Mit dem „Feurigen Elias“ durch das romantische Hasetal

1. Februar 2013 | Von | Kategorie: Niedersachsen

Eine Landpartie mit einer historischen Kleinbahn vom Emsland ins Oldenburgische

Neben dem modernen Schnellzug im Meppener Bahnhof wirkt die kleine Dampflok mit dem Namen „Niedersachsen“ eher unscheinbar, gar winzig. Doch der Schein trügt. Im Gegensatz zur leuchtend rot farbenen Elektrolok ist der kleine Dreikuppler aus dem Emsland weltweit bekannt – zumindest bei Philatelisten: Die Post von Guinea wählte ein Motiv des niedersächsischen Dampfrosses zu den „Dampflokomotiven der Welt“. So sehr waren die Afrikaner vom „Feurigen Elias“ der Eisenbahnfreunde Hasetal fasziniert. Diese Begeisterung lässt sich auch in diesem Jahr wieder erleben, wenn der kleine Lindwurm zwischen Meppen, Haselünne und dem oldenburgischen Essen hin und her fahren wird.

Voller Vorfreude klettern die Passagiere in die Waggons. „Die Deutsche Bahn wäre froh, wenn ihre Züge auch so voll wären, wie dieser hier“, witzelt einer der Anwesenden. Das Ausfahrtsignal steht auf Grün, der Schaffner schwenkt die grüne Kelle, der Abfahrtspfiff ertönt – wie in der guten alten Zeit. Schnaufend setzt sich der Tross langsam in Bewegung. Das sanfte Hin-und-Her-Schaukeln stimmt gemütlich auf die kommenden Stunden ein, auf eine Landpartie mit einer historischen Kleinbahn. Gleich am ersten Betriebshalt sprinten zwei Hobby-Fotografen schwer bepackt mit Kameras und Stativen aus dem Zug, um einige Fotos von den alten Wägelchen zu machen. Trotz aller Gemütlichkeit, sie müssen sich beeilen. Fast wäre ihnen die Lok dann doch vor der Nase davongefahren.

„Haselünne – aussteigen bitte“, ruft der Stationsvorsteher auf dem Bahnsteig. Heute werden sogar zwei Güterwagen benötigt, um der Masse an Fahrrädern Herr zu werden. Diesmal fährt der Großteil der Ausflügler nur eine Etappe mit dem nostalgischen Dampfzug. Den Rückweg quer durch das Emsland treten die Pedalritter anschließend auf ihren Zweirädern an. Selbst in der 3. Klasse mit den Holzbänken sind kaum noch Plätze frei. Überall an jedem Halt herrscht dichtes Gedrängel der Ein- und Aussteigenden. Die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben sich die Dampflokfans vorne bei der Lokomotive, um rasch noch ein paar Erinnerungsfotos zu schießen. Blitzblank geputzt und auf Hochglanz poliert wartet der Stolz der Eisenbahnfreunde Hasetal auf seine Abfahrt. 1,6 Tonnen Kohle und 6 Kubikmeter Wasser hat die kleine dreiachsige Maschine für die 40 Kilometer bis ins Oldenburgische als Treibstoff geladen. Schnaufen und dampfen kann sie wie die Großen. Immerhin muss sie neun Waggons über die Schienen der „Meppen-Haselünner-Eisenbahn“ ziehen.

Im rasanten Blümchenpflücktempo geht es vorbei an leuchtend gelben Rapsfeldern. Eine Augenweide für die Fahrgäste, so lässt sich die Natur gerne genießen. Unterwegs begegnen den Passagieren wieder die beiden Fotografen von der Anreise nach Haselünne. Fast an jedem Bahnübergang das gleich Schauspiel: ein kurzer Sprint, rasch das Stativ aufgebaut, der Blick durch die Kamera, schnell das  Objektiv scharf gestellt und den Verschluss ausgelöst. Die urige Kleinbahnatmosphäre aus den Tagen der Großeltern will halt bei jedem Zwischenstopp eingefangen werden. Bis zum Endbahnhof werden sie treue Begleiter der Bimmelbahn sein.

Das Schnaufen und Zischen des Dampfrosses erschreckt auf den angrenzenden Weiden die dort grasenden Pferde und Kühe. Der ungewohnte Anblick des fauchenden Ungetüms schlägt sie in die Flucht. Ein ganz mutiger Hafermotor lässt sich zunächst von der Angst seiner Artgenossen nicht anstecken. Neugierige, gar trotzige Blicke treffen den vorbeiziehenden grünen Lindwurm auf den Gleisen – dann diese Unschlüssigkeit: soll ich oder soll ich nicht – tapfer keinen Meter weichen oder doch die Flucht ergreifen? Am Ende siegt dann doch der Herdentrieb.<

Nicht nur für die Reisenden ist die Bahnfahrt ein Erlebnis. Zahlreiche Foto- und Videofreunde warten schon in Quakenbrück auf die Einfahrt „ihres“ „Feurigen Elias“. Fast unbemerkt von den Wartenden fährt auf dem Nachbargleis gerade der Triebwagen der NordWestBahn nach Osnabrück ein – welch ein Kontrast!

Informationen

Regelmäßige Pendelfahrten zwischen Meppen, Haselünne, Essen (Oldenburg) und retour sind zwischen Mai und Oktober geplant. Als Geheimtipp gelten die Touren im Dezember, wenn die Grünkohlsaison ausgekostet wird. Wer will, kann Fahrräder, Bollerwagen oder Kinderwagen mitnehmen.

Informationen und Reservierungen:
Zweckverband Erholungsgebiet Hasetal,
Postfach 19, 49624 Löningen, Tel 05432 / 599 599, Fax. 05432 / 599 598,

Hasetal Touristik, Langenstraße 33, 49624 Löningen
Öffnungszeiten: Montag bis Freitag: 08:00 bis 17:00 Uhr
E-Mail info@hasetal.de, www.hasetal.de

Die Eisenbahnfreunde Hasetal sind im Internet unter www.eisenbahnfreunde-hasetal.net vertreten

Eisenbahnfans und Leckermäulern ist Haselünne nicht nur eisenbahnmäßig bekannt. Zahlreiche Kornbrennereien beweisen hier die Handwerkskunst Getreide in Hochprozentiges zu veredeln. Mit dem Titel „ältestes Brennerei von Haselünne“ wirbt Rosche (http://www.rosche.de). Der Berentzen Hof ist mit seiner Erlebnisgastromonie vertreten (http://www.berentzen-hof.de).

© Text und Fotos: Helge Holz

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