Rund um den Brocken

8. Oktober 2013 | Von | Kategorie: Die Reportage, Niedersachsen, Nordd. Tiefland

Eine Harzwanderung durch Nieder-Sachsen-Anhalt

Hochbetrieb auf dem Brocken

„Auf dem Brocken 5 Grad und gute Fernsicht“, lautet die Wettervorhersage. Mit dieser Prognose starten wir zur ersten Etappe von insgesamt 90 Kilometern. In fünf Tagen wollen wir den Brocken umrunden – von Wernigerode in Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen und zurück. Vor der Natur kommt die Kultur. Auf dem Agnesberg thront das Schloss Wernigerode. Es entstand im 12. Jahrhundert als romanische Burganlage. Im Laufe der Jahrhunderte erfolgten verschiedene Umbauten im gotischen und barocken Stil. Das heutige Aussehen wurde Mitte des 19. Jahrhunderts durch Graf Otto zu Stolberg-Wernigerode, dem Stellvertreter Otto von Bismarcks, geprägt. Auf dem Weg zum Wernigeroder Marktplatz passieren wir das Museum „kleinstes Haus“ in der Kochstraße, einer ehemaligen Handwerkergasse. Das Gebäude ist knapp drei Meter breit, das größte Zimmer zehn Quadratmeter groß. Zwischen Rathaus und Fachwerkhäusern klicken immer noch die Kameras der Tagestouristen als uns längst der schattige Buchenwald des Ilsetals verschlungen hat. Am Eckerstausee gelangen wir von Sachsen-Anhalt nach Niedersachsen. Bis 1989 bildete die Stauseemauer einen Teil der innerdeutschen Grenze. Wer einen Wellness-Tag einlegen möchte, der hat im Kurort Bad Harzburg ausreichend Gelegenheit. Lohnend ist auch ein Ausflug ins zehn Kilometer entfernte Goslar. Es ist nicht nur wegen der Anfang des 11. Jahrhunderts durch Heinrich III. errichteten Kaiserpfalz sehenswert. Im Zentrum reiht sich ein mit Schiefer beschlagenes Haus ans andere. „Früher wurde die Wetterseite der Häuser mit Schiefer verkleidet, um das Fachwerk vor Verfall und Funkenflug zu schützen“, erzählt Stadtführerin Angelika Blankenstein.

Schieferhäuser in Goslar

Am nächsten Morgen steigen wir von Bad Harzburg aus wieder bergauf. Das Rauschen der Laubbäume übertönt fast das Plätschern des Baches tief unten im Tal. Die Anstrengung lohnt sich. In der Nähe des Gasthauses „Käste“ tauchen bizarr geformte Granitblöcke namens Kästeklippen, Hexenküche und Mausefalle vor uns auf. Über Felsblöcke und Geröll geht es abwärts zum Romkerhaller Wasserfall und schließlich entlang der Okertalsperre nach Schulenberg. Der ursprüngliche Ort wurde zwischen 1952 und 1954 abgerissen, das Tal überflutet und das Dorf an heutiger Stelle neu aufgebaut. Vorbei an Seen und blühenden Wiesen erreichen wir die Bergstadt Clausthal-Zellerfeld. Holzbeschlagene, bunt gestrichene Bergarbeiterhäuser säumen die Straßen. „Die über sechzig künstlich angelegten Seen und Teiche in der Region dienten früher den Bergwerken zur Wasserversorgung. Heute sind die meisten von ihnen Badeseen“, erklärt Museumsführer Ulf Dreymann im Oberharzer Heimat- und Bergwerksmuseum von 1892: „Auch Fichten, die bereits ab 300 Höhenmetern wachsen, sind Kulturanbau. Wegen des riesigen Hartholzbedarfs in den Stollen wurden ehemalige Buchenwälder mit schnellwachsenden Fichten aufgeforstet. Ursprünglich wuchsen sie erst in 800 Metern Höhe.“

eine Mausefalle aus Granit

Wir folgen dem Museumsführer ins Schaubergwerk. Seine Grubenlampe, der Harzer Frosch, bringt kaum Licht in die Dunkelheit. „Bis 1930 wurde in Clausthal-Zellerfeld  silberhaltiges Erz abgebaut“, berichtet Dreymann: „Seit dem sind Fördereinrichtungen und Anlagen aus umliegender Gruben zusammengetragen und im Museum wieder aufgebaut.“ Lebensgroße Puppen in Bergmannskleidung mit „Arschleder“ stellen verschiedene Arbeitssituationen dar.

Auch dem berühmtesten Einwohner Clausthals, Robert Koch, dem Nobelpreisträger für Medizin, ist im Museum ein Raum gewidmet. Im Ortsteil Clausthal steht am Rande der Fußgängerzone die größte Holzkirche Deutschlands: die barocke Marktkirche zum Heiligen Geist von 1642.

Wanderung entlang der kalten Bode

Die vorletzte Etappe beginnen wir in Torfhaus. Genau wie Johann Wolfgang von Goethe im Jahre 1777. Heute ist der Weg nach ihm als Goetheweg benannt. Zunächst wandern wir durch dichte Fichtenwälder. Dann beginnt der Bohlensteg durchs „Große Torfhaus- oder Radauer Born-Moor“. Es ist das großflächig älteste Moor des Harzes. Über den Baumwipfeln zeigt sich der Brocken noch leicht verschleiert in sieben Kilometern Entfernung. Der Baumwuchs wird spärlicher. Der Goetheweg verläuft jetzt parallel zum Gleisbett der Brockenbahn. Nach zweistündigem Aufstieg kommt uns etwas entgegen, das noch mehr schnauft als wir: ein qualmendes, schwarzes Dampfross der Harzer Schmalspurbahnen. In sieben roten Waggons hat es Turnschuh- und Sandalentouristen zur Rushhour auf den 1.142 Meter hohen Brocken gebracht. Sie haben die bequemere Variante gewählt, um den 2,5 Kilometer langen Brockenrundweg zu bewältigen, das Brockenhaus mit Ausstellungen zur Natur und Geschichte des Berges zu besichtigen oder einfach nur beim Brockenwirt einzukehren.

Ein steiler Abstieg über Felsblöcke liegt vor uns. Die letzte Etappe vom 600 Meter hoch gelegenen Schierke zurück nach Wernigerode hat es noch einmal in sich. Von daher kommt eine Stärkung mit Erbsensuppe aus Kukkis Goulaschkanone am Schmalspurbahnhof Drei-Annen-Hohne gerade recht. Über eine breite Forststraße kommen wir unserem Ausgangspunkt näher. Das Schloss Wenigerode auf dem Agnesberg weist uns den Weg.

Informationen über Wandertouren durch den Harz

Wernigerode Tourismus GmbH
Marktplatz 10
38855 Wernigerode
Tel.: 03943 537835
Fax: 03943 5537899
E-Mail: info@wernigerode-tourismus.de
www.wernigerode-tourismus.de

oder

„Wandern im Harz“
Sieben Linden 25
38640 Goslar
Tel.: 05321 6896600
Fax: 05321 6896601
E-Mail:
info@wandern-im-harz.de
www.wandern-im-harz.de

Besichtigungen

Schloss Wernigerode
Am Schloss 1, 38855 Wernigerode
Tel. 03943 553030
www.schloss-wernigerode.de
Öffnungszeiten:

Mai bis Oktober: täglich 10:00 – 18:00 Uhr
November – April: Dienstag – Freitag 10:00 – 17:00 Uhr, Sonnabend, Sonntag und an Feiertagen 10:00 – 18:00 Uhr

Oberharzer Bergwerksmuseum
Bornhardtstr. 16
38678 Clausthal-Zellerfeld
Tel.: 05323-9895-0
www.oberharzerbergwerksmuseum.de
Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 17 Uhr (außer am 24.12.)

Infos zu Fahrten mit den Harzer Schmalspurbahnen unter www.hsb-wr.de.
Harzer Schmalspurbahnen GmbH
Friedrichstraße 151
38855 Wernigerode
Tel. 03943 558-0
Fax 03943 558-112
E-Mail:info@hsb-wr.de

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