Immer der Rose nach – die GartenTraum-Tour

5. Mai 2012 | Von | Kategorie: Niedersachsen

Das Schild mit der Blüte weist im Osnabrücker Land Radfahrern den Weg zu Traumgärten

In Großbritannien ist die „Offene Gartenpforte“ ein 80 Jahre alter Evergreen, und auch in Deutschland treibt die Idee, Privatgärten für Gäste zu öffnen, immer neue Blüten. Eine der schönsten: die „GartenTraum-Tour“ im Osnabrücker Land. Sie verknüpft 38 der schönsten Gärten der Region durch einen 167 Kilometer langen Rad-Rundweg.

Im Garten durch Versuch und Irrtum zu lernen, ist eine langwierige Sache. Denn Fehler kann man meist erst im nächsten Frühjahr ausbügeln. Besser ist es da, sich in anderen Gärten Tipps zu holen. Deshalb – und weil Menschen nun mal neugierig sind – ist die Idee der offenen Gartenpforten so beliebt. Per Fahrrad lassen sich im Osnabrücker Land immerhin fünf bis sechs Gärten pro Tag anschauen. Mehr nicht, man kommt einfach allzu leicht ins Plaudern. Bei Hans-Jürgen Ehlert zum Beispiel, der sein immenses Wissen über Fuchsien gerne teilt. Der Rentner sammelt seit fast 40 Jahren, hat auf nur 450 Quadtratmetern Reihenhaus-Grün inzwischen 330 Sorten beisammen. Das ist noch enger als es klingt: Da die Fuchsie nicht winterhart ist, braucht Ehlert auch noch ein Glashaus – und das im kleinsten der 38 Gärten dieser Tour.

Ehlerts Garten liegt im äußersten Südosten des Rundkurses in Bad Essen, er ist also fast direkter Nachbar des größten Gartens der Tour: Schloss Ippenburg. Der neugotische Adelssitz ist ein Besuchermagnet. Allein zum Festival „Gartenlust & Landvergnügen“ am Pfingstwochenende kommen jedes Jahr Zehntausende von Besuchern.

In der anderen Richtung führt der vorbildlich ausgeschilderte Radweg am Mittellandkanal entlang zum Garten am „Meyerhof zu Stirpe“, den heute Ulrike Mithoff hegt und pflegt. Viele kommen her, um die uralten Robinien zu bestaunen, die man ansonsten nur als kleine, zu Kugeln gestutzte Hausbäumchen kennt. Hier sind sie auf gut 20 Meter herangewachsen und werfen ihren Schatten auf die mit Natursteinen terrassierte Anlage voller Rosen und Staudenrabatten; den grünen Höhenzug des Wiehengebirges stets im Hintergrund.

Nicht in erster Linie für Menschen, sondern hauptsächlich für Vögel scheint Klaus Mees seinen Garten angelegt zu haben: Auf 7000 Quadtratmetern hat er um sein reetgedecktes Fachwerkhaus herum in Bohmte eine Streuobstwiese gepflanzt, wie sie noch in den 1970er-Jahren typisch für das Osnabrücker Land war. Einige seltene Nutzgehölze wie Mispeln, Quitten und verschiedene Nussbäume gedeihen hier. Fast 100 Nisthilfen hat er zudem in seinem Garten verteilt, und „nahezu alle sind belegt“, sagt der ehemalige Zahnarzt stolz. Den Garten für die Vögel wissen auch die Menschen wohl zu schätzen: Mees erhielt unlängst den Naturschutzpreis des Landkreises Osnabrück.

Will man private Gärten wie diesen besuchen, so muss man sich vorher telefonisch anmelden – ansonsten kann es leicht passieren, dass man vor verschlossenen Gartenpforten steht. Allerdings liegt an der Route auch eine Reihe stets geöffneter Gärten. Am Eisenzeithaus in Venne etwa, einem Nachbau einer prähistorischen Wohnstätte, werden Getreide und Gemüse angebaut, das die Menschen schon vor Jahrtausenden gegessen haben. Am Tuchmacher-Museum in Bramsche sind alte Färberpflanzen wie Wau und Waid zu sehen und auch zum Varusschlacht-Museum in Kalkriese gehört ein Park.

Doch auch in den privaten Gärten lässt sich manch spannende Geschichtsstunde erleben. Zum Beispiel bei Familie Kuhn. „Bis 1840 war dies hier das Armenhaus von Venne“, erfährt der Besucher. Ärmlich wirkt das liebevoll renovierte Haus heute keineswegs. In den 1970er-Jahren zogen Gudrun und Erwin Kuhn hier ein und haben seither schier Unglaubliches geleistet. Ihr Garten, eine frühere Kuhweide von 4000 Quadratmetern Größe, bietet vor allem spannende Kontraste: akkurate Buchsbäume gibt es dort ebenso wie ein kleines Sumpfgebiet. Dem Kenner bietet der Garten außerdem einige echte Highlights: einen seltenen Taschentuchbaum zum Beispiel, eine spät blühende Art des Tulpenbaums sowie einige sehr starkwüchsige Rhododendren.

Mit zu den ersten im Osnabrücker Land, die ihren Garten für Gäste öffneten, gehörten Doris und Jürgen Schneider. Die Idee gefiel ihnen deshalb so gut, weil „wir uns so etwas damals schon gewünscht hätten, als wir gebaut haben“. So aber bekamen sie nicht die richtigen Tipps und pflanzten in ihren Garten in Wallenhorst, was in den 1970er-Jahren üblich war: immer höher wachsende Tannen als Sichtschutz. Die haben sie längst wieder gefällt, und heute erklimmen Sanddorn und Ramblerrose die Hauswand; rund um den Gartenteich blühen Stauden und im Mai der weiße Rhododendron. Überraschende Akzente setzen Geländerstücke. „Die stammen von einigen Brücken des Zweigkanals.“ Diesen Zubringer zum Mittellandkanal musste man vor einigen Jahren verbreitern – und dafür eben auch die Brücken neu bauen. Jürgen Schneider rettete Teile der schönen eisernen Jugendstil-Geländer vor der Verschrottung. Und machte nebenbei den eigenen Garten noch unverwechselbarer.

Weitere Informationen:
Eine Übersichtskarte mit Kurzbeschreibungen zur GartenTraum-Tour gibt es kostenlos beim Tourismusverband Osnabrücker Land: Krahnstr. 52/53, 49074 Osnabrück, Tel. 0541/95 111 95, E-Mail: tv@osnabruecker-land.de. Auf www.gartentraumtour.de findet man recht detaillierte Beschreibungen der Gärten. Auch GPS-Daten für verschiedene Touren gibt es zum Download.
Der Tourismusverband bietet drei- bis sechstägige Pauschalen inklusive der Übernachtungen, Verpflegung, Eintritte und Leihfahrrad an.

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