Kaffeeklatsch in Hamburg

30. März 2011 | Von | Kategorie: Die Reportage, Hamburg

Geschmuggelt oder verzollt – Kaffee gehört zu Hamburg wie Elbe, Fischmarkt und Reeperbahn

Kaffeeverkostung

Sie schlürfen und spucken, ziehen die Stirn kraus, schnuppern, rümpfen die Nase oder lächeln genüsslich. Exquisite Kaffeesorten aus Kolumbien, von der Elfenbeinküste, aus Äthiopien, Nicaragua und Kenia lassen sie über die Zunge gleiten. „Kaffee ist nach Erdöl das zweitwichtigste Welthandelsgut und das beliebteste Getränk der Deutschen“, erzählt Bärbel Dahms, Inhaberin der Firma KULTours, den dreißig Teilnehmern der Kaffeeverkostung im Hamburger Speicherstadtmuseum. Sie lässt ein paar Kaffeekerne zwischen Daumen und Zeigerfinger knacken: „So sind sie richtig geröstet.“ Kaffee gehört zu Hamburg wie Elbe, Fischmarkt und Reeperbahn. Sogar das erste Kaffeehaus gab es sieben Jahre früher als in Wien. Bis zum zweiten Weltkrieg war die Hamburger Kaffeebörse die Nummer drei nach New York und London.

Hamburger Speicherstadt

Die Butzenscheiben des Museums im dritten Stock des über hundert Jahre alten Speicherhauses sind dick mit Staub belegt. „Das müssen sie auch sein“, erklärt Bärbel Dahms: „Ein alter Quartiersmann sagte einmal, wenn ein Kaufmann sie putzt, sagen die Leute, er hat zu viel Zeit, lässt er sie putzen, hat er zu viel verdient.“ Neben Wissenswertem zu Kaffee, Tee und Schokolade bietet das Museum ausführliche Informationen zur Baugeschichte der Speicherstadt. Sie entstand zwischen 1883 und 1914 als weltweit größter zusammenhängender Lagerhauskomplex. An den wuchtigen roten Backsteinmauern prangen immer noch einige Namen von Quartiersleuten wie „Adolf Tiede und Söhne“ oder „Eichholtz und Consorten“ in großen goldenen Lettern.

Da Deutschland das einzige Land ist, in dem es eine Kaffeesteuer gibt, war Kaffee stets ein beliebtes Schmuggelobjekt. Was ansonsten im Hamburger Freihafen alles geschmuggelt wird und wurde, darüber informieren Bärbel Dahms und ihr Partner Frank Thie auf ihrer knapp dreistündigen Hafentour mit der Barkasse „Hansa II“.

Deutsches Zollmuseum

„Der Hamburger Hafen ist der größte Drogenumschlagplatz Europas“, sagt Bärbel Dahms. Zigaretten sind die Hauptschmuggelware. Wie kommen Zöllner Schmugglern auf die Schliche, will einer der Passagiere genauer wissen. „Früher durch den Stechpalmenblick bei Grenzgängern, den Blick der grünen Hoffnung“, berichtet Dahms: „Personen wurden genau taxiert, besonders, wenn sie zu dick erschienen.“ Heute vertraut man der Durchleuchtung. Manchmal sind es auch auffällig deklarierte Frachten. Das Stichwort für Klaus Thie: „Holzpaletten für Finnland, einem Land, indem es ausreichend Holz gibt, das bringt einen Zöllner schon ins Grübeln.“ Die Paletten waren nicht leer, sondern mit Zigaretten bestückt. „Mit Hülsenfrüchten beladene Container enthielten nicht Gemüse, sondern Patronenhülsen.“

Hamburger Hafen

Gemächlich geht es am grünen Museumssegelschiff Rickmer Rickmers und dem rotweißen Museumsfrachtschiff Cap San Diego vorbei. Es war vor der Ausmusterung als Stückgutfrachter für Kaffee, Äpfel und Gefrierfleisch zwischen Hamburg und Südamerika unterwegs. Schließlich macht die „Hansa II“ vor dem Deutschen Zollmuseum fest. Seit 1992 ist das ehemalige Zollamt Kornhausbrücke Museum. Früher wurden hier vorwiegend Orientteppiche verzollt. Zwei von ihnen hängen mit eingeknüpften Cannabisharzschnüren als Anschauungsmodelle an der Wand. Lebensmittel, Zier- und Gebrauchsgegenstände sind beliebte Verstecke für Rauschgift, Schmuck, Waffen oder Munition. Eine goldene Uhr lugt aus einer Tube Kondensmilch hervor. Aus einem Brotlaib und einem Fußball ragen Zigaretten heraus. Als Erbsengemüse deklarierte Konserven enthalten nur zum Teil die grünen Kügelchen. Einige Dosen sind etwas leichter und mit Alkohol befüllt.

Speicherstadt Kaffeerösterei

Wer jetzt noch Lust auf eine Tasse frisch gerösteten Kaffee hat und dabei beim Rösten zuschauen möchte, ist in der Speicherstadt-Kaffeerösterei richtig. Vor fünf Jahren eröffneten Thimo Drews und Andreas Wessel-Ellermann ihre kleine Rösterei mit angeschlossenem Café. Auch hier werden Kaffeeseminare angeboten. Prall gefüllte Kaffeesäcke lagern zwischen Bistrotischen und Röstmaschine. Bei 220 Grad verströmen 50 Kilo Kaffeebohnen aus Panama gerade ihre Aromen. Nach 19 Minuten prasseln sie mit ohrenbetäubendem Lärm ins Kühlsieb.„Rund 20 Sorten aus unterschiedlichen Ländern rösten wir“, erläutert Drews der interessierten Kundschaft. Auf der Getränkekarte findet sich vom normalen Kaffee über Cappuccino, Espresso bis zum Latte Macchiato alles, sowohl in der milderen, aromareichen Arabica-Qualität als auch als preiswerteres Arabica-Robusta-Gemisch. „Reine Geschmacksache“, meint Thimo Drews, nimmt einen kräftigen Schluck aus seiner Tasse und … lächelt genüsslich.

Information:

Hamburg Tourismus GmbH
Steinstr. 7
20015 Hamburg
Tel.: 040-30051300
www.hamburg-tourismus.de

Kaffeeverkostungen und Schmuggelfahrten durch den Hamburger Hafen (mit Besuch des Deutschen Zollmuseums) organisiert:
KULTours
Alter Wandrahm 15
20457 Hamburg
Tel.: 040-28050708
www.kultours-hamburg.de

Kaffee-und Schokoladenverkostungen finden statt im:
Hachez Chocoversum
Messberg 1
20095 Hamburg
Tel. 040-4191230-0
www.hachez-chocoversum.de

Speicherstadtmuseum
– Außenstelle des Museums der Arbeit –
Am Sandtorkai 36, 20457 Hamburg
Tel.: 040-321191
E-Mail: info@speicherstadtmuseum.de
www.speicherstadtmuseum.de
Öffnungszeiten:
Mo. – Fr. 10.00 – 17.00 Uhr, Sa./So. 10.00 – 18.00 Uhr
(November-März Di.-So. 10.00 – 17.00 Uhr)

Speicherstadt Kaffeerösterei und Café

Hacienda San Nicolás GmbH
Kehrwieder 5
20457 Hamburg
Tel.: 040-37518683
www.speicherstadt-kaffee.de
Öffnungszeiten: Täglich 10 – 19 Uhr
Kaffeeverkostungen: sonntags nach Anmeldung

Deutsches Zollmuseum Hamburg
Alter Wandrahm 15a – 16
20457 Hamburg
Tel.: 040-30087611
Eintritt: 2 Euro, Kinder und Jugendliche bis einschl. 17 Jahre: Eintritt frei
www.museum.zoll.de

© Text: Dagmar Krappe, Fotos: Axel Baumann

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