Radwandern auf den Spuren der Müller

28. März 2011 | Von | Kategorie: Die Reportage, Niedersachsen

Auf Mühlentour durch Ostfriesland

Das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust. Zahlreiche Radwanderer haben Ostfriesland für sich entdeckt. Neben der bekannten Friesenroute „Rad up Pad“ lädt auch die „Ostfriesische Mühlentour“ ein, das „platte Land“ zwischen Ems und Nordsee-Küste mit dem Drahtesel zu erobern. Während sich die Friesenroute als Erlebnistour für die ganze Familie durch die malerischen Moor-, Geest- und Küstenlandschaften versteht, widmet sich eine die andere Themenfahrt den schmucken Windmühlen, den Windenergieparks und den zahlreichen Superlativen in der Region.

Im Uhrzeigersinn geht es von Emden aus auf den 250 Kilometer langen „Möhlenpad“ in Richtung Westen. Erstes Etappenziel ist die Gemeinde Krummhörn. Ein über 1.000 Jahre altes Runddorf, eine gotische Einraumkirche aus dem 13. Jahrhundert und das Landwirtschaftsmuseum dokumentieren den Pedaleuren eindrucksvoll das Leben in früheren Tagen. Nicht nur den Seefahrern bietet dabei der Campener Leuchtturm einen wichtigen Orientierungspunkt. Wer die 308 Stufen auf die Plattform nicht scheut, wird mit einem schönen Panoramablick über das Wattenmeer und die Krummhörn belohnt.

Schon wenige Kilometer weiter auf dem Weg wartet der Klassiker der Route schlechthin. Hier in Greetsiel bieten der malerische Hafen und die Zwillingsmühlen ideale Motive für das Fotoalbum. Während in der einen Mühle noch heute Futterschrot gemahlen wird, dient die andere als Galerie und Teestube.

Das Brookmerland steht ganz im Zeichen von Klaus Störtebecker, der vor 600 Jahren hier mit seinen „Likedeelern“ sein Domizil aufgeschlagen hatte. Sagenumwoben ist dabei vor allem die Marienkirche mit ihrem mächtigen Turm in Marienhave. In diesem historischen Gemäuer bewahrten einst die Seeräuber und Schmuggler ihre Schätze. Heute dient das Gotteshaus friedlicheren Zwecken. Berühmt ist die Kirche für ihre Orgel von 1713 und dem Taufbecken aus dem 13. Jahrhundert. Der Störtebeker-Turm indes, verspricht eine grandiose Aussicht über die weite Landschaft.

Genau auf halben Weg zwischen Norden und Hage liegt das Schloss Lütetsburg. Sein weitläufiger Park wurde nach dem Vorbild englischer Gärten angelegt und lädt zum Verweilen ein. Mit seinen 30,20 Metern ist der fünfstöckige Galerieholländer in Hage die höchste Mühle in Ostfriesland. Auch die Herrlichkeit Dornum kann mit einem Superlativ aufwarten. Ihre Bockwindmühle stammt aus dem Jahre 1626 und ist heute die einzige, erhaltene, voll funktionsfähige Ständerwindmühle in Ostfriesland. Naturfreunde kommen auf der folgenden Etappe von Esens nach Aurich auf ihre Kosten. Hier führt die Strecke durch Moor- und Geestlandschaften. Wer vor einem kleinen Umweg nicht zurückschreckt, legt eine Stippvisite im „Moormuseum Moordorf“ ein, das westlich von Aurich im Südbrookmerland liegt.

Kurz vor dem Ziel, in Riepe, befindet sich eine der kleinsten Mühlen Deutschlands. Gerade einmal 13,80 Meter misst die „Wrantepotter Dreschmühle“.

Nach dem kurzen Plausch geht es weiter Richtung Aurich –  zunächst entlang der Fehnkanäle. Früher wurde über diese Wasserstraßen der Torf transportiert. Das Moor ist immer noch allgegenwärtig: Verewigt in zahlreichen Ortsnamen. „Die Endsilbe fehn ist das niederdeutsche Wort für Moor“, lässt der Reiseführer wissen. Hier und da sind noch winzige Schleusen an den Fehnkanälen vorhanden. Auf den letzten Kilometern bis Aurich ist der „große Bruder“ der Fehnkanäle, der Ems-Jade-Kanal, der Begleiter.

Trotz ihrer fünf Stockwerke ist die „Stiftsmühle“ im Stadtzentrum beileibe nicht die größte Mühle in der Umgebung. Ihre 28,70 Meter Höhe reichen „nur“ für den zweite Platz in der Rangfolge. Das Gebäude beherbergt heute ein Museum und weiht in die Geheimnisse des Mehlmahlens ein. Wer nach der Führung durch den Galerieholländer vom Mehlstaub eine trockene Kehle bekommen hat, kann hinterher ins ehemalige Müllerhaus einkehren und bei Kluntje und Wulkje eine echte Tasse Ostfriesentee genießen.

Der Weg durch die Geest- und Moorlandschaft zur Küste führt vorbei an einem „Mühlenzwerg“, der kleinsten Erdholländermühle Niedersachsens. Nach der imposanten Höhe der Stiftsmühle erscheinen die sieben Meter geradezu winzig. 1867 wurde die Mühle in Buttforde gebaut und in den 20er Jahren dort abgebaut, um im Auricher Stadtteil Tannenhausen wieder aufgebaut zu werden.

„Hört doch einmal einen Augenblick auf Euch miteinander zu unterhalten, ich will jetzt ein Foto machen“, schnell versucht die Frau ihre Kegelschwestern auf den Chip zu bannen bevor die Unterhaltung weiter geht. Der Pausenplatz verleitet geradezu, ein Erinnerungsfoto zu schießen: im Vordergrund der schmale Fehnkanal, im Hintergrund erhebt sich majestätisch die Windmühle in Ostgroßefehn. Der reet-gedeckte, zweistöckige Galerieholländer von 1804 ist auch heute noch voll funktionsfähig. Inzwischen wird aber kein Buchweizen mehr zu Mehl gemahlen. Vollgestopft mit Elektronik dient die Mühle jetzt der Stromerzeugung. Stilecht auf einem alten Kanalschiff lässt es sich nebenan im Mühlenhof gut gehen, ostfriesische Spezialitäten genießen und sich von den Strapazen dieser Rad-Etappe ausruhen.

Zwei Kilometer weiter südlich, in Spetzerfehn, können nicht nur nostalgisch angehauchte Radtouristen einem Müller über die Schulter schauen. In der Mühle Steenblock wird noch auf althergebrachte Weise per Windkraft gemahlen. Nichts für hektische Gemüter: Geruhsam dreht die kleine Windrose die Mühlenkappe in den Wind. Mit einen Knarren und Ächzen setzten sich die riesigen Flügel langsam in Bewegung, um die schweren Mühlsteine anzutreiben. „Moin“ ertönt es überall längs der schnurgeraden Fehnkanäle. Beim Gruß wird kein Unterschied gemacht ob Einheimischer oder Fremder. Wer sich auf die Freundlichkeit einlässt, wird nicht selten mit einem netten Plausch belohnt. Oftmals der Beginn einer willkommenen Unterbrechung der Tour.

Informationen:
Start- und Zielpunkt der ostfriesischen Mühlentour ist das niedersächsische Emden. Per Bahn oder per Auto (BAB 31) ist Emden gut zu erreichen.

Übernachtungsmöglichkeiten finden sich unterwegs in Jugendherbergen und auf zahlreichen Campingplätzen.

Zahlreiche Tourismus-Verbände bieten Pauschalangebote an, um bequem die 250 Kilometer lange Mühlenroute kennen zu lernen.

Einer der Anbieter ist die Ostfriesland Touristik – Landkreis Aurich GmbH (Rheinstraße 13, 26506 Norden). Das Büro ist montags bis freitags von 8 – 20 Uhr sowie samstags und sonntags von 10 – 18 Uhr geöffnet, Telefon: 04931 / 9 38 32 00, Email: pauschale@ostfriesland-meer-erleben.de, Internet: www.ostfriesland-meer-erleben.de

Gleichfalls eine gute Anlaufstelle ist der Verkehrsverein Aurich, Norderstraße 32, 26603 Aurich, Tel. 04941 / 44 64, Fax. 1 06 55; die Öffnungszeiten: montags bis freitags von 8.00 Uhr bis 18.00 Uhr und samstags von 9.00 Uhr bis 13.00 Uhr. Internet: www.aurich-tourismus.de

© Text und Fotos: Helge Holz


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