bevor das Goslarer Rathaus bezogen werden konnte, residierte das Kapital in seinem repräsentativen Bau und ließ es sich nicht nehmen, diesen Wohlstand dann auch zur genüsslich Schau zu stellen. Ein Reichtum, der sich noch heute in Augenschein nehmen lässt. Schließlich gehört der Arkaden-Bau mit seinen Kaiserfiguren doch heute zu den schönsten Fachwerkhäusern der Stadt. Besonders dicht von Touristen umlagert ist die Giebelkante dieses Gebäudes: hier residiert – in Stein gemeißelt – der „Dukatenkacker“, wie er seinen Geschäften nachgeht. Ein Blick nach oben kann nicht schaden, immerhin soll es dem Betrachter Glück bringen.

Ob es den Stadttauben bewusst ist, was für einen Landeplatz und Ausguck sie sich auf dem Marktplatz gewählt haben? Schließlich hat nicht jeder einen goldenen Reichsadler zum Nachbarn. Er ist das Wahrzeichen von Goslar und Mittelpunkt der Stadt zugleich. Was allerdings noch interessanter ist, Platz, Brunnen und Fachwerkensemble bilden eine perfekte Kulisse für einen urigen Weihnachtsmarkt, wie er im Advent nicht schöner sein kann.

Die zentrale Lage Goslars im Norden des Harz ist gleichzeitig ein idealer Ausgangspunkt für Entdeckungstouren durch den Naturpark. Zahlreiche Pauschalpakete der Fremdenverkehrsämter dokumentieren diese Möglichkeiten: Ein 50 Kilometer lange Fußweg lässt sich zwischen Hahnenklee und Goslar auf Schusters Rappen erwandern. Wer möchte kann ebenso auf den Spuren von Johann Wolfgang von Goethe oder Heinrich Heine wandeln und dem Charme des norddeutschen Mittelgebirges erliegen.

Kaiser Friedrich I Barbarossa vor der Kaiserpfalz in Goslar

Wenige Kilometer vom Stadtzentrum entfernt befindet sich eine weitere vom UNESCO-Welterbekomitee ausgezeichnete Stätte, das ehemalige Bergwerk am und im Rammelsberg. Tag für Tag fuhren hier mehr als 1000 Jahre lang die Bergleute ein. Rekordverdächtig ist auch die Zahl der geförderten Menge an Erzen. Fast 30 Millionen Tonnen holten sie in diese Zeit aus dem Stein, eben bis 1988, als der Pütt mangels ergiebiger Erzlager dicht machte. Heute ist daraus ein Besucherbergwerk samt Museum geworden, das die spannende Geschichte des Jahrtausende alten Erzabbaus wieder zum Leben erweckt. Nicht nur „unter Tage“ lassen sich die Geheimnisse erkunden. Auch „über Tage“ locken spannende Sehenswürdigkeiten, so kündet das Harzer Wasserregal, zu welchen Leistungen die Vorfahren moderner Bergmänner fähig waren. Zig historische Teiche, hunderte von Kilometer gegrabene Wassergräben sammelten, speicherten und verteilten das Quellwasser. Einst eine technische Notwendigkeit, heute ein beliebter Ort um entspannt durch die Natur zu flanieren.

Informationen

Tourist-Information Goslar, Markt 7, 38640 Goslar, Tel. 05321 / 7 80 60, Fax. 05321 / 78 06 44, E-Mail: tourist-information@goslar.de, www.goslar.de

Harzer Tourismusverband e.V., Marktstraße 45, 38640 Goslar, Tel. 05321 / 3 40 40, Fax. 05321 / 34 04 66, E-Mail: info@harzinfo.de, www.harzinfo.de

UNESCO Weltkulturerbe Rammelsberg, Museum, Besucherbergwerk, Bergtal 19, 38640 Goslar, Tel. 05321/ 75 00, Fax 05321 / 75 01 30, E-Mail: info@rammelsberg.de, www.rammelsberg.de

UNESCO Weltkulturerbe Oberharzer Wasserwirtschaft, Harzwasserwerke GmbH, Tel. 05121 / 40 40, Fax 05121 / 40 42 20, E-Mail: info@harzwasserwerke.de, www.wasserwerke.de

Sehenswürdigkeiten in und um Goslar

Das Glocken- und Figurenspiel im Kämmereigebäude zeigt täglich um 9.00, 12.00, 15.00 und 18.00 Uhr die Bergbaugeschichte rund um den Goslarer Rammelsberg.

Die Kaiserpfalz befindet sich in der Kaiserbleek 6, Öffnungszeiten: Nov – Mär 10-16 Uhr, Apr – Okt 10-17 Uhr, Tel, 05321 / 3 11 96 93.

Das bäuerliche und ritterliche Leben im „finsteren Mittelalter“ lässt der Zwinger wiederaufleben. Alte Kriegsgeräte, Folterinstrumente werden im alten Festungsturm ausgestellt (im Winter wechselnde Öffnungszeiten!), Thomasstr. 2, Tel. 05321 / 4 31 40.

Am Stadtrand von Goslar befindet sich der Rammelsberg, wo in früheren Jahrhunderten Silber- und Kupfererze abgebaut wurden. Ein Besucherbergwerk mit einem Bergbaumuseum lässt diese Harzer Industriegeschichte wieder aufleben: www.rammelsberg.de

Anreise
Goslar ist per Bahn über Hannover und Hildesheim fast im Stundentakt gut zu erreichen. Mit dem Auto über die Autobahn A 7 und weiter über die Bundesstraße B 6.

© Text und Fotos: Helge Holz

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