Mein Tag mit Max

28. Juni 2013 | Von | Kategorie: Hamburg, Weblog von unterwegs

Oldtimer-Rallye durch Hamburgs Norden

Max und ich haben uns Hamburg kennen gelernt. Nein, keine Liebe auf den ersten Blick. Max ist recht rundlich, wirkt gedrungen und trägt dazu ein unscheinbares hellbraunes Outfit. Aber da ihm Zuverlässigkeit nachgesagt wird, lasse ich mich schließlich doch auf ihn ein.

die Binnenalster - Blick auf Jungfernstieg und Rathaus

die Binnenalster - Blick auf Jungfernstieg und Rathaus

Max und ich flanieren nicht, sondern wir fahren den Holstenwall entlang Richtung St. Pauli, dem zweitkleinsten Stadtteil der Elbmetropole. Als wir die sündige Meile, die Reeperbahn, entlang knattern, kommen wir uns langsam näher. Da ist die Schaltung nicht mehr so rau, das Lenkspiel nicht mehr gewöhnungsbedürftig. Max gehört zur gern gepriesenen Generation 50plus. Jahrgang 1961. Ein Oldtimer also. Ein VW-Käfer 1300, der läuft und läuft und läuft… Inzwischen über die Königstraße Richtung Museumshafen Oevelgönne. Hier gibt es nicht nur historische Schiffe wie den Eisbrecher Stettin, den Dampfschlepper Woltman oder das Feuerschiff Elbe 3 zu bestaunen, sondern Max freut sich auch auf viele alte Blechkarossen. Einen feschen, schwarzen, Bentley. Acht Jahre älter als Max. Ein blankpoliertes Mercedes Cabrio und einen flotten Porsche. Beide Baujahr 1957. Ein weinroter Citroën hat sogar schon 82 Jahre Fahrerfahrung aufzuweisen.

Max, 52 Jahre alt und ein echter Wolfsburger

Nach einem herzhaften Frühstück auf dem Museumsfährschiff Bergedorf starten Max und ich mit fast 40 Blech-Kollegen zunächst zur Rallye durch Hamburgs Nordwesten. Wir zuckeln über die acht Kilometer lange Elbchaussee. Passieren viele Villen hinter hohen Zäunen und grünen Gärten sowie einige Traditionsrestaurants wie das Landhaus Scherrer, das Hotel Louis C. Jacob oder das Witthüs im Hirschpark. Hin und wieder müssen wir stoppen, um die eine oder andere Antwort auf rund 50 Fragen zu finden. Einige von Max’ Freunden haben heimlich Smartphone und Navi eingesteckt. Wir schaffen das auch ohne, auch wenn wir dafür mal den recht schwergängigen Rückwärtsgang einlegen müssen.

Über das villen- und treppenreiche, noble Blankenese erreichen wir unser erstes Etappenziel: den Leuchtturm Unterfeuer Wittenbergen. Einen der ältesten noch betriebsfähigen der 56 Leuchttürme, die es zwischen Cuxhaven und dem Hamburger Hafen gibt. Seit 1900 weist der Stahlgitterturm zusammen mit dem Oberfeuer Tinsdahl auslaufenden Schiffen den Weg, denn das Fahrwasser in der Elbe ist hier nur ganze 500 Meter breit.

Nach kurzer Verschnaufpause am Elbstrand rollen wir weiter nach Wedel, das schon in Schleswig-Holstein liegt. Hier kommt Fernweh auf. Seit 1952 werden am Schulauer Fährhaus Schiffe über 1.000 Bruttoregistertonnen, die in den Hamburger Hafen einlaufen oder in die Nordsee hinausfahren, begrüßt und verabschiedet. Dazu erklingt die jeweilige Nationalhymne und beim Auslaufen das Lied „Muss I denn, zum Städtele hinaus.“ Genau das wollen wir nicht. Über das Wald und Pferdekoppelgebiet Klövensteen erreichen wir wieder hanseatisches Terrain.

Gegen Mittag wird es wärmer. Ich öffne vorsichtig das kippbare kleine Dreieckseitenfenster. Max’ After Shave macht mir zu schaffen. Er riecht zunehmend nach Benzin. „Ist ganz normal für Käfer in dem Alter“, meint einer seiner Kumpels mit glänzendem Stern auf der Motorhaube. Wir bahnen uns den Weg zurück Richtung Zentrum. Parken schließlich mit anderen Oldies hintereinander gereiht in der Fußgängerzone Colonnaden, die den Jungfernstieg mit der Esplanade verbindet. Unter Arkadengängen befinden sich Geschäfte und Restaurants, tief unter der Straße donnert die blaue U-Bahnlinie U1.

der Ohlsdorfer Friedhof, der größte Parkfriedhof der Welt

Nach einer kleinen Stärkung verlassen wir die Innenstadt über die Lombardsbrücke mit den gusseisernen, vierarmigen Kandelabern. Haben zur Rechten noch einmal den besten Blick über die Binnenalster bis zum Rat- und Alsterhaus und halten uns dann links, um an der östlichen Seite der Außenalster entlang zu tuckern. Hier würden Max und ich gerne eine längere Pause einlegen, den zahlreichen Segelbooten zuschauen. Doch die Pflicht ruft, mehrere Glanzstücke haben uns bereits überholt, und wir haben noch einige Fragen zu beantworten. Max wird ein wenig nervös. Friedhof steht auf dem „Fahrplan“. Ich kann ihn beruhigen. Es handelt sich nicht um einen Autofriedhof, sondern mit 400 Hektar um Hamburgs größte Parkanlage und den größten Parkfriedhof der Welt. 255.000 Grabstätten gibt es hier unter 36.000 Bäumen und zwischen 15 Teichen. Ein 17 Kilometer langes Straßennetz durchzieht das Gebiet. Tempo 30 ist erlaubt. Üppige lila Rhododendren säumen die Cordesallee. Benannt nach dem ersten Friedhofsdirektor Wilhelm Cordes. Er ließ ab 1877 einen romantischen Park nach dem Vorbild eines englischen Gartens mit vielen Bäumen, Teichen, kleinen Hügeln, Rosen und Rhododendren gestalten. Der Ohlsdorfer Friedhof sollte nicht nur Bestattungsfläche, sondern auch ein Erholungsort für Trauernde sein. Wir halten am 1898 errichteten neugotischen Wasserturm unweit des „Gartens der Frauen“. Hier ruhen Frauen, die Hamburgs Geschichte kulturell, politisch und sozial geprägt haben. Zu jedem Grab gibt es eine Infotafel über das Leben der jeweiligen Person. So auch zu Domenica, einst St. Paulis bekannteste Hure, später Kämpferin für die Rechte ihrer jüngeren Kolleginnen und Streetworkerin.

Unsere Rallye endet auf dem Gut Karlshöhe in Farmsen, im Nordosten der Hansestadt. Bis in die 1970er Jahre wurde das alte Hofensemble als landwirtschaftliches Anwesen genutzt. Seit über 20 Jahren ist es ein Umweltzentrum mit Bildungsprogramm zu Natur- und Klimathemen. Im neu eröffneten Gartenlokal findet die Siegerehrung statt.

Wir haben die Rallye zwar nicht gewonnen, uns aber wacker neben Porsche, Jaguar, Mercedes, Borgward, Renault, Citroën, Fiat … geschlagen. Ein unvergesslicher Tag dank Max!

Informationen

Allgemeine Informationen über Hamburg und zu Übernachtungsmöglichkeiten gibt es bei der Hamburg Tourismus GmbH
Steinstr. 7
20095 Hamburg
Tel.: 040 300 51 300
Fax: 040 300 51 220
E-Mail: info@hamburg–tourismus.de
Internet: www.hamburg-tourismus.de
Praktisch und kostengünstig für Hamburg-Besucher ist die Hamburg CARD. Sie gilt für alle Busse, U-/S-Bahnen und Hafenfähren im HVV und gewährt Rabatte bei Veranstaltern von Hafen-, Alster- und Stadtrundfahrten, Museen, Sehenswürdigkeiten, Musical- und Theatervorstellungen, Restaurants und Souvenirs.
Preise Hamburg CARD im HVV-Großbereich:
Einzel-Tageskarte 8,90 €, 3-Tage-Einzelkarte 21,90
Gruppen-Tageskarte (bis zu 5 Personen) 14,90 €, 3-Tage-Gruppenkarte 39,90 €
Fahrplanauskunft im Hamburger Verkehrsverbund: www.hvv.de

Die Oldtimer-Rallye in oder um Hamburg wird jährlich vom Hotel Baseler Hof veranstaltet. Teilnehmen kann jedes Fahrzeug bis Baujahr 1969. Nähere Informationen:

Hotel Baseler Hof - Lobby und Bar

Hotel Baseler Hof
Esplanade 11
20095 Hamburg
Tel.: 040 359060
Fax: 040 35906918
E-Mail: info@baselerhof.de
Internet: www.baselerhof.de
Zimmerpreise:
EZ 79 bis 99 €, DZ 129 bis 169 € (je nach Saison),
inkl. Frühstück und 3-Tage-HVV-Ticket
Tipp: Zentrumsnähe bedeutet erhöhter Geräuschpegel. Für eine erholsame Nachtruhe sind Zimmer zum Hinterhof zu empfehlen.

Essen und Trinken zwischen Elbe und Alster:
Restaurantschiff D.E.S. Bergedorf im Museumshafen Oevelgönne: www.museumshafencafe.de
Alsterpavillon am Jungfernstieg: www.dein-alex.de
Landhaus Scherrer an der Elbchaussee: www.landhausscherrer.de
Restaurant und Teehaus Witthüs im Hirschpark: www.witthues.de
Kleinhuis’ Gartenbistro auf Gut Karlshöhe: www.gut-karlshoehe.de

Eine Oldtimer-Rallye durch den Norden der Hansestadt – so grün, so wasserreich

VW-Käfer "Max" wartet im Museumshafen Oevelgönne auf seine Abfahrt

 

über die Reeperbahn geht es runter zur Elbe

Museumshafen Oevelgönne: Eisbrecher "Stettin" war von 1933 bis 1981 im Dienst

Edle Blechkarossen präsentieren sich vor historischer Kulisse im Museumshafen Oevelgönne


Die Elbe immer im Blick, geht es bis nach Wedel in Schleswig-Holstein

Restaurant und Teehaus "Witthüs" im Hirschpark an der Elbchaussee

Leuchtturm Unterfeuer Wittenbergen, errichtet 1899, am Elbstrand

zum Glück haben die "dicken Pötte" ihr eigenes Fahrwasser

Willkomm Höft in Wedel: Am Schulauer Fährhaus werden Schiffe begrüßt und verabschiedet

Der Ohlsdorfer Friedhof hat ein 17 Kilometer langes Straßennetz

Neugotischer Wasserturm von 1898 auf dem Ohlsdorfer Friedhof

Zurück im Stadtzentrum an der Binnenalster

Alsterdampfschiff "St. Georg" (Baujahr 1876) auf der Binnenalster

© Text und Fotos: Dagmar Krappe

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