Ostfriesland im Maßstab 1:87

17. Januar 2012 | Von | Kategorie: Die Reportage, Niedersachsen

Das Leeraner Miniaturland präsentiert Ostfriesland auf drei Quadratkilometern

Wenn Ostfriesen Perfektion leben, dann aber richtig: Kaum ist der nördliche Teil des Leeraner Landkreises komplett aufgebaut, kommt schon der Ortsbürgermeister, stellt sich den Kameras und den Chronisten, nimmt die Schere und schneidet das rote Band für den erfolgreichen Abschluss des Bauabschnitts Leer und Rheiderland durch. Szenenapplaus für den Würdenträger und die Runde widmet sich nun den weiteren repräsentativen Aufgaben. Keine Frage, derartige Aufgaben gehören für einen Bürgermeister zweifelsohne zur Stellenbeschreibung. Aber für eine Modell-Stadt aus „Plastik“? 87 mal kleiner als in Natur? Natürlich! Schließlich haben Leeraner Modellbauer unzählige Stunden damit verbracht, aus profanen Kataloghäusern schmucke ostfriesische Wohnhäusern zu bauen, diese so in der Landschaft positioniert, dass eine gut 500 Quadratmeter große Fläche wie ihre Heimat aussieht, dass gleichermaßen Touristen wie Einheimische „ihr“ Ostfriesland in der Miniaturwelt wiedererkennen können. Halt alles nur einer Nummer kleiner, eben im H-Null-Maßstab.

Hafen von Greetsiel

Hafen von Greetsiel

Die Passagiere müssen sich noch etwas gedulden bis der Regionalexpress direkt an die Mole fahren kann, das Signal steht auf Halt. Eine Blockstelle weiter wartet ein ICE-Triebwagen auf seine Weiterfahrt. Lange dauert es nicht, dass der gen Süden fahrende Intercity den Bahnhof von Norddeich-Mole verlässt und den Bahnsteig frei gibt. Moment mal – ein ICE fährt bis an die ostfriesischen Küste und hält direkt am Fähranleger? „Na ja, hier siegte die künstlerische Freiheit“, berichtet Modellbauerin Hilke Stellamanns, grinst und gibt sich ganz lokalpatriotisch: „Uns gefällt’s“. Zumindest im Leeraner Miniaturland ist Ostfriesland auf diese Weise schon an das deutsche Netz der europäischen Hochgeschwindigkeitszüge angeschlossen.

Gemeinsam mit Modellbauern und Technikern feilte der Leeraner Unternehmer Wolfgang Teske seit 2009 an einem Konzept für eine Modelleisenbahnanlage, die sich ausschließlich mit der Region beschäftigt – Ostfriesische Inseln, die Krummhörn, Ostfriesland und Teile des Emsland. Über 3.100 Quadratkilometer Landschaft galt es im Maßstab 1:87 so detailgetreu wie nötig nachzubauen, um den friesischen Charme en miniature darstellen zu können. Mitte des letzten Jahres war es dann soweit, die ersten Züge konnten rollen. Es ist weniger die lupenreine Eisenbahn-Epoche, die zählt. Vielmehr sind es der norddeutsche Alltag, die touristischen Attraktionen vor und hinter dem Deich, die auf 520 Quadratmeter Fläche um die Aufmerksamkeit der großen wie kleinen Besucher buhlen.

Kurhotel auf Juist

Dementsprechend hoch waren die selbst gesteckten Ansprüche und Vorarbeiten. Nicht selten mussten die Modellbauer ihre Werkstatt verlassen, um direkt vor Ort mit den Menschen zu sprechen, wo sich nun ganz genau das Storchennest befindet; Kontakte zu heimischen Unternehmen wurden geknüpft, um Pläne für Fabrikgebäude und Produktionsabläufe zu bekommen. Allein dem VW-Werk in Emden widmen die Macher gut drei Quadratmeter Fläche. Hier können die Besucher sogar selbst Hand an legen. Per Knopfdruck können sie den Roboter starten, der das Chassis des Kombis „zusammenschweißt“.

Innenstadt Emden Am Ratsdelft

Innenstadt Emden – Am Ratsdelft

Die Tücke steckte in den Details. Während es die kleinen Wohngebäude oft von der Stange aus dem Katalog gab und noch gibt, standen die Modellbauer bei den Sehenswürdigkeiten ihrer Region vor einer ganz anderen Herausforderung. Von Grund auf mussten sie die Gebäude so realitätsgetreu wie möglich nachbauen. Oft halfen ihnen die Kontakte zu den Bauherren weiter. So präsentiert sich bereits heute das neue Gebäude der Leeraner Sparkasse auf der Anlage, übrigens nach Originalplänen in der eigenen Werkstatt nachgebaut – allerdings ohne die sicherheitsrelevanten Daten, verrät Hilke Stellamanns. Was besonders auffällt sind die Massen an Menschen im H0-Größe. Egal ob im Greetsieler Hafen oder bei den Störtebeker-Festspielen in Marienhafe, unzählige Figuren beleben die Flächen. Wie viele Personen aus Kunststoff ganz genau sich auf der Anlage befinden ist ungewiss, und lässt sich nur erahnen. „Wir haben aber den größtmöglichen Mengenrabatt beim Hersteller für unseren Auftrag bekommen“, gesteht Daniel Völker, der sich um die betriebswirtschaftlichen Dinge kümmert.

Eher unscheinbar zeigt sich die evangelische Kirche in Suurhusen-Marienwehr, ebenfalls eine Eigenkonstruktion. Dieses Gebäude befindet sich in keinem Katalog der Zubehörindustrie, eher ist es im Guinessbuch der Rekorde zu finden: Der Kirchturm der kleinen Gemeinde nahe Emden ist schiefer als der bekannte Turm in Pisa.

Dünenexpress auf Borkum

Bereits zwei weitere Bauabschnitte warten auf ihre Entstehung. Direkt vor den Augen der Besucher wird in wenigen Wochen die Stadt Leer entstehen, etwas weiter südlich dann Papenburg samt Meyerwerft. Wenn es so weit ist, braucht sich dann niemand mehr bei Wind und Wetter an die Ems zu stellen, um hautnah mitzuerleben wie sich ein Luxusliner auf seiner Jungfernfahrt über die Ems schlängelt, um sich dann im rheiderländischen Weener zwischen den engen Portalen der Eisenbahnbrücke hindurchzuzwängen. Bereits heute tüfteln die Techniker an der Umsetzung dieser besonderen Schifffahrt über die Ems. Und wenn diese Abschnitte erfolgreich abgeschlossen sind? „Ostfriesland ist groß, und vor der Halle ist ja noch eine große Freifläche…“, verrät Daniel Völker.

Informationen

Leeraner Miniaturland
Konrad-Zuse-Straße 1
26789 Leer
Tel. 0491 4 54 15-40
Fax 0491 4 54 15-44
mail: info@leeraner-miniaturland.de
Internet: www.leeraner-miniaturland.de

Öffnungszeiten
März bis Oktober: 10.00 bis 17.00 Uhr
November bis Februar: 10.30 bis 16.00 Uhr

Für Gruppen ab 50 Personen wird um eine Voranmeldung gebeten.

Eintrittspreise
Kinder bis 5 J.: Eintritt frei
Kinder und Jugendliche bis 14 J.: 4,0 Euro
Erwachsene: 9,0 Euro
Familienkarte (zwei Erwachsene, ein Kind): 18 Euro

Wer jetzt Appetit auf die Küstenregion bekommen hat, der findet auf dieser Seite www.kulturportalweserems.de spannende Tipps.

Nützliche Adressen:

Ostfriesland Touristik – Landkreis Aurich GmbH
Rheinstraße 13
26506 Norden
Tel. 04931 9 38 32 00
Fax 04931 9 38 32 19
E-Mail: info@ostfriesland-meer-erleben.de
Internet: www.ostfriesland-meer-erleben.de

Ostfriesland Tourismus GmbH
Ledastr. 10
26789 Leer
Tel. 0491 91 96 96 60
Fax 0491 91 96 96 65
E-Mail: urlaub@ostfriesland.de
http://twitter.com/Ostfriesland_TG
Internet: www.ostfriesland.de

Friesland-Touristik Gemeinschaft
Bahnhofsplatz 1
26382 Wilhelmshaven
Tel. 04421 9 13 00 17
Fax 04421 9 13 00 10
E-Mail: touristik@friesland.de
Internet: www.friesland-touristik.de

© Text und Fotos: Helge Holz

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