In fünf Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit

16. Juni 2014 | Von | Kategorie: Nordd. Tiefland

„Tag der offenen Tür mit Jederhunderennen und Mischlingsschönheiten“ in Ostercappeln

jeder will gewinnen beim Hunderennen in Ostercappeln

jeder will gewinnen beim Hunderennen in Ostercappeln

Was so ein leidenschaftlicher Sprinter ist, lässt sich schon gar nicht von „etwas“ Landregen die gute Laune verderben. Erst recht nicht, wenn die Niederschläge bereits tags zuvor den Boden durchnässt haben. So staubt es halt nicht, wenn’s mit Volldampf über den Parcours gehen soll. Zugegeben, das Geläuf ist heute wirklich etwas schwieriger als sonst; zwischen den Grashalmen staut sich noch immer ein klein wenig die Nässe. Der guten Stimmung tut es jedenfalls keinen Abbruch, weder bei den Zuschauern noch bei den Aktiven, die in wenigen Minuten hier ihre Kräfte messen werden. Gleich zwei Mal im Jahr laden die Mitglieder des Osnabrücker Windhundrennvereins (OWRV) interessierte Zwei- und Vierbeiner an die Bollenfahrtstraße in Ostercappeln ein, um ihre Leidenschaft für ihren Rennsport zu teilen. Traditionsgemäß ist die Rennbahn an einem „Tag der offenen Tür“ eben jenen Amateuren unter den Vierbeinern vorbehalten, die nicht zu den Windhunden zählen. Statt einer gut 480 Meter langen Runde ist dann ein 80-Meter-Sprint auf dem Programmplan. Angesichts der vorhandenen Rahmenbedingungen ist es heute dennoch ein besonders anspruchsvoller Wettbewerb. Das merken natürlich auch Frauchen und Herrchen. Ihnen obliegt dabei eine durchaus wichtige Aufgabe. Nachdem sie ihren kleinen, bellenden Liebling im Start abgegeben haben, sprinten sie dem Ziel entgegen, um Bello und Co. so schnell wie eben möglich zur finalen Lichtschranke zu dirigieren.

und noch ein Sprinter...

und noch ein Sprinter…

„Jeder Trick, jeder Kniff ist erlaubt“, erklärt Rennleiter Sascha Krey, „nur tragen ist verboten…“ In dieser Hinsicht haben Frauchen und Herrchen durchaus Fantasie. Mal lockt eine Jacke in leuchtendem Gelb, mal ist es der Lieblingstennisball oder der rote Faden, der den Weg zum Ziel weist. Doch wie so oft steckt die Tücke im Detail: Das durfte so manche Hundebesitzerin am eigenen Leib erfahren. Erst recht, wenn sich nasses Gras und Schwerkraft gegen einen wenden. Zum Glück war die Landung weich und der eigene Kläffer nicht zu sehr irritiert, um den sportlichen Ambitionen nicht gerecht zu werden. In jedem Fall konnten heute die kleinen Racker hier ihren vier-Pfoten-Antrieb souverän ausspielen. Nicht selten schafften sie die 80 Meter in weniger als sieben Sekunden. Es sei denn, der Spürnase fiel im Rasen etwas auf, dass irgendwie interessanter war als der neue persönliche Rekord. Doch am Ende erreichten aber alle Teilnehmer das Ziel.

Hunderennen_03
Ein besonderes Training lassen weder Herrchen noch Frauchen ihrem vierbeinigen Familienmitglied zuteil. „Wir gehen mit unseren Hund mehrmals in der Woche spazieren“, berichte eine Hundefreundin. Neben ihr steht eine weitere stolze Hundebesitzerin. Im Arm hält sie ihre betagte Hündin und krault dem Vierbeiner die Nackenhaare. Beide schauen sich interessiert die Wettrennen an. Irgendwie ist der Hündin anzusehen, wie gerne sie an den Rennen teilnehmen würde, wenn es doch die Knochen mitmachen würden.

ein selbstbewusster Dackel beim Hunderennen in Ostercappeln

ein selbstbewusster Dackel beim Hunderennen in Ostercappeln

Aus dem gesamten Osnabrücker Raum kamen die Gäste. Ganz unentwegte lockte es sogar aus dem ostwestfälischen auf die nördliche Seite des Mittellandkanals. Dieses Interesse wurde natürlich belohnt, erst recht als die Dackel ihr sportliches Können unter Beweis stellten. Gerade sie stahlen so manchem der großen Protagonisten die Schau. Sie waren die heimlichen Stars und Publikumslieblinge. Nicht nur deren Besitzern war die Begeisterung anzusehen, wie die Kleinen auf krummen Beinen dem Ziel entgegen jagten, wie im Fahrtwind die Schlappohren wild umher flatterten. Entsprechend selbstbewusst traten die Dackel im Zielbereich auf. Das Lieblingsspielzeug im Maul, mit sich und der Welt restlos zufrieden und hoch erhobenen Hauptes verließen sie den Parcours. Sie waren so stolz auf sich, dass es in diesem Moment wirklich niemand geschafft hätte, ihnen dieses wieder wegzunehmen. Da spielte es keine Rolle mehr, dass sie noch auf ihre Zweibeiner warten mussten, die noch stellvertretend für sie die Siegerurkunden in Empfang nehmen mussten.

Wer sich dieses sportliche Spektakel einmal anschauen möchte, muss sich allerdings noch bis zum 3. Oktober 2014 gedulden, erst dann laden die Mitglieder des OWRVs erneut zu einem „Tag der offenen Tür mit Jederhunderennen und Mischlingsschönheiten“ an.

Informationen

Osnabrücker Windhundrennverein e.V.
Bollenfahrtstraße
49179 Ostercappeln
Tel.: 05473 / 911 119 (Bahntelefon)
www.owrv.de

Weitere Hinweise zum Hunderennsport, zu Terminen, zu sportlichen Veranstaltungen finden sich unter anderem auf der Homepage des Deutscher Windhundzucht- und Rennverband e.V., Landesgruppe Weser-Ems: www.windhunde-weser-ems.de, auf der Homepage von Nordcup, www.nordcup.eu und beim Verband für das deutsche Hundewesen (VDH): www.vdh.de

© Helge Holz (Text und Fotos)

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