Hereinspaziert in die Villen der Bäderarchitektur!

10. September 2012 | Von | Kategorie: Mecklenburg-Vorpommern

Die „Diven“ im Ostseebad Binz lassen bitten – originelle Aktionen inklusive

Sie sind heute genauso prachtvoll wie vor hundert Jahren. Jede ist einzigartig wie eine Diva, zusammen sind sie das Aushängeschild von Binz. Grund genug, um die schönsten Villen im Stil der Bäderarchitektur am letzten Wochenende im September für Besucher zu öffnen. Jeder ihrer Besitzer hat sich dafür eine originelle Aktion einfallen lassen, die die Geschichte seines Hauses ganz individuell widerspiegelt.

Bäderarchitektur in Binz

Das Ostseebad Binz ist berühmt für seine einzigartig schöne Bäderarchitektur. In keinem anderen Ort an der Ostseeküste finden sich so viele Beispiele dieser Stilrichtung, die streng genommen gar keine ist. In die herrschaftlichen Häuser reisten einst die Wohlhabenden, um mit Zofe, Diener und später dann mit Chauffeur den Sommer am Meer zu verbringen. Das Ostseebad hat sich viel von dieser Noblesse erhalten. An der Strandpromenade und den dahinter liegenden Straßen reihen sich die Häuser mit ihren typischen offenen Balkonen, Erkern und verspielten Veranden eines an das andere. Und so mancher Binz-Urlauber, der an den schönen Villen vorbei flaniert, fragt sich: „Wie sieht es wohl im Inneren aus, welche Geschichte verbirgt sich hinter diesen Mauern?“

Die Antworten hält das Finale des „Monats der Bäderarchitektur“ bereit, denn die Kurverwaltung und die Hausherren haben sich in diesem Jahr etwas ganz Besonderes ausgedacht: Am 29. und 30. September 2012 werden 18 Villen für Gäste geöffnet. Schauspieler der Hinterlandbühne Rügen und Ortsführer Klaus Boy geleiten die Besucher zu den Häusern und verkürzen die Zeit durch überraschende Effekte und kleine Szenen unterwegs. Jede steinerne „Diva“ präsentiert sich ihren Gästen mit einer ganz individuellen Aktion – von Hausmusik mit Liedern der Seefahrt in der Pension Haus Edelweiß über kulinarische Kostproben in der Kunstgalerie Klünder mit ihrem erst vor wenigen Jahren wiederentdeckten alten Weinkeller, bis zur Führung durch den legendären Kurhaus-Saal im Stil der 20er Jahre.

Die Schauspieler in ihren historischen Kostümen lassen die Entwicklung zum mondänen Seebad wieder lebendig werden.

Teetafel in der Villa Haiderose © Photohaus Zobler, Binz

So erzählt beispielsweise ein Badearzt in der Villa Haiderose an der Strandpromenade, wie man sich zu seiner Zeit streng getrennt nach Damen, Herren und Familien „der Lust des Badens hingab“. Dazu wird zur Teetafel mit Klöben (süßes Brot) und selbst gemachter Konfitüre geladen. In der benachbarten Villa Baltik von 1888 berichtet der Baumeister der Villa von der bewegten Geschichte des Hauses und des einstigen Besitzers Adalbert Kaba-Klein, einem jüdischen Kaufmann, der 1920 auch das legendäre Kurhaus für 165.000.000 Reichsmark von der verschuldeten Gemeinde Binz erwarb.

Bei Anbruch der Dämmerung geht´s zum festlich beleuchteten „niXe designhotel Binz“. Die ehemalige Sommerresidenz „Villa Seenixe“ wurde um 1903 errichtet. Eine umfassende Fotodokumentation zeigt den Besuchern, wie das Haus nach turbulenten Zeiten im Krieg und nach der Wende in einen traurigen Dämmerzustand fiel – und schließlich vom heutigen Besitzer aufwändig zum Designhotel saniert wurde. In der früheren Küche im Keller, wo sich jetzt ein Sterne-Restaurant befindet, werden den Gästen anschließend „dicke Erbsen à la Sternekoch“ serviert, ein Gericht, das früher den Arbeitern auf´s Feld mitgegeben wurde.

Villa Haiderose und Villa Quisisana

Ab 19 Uhr werden in der Bar der Villa Salve Cocktails gemixt, die die Besitzerin Gräfin von Kreis um 1900 herum ihren zahlreichen Gästen servieren ließ: Mint, Brandy Julep, Tom Collins und Gibson. Barkeeper Bernd Beyer – inselweit bekannt für seinen Fundus an Anekdoten und kurzweiligen Geschichten – serviert dazu einen Rückblick auf die Historie der Cocktails. Wenn sich schließlich die Nacht über die Insel senkt, steht die „Villa Jagdschloss“ auf dem Programm. Vor den romantisch beleuchteten Holzveranden werden Bowle und Wein kredenzt, und beim Rundgang bei Kerzenschein zeigt eine Bilderausstellung den Werdegang des Hauses.

Die Führungen zu den Villen und die Aktionen inklusive kleiner Kostproben in den Häusern sind gratis. Das komplette Programm mit allen beteiligten Häusern wird in einem Flyer veröffentlicht und Sie finden es außerdem hier: www.ostseebad-binz.de

Monat der Bäderarchitektur:
Im späten 19. Jahrhundert erlebte die Sommerfrische an der Ostseeküste ihren Höhepunkt. Die Insel Rügen und das Seebad Binz wurden schnell zum Geheimtipp – vor allem gut betuchte Berliner und Hamburger ließen sich hier in einem unbeschwerten Stilmix aus Klassizismus, Neobarock und Jugendstil Feriendomizile und Logierhäuser bauen. Typisch für die weißen Villen sind die zahlreichen Loggien, Erker, offenen Balkone, Türmchen und filigranen Veranden. Mit Tatendrang und Gespür für historische Substanz haben die Binzer in den vergangenen 20 Jahren die Häuser im Ortskern und an der Strandpromenade saniert, so dass diese längst wieder im alt-neuen Glanz erstrahlen. Im September, dem „Monat der Bäderarchitektur“, erfahren Besucher in kurzweiligen Vorträgen und bei einer Fotoausstellung mehr über die prachtvoll verzierten Gebäude und illustren Gäste, die bis zum Ersten Weltkrieg im „Sorrent des Nordens“ logierten.

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