Starke Frauen – von der Geschichtsschreibung übersehen

4. Februar 2014 | Von | Kategorie: Niedersachsen

Die starken, emanzipierten Frauen der Sieben Schlösser und Hamelns

Auch wenn die Geschichtsbücher sie bis heute zumeist verschweigen – ohne sie stünde heute kein Stein mehr auf dem anderen, die Kunst hätte nicht den Stellenwert, den sie hat, und die Familien hätten die Zeiten ohne sie nicht überdauert: die Frauen der Sieben Schlösser und Hamelns.

Anna von Klencke rettete Schloss Hämelschenburg vor der Plünderung und Zerstörung durch die Armeen von Feldherr Tilly. Prinzessin Emma zu Waldeck-Pyrmont wurde als Königin der Niederlande zur Wegbereiterin einer modernen Monarchie. Glückel Hameln war nicht nur erfolgreiche Geschäftsfrau, sondern hinterließ als erste deutsche Frau eine ausführliche Autobiografie. Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel gründete den Vorläufer der heutigen Technischen Universität Braunschweig und ist in einem Fürstenberger Porzellan verewigt. Königin Elisabeth Christine von Preußen aus Bevern kümmerte sich mit großem Einsatz um Bedürftige und Arme. Königin Marie von Hannover war auf Schloss Marienburg und im Exil eine große Mäzenin der Kunst. Und Juliane Fürstin von Hessen-Philippsthal reformierte die Landwirtschaft und das Gesundheitswesen in Bückeburg.

Anna von Klencke – Eine einzelne Frau gegen Tillys Armeen – Die Rettung von Schloss Hämelschenburg vor dem Feind

Anna von Klencke, geb. von Holle (1567–1630)

Anna von Klencke © Schloss Hämelschenburg

Sie war 20 Jahre alt, als sie den Herrn von Hämelschenburg, Georg von Klencke, heiratete. Anna von Holle, geboren 1567, wuchs als Halbwaise bei ihrem Onkel Eberhard von Holle, dem Bischof von Lübeck und Verden auf. Er liebte sie innig und ließ ihr nicht nur eine christliche, sondern auch eine fundierte humanistische Bildung zuteil werden.

Nach der Hochzeit begann das junge Paar mit dem Bau des reich ornamentierten Schlosses Hämelschenburg. Als ihr Mann 1599 zum Stadthalter von Blankenburg im Harz ernannt wurde, oblag Anna von Klencke die Fortführung der Bautätigkeiten. Unter ihrer Ägide wurde dem Schloss ein Gericht, eine Bibliothek, zwei Wirtschaftshöfe, ein Lustgarten sowie eine Befestigungsanlage hinzugefügt.

Anna von Klencke brachte vierzehn Kinder zur Welt. Zwölf von ihnen waren noch unmündig, als Georg von Klencke 1609 starb. Seine Witwe musste sich fortan nicht nur um die Erziehung und das Wohlbefinden ihrer Kinder kümmern und sogar mit Hilfe des Kaisers einen ihrer Söhne aus den Fängen der römischen Inquisition befreien, sondern auch die Bauarbeiten am Schloss fertigstellen und den großen Betrieb verwalten.

Als 1623, während des 30-jährigen Krieges, die Armeen des Feldherrn Tilly zu Plünderungen anrückten, setzte Anna von Klencke sich kurzentschlossen aufs Pferd und ritt Tilly entgegen. Auf keinen Fall würde sie sich das unter vielen Entbehrungen Aufgebaute zerstören und plündern lassen. Wie es ihr tatsächlich gelang, weiß man nicht, doch Anna von Klencke schaffte das Unmögliche: ein Schutzvertrag, den sie mit Tilly aushandelte, verbot es seinen Soldaten unter Androhung der Todesstrafe, das Schloss und die Ländereien zu betreten. Hämelschenburg wurde einzig dank der ungewöhnlichen Courage Anna von Klenckes gerettet.

Kurz vor ihrem Tod verfügte sie, dass jedes Jahr an ihrem Todestag den Witwen der einstigen Gutsarbeiter eine Rente gezahlt wird – eine Tradition, die bis heute fortgeführt wird.

 

Königin Emma der Niederlande – Wegbereiterin einer modernen Monarchie –  Von der jugendlichen Braut aus Pyrmont zur beliebten Königin-Mutter

Königin Emma der Niederlande, geb. Prinzessin zu Waldeck-Pyrmont (1858-1934)

Königin Emma der Niederlande © Museum im Schloss Bad Pyrmont

Zur ersten Begegnung der Ururgroßeltern des heutigen niederländischen Königs Willem-Alexander auf Schloss Pyrmont ist überliefert, dass eine der beiden Schwestern Emmas gesagt haben soll: „Der ist mir zu alt, den will ich nicht.“ Doch Emma selbst soll gesagt haben: „Man kann den armen Mann doch nicht ganz alleine nach Hause gehen lassen!“ Und so kam es, dass die erst 20-jährige Emma zu Waldeck und Pyrmont 1879 den 61-jährigen, verwitweten niederländischen König Willem III. heiratete. Der niederländische Graf Dumonceau bezeichnete die Familie Emmas als „die sympathischste fürstliche Familie, die man je gesehen hat.“ Von Prinzessin Emma sagte er, dass ihr mädchenhaftes Gesicht Klugheit und große Güte ausstrahlte.

Die junge Frau folgte ihrem Mann in das Königreich der Niederlande. 1880 gebar sie eine Tochter, Wilhelmina, die ihrem Vater auf dem Thron folgen sollte, nachdem ihre drei Halbbrüder noch zu Lebzeiten ihres Vaters starben. Als Willem III. 1890 im Alter von 73 Jahren schwer erkrankte, übernahm Königin Emma während seiner letzten Lebenstage die Regentschaft. Zehn Jahre lang, bis zur Volljährigkeit der Kronprinzessin Wilhelmina, führte Königin Emma die Regierungsgeschäfte der Niederlande. Eine Verfassungsreform hatte die Macht des Königshauses bereits zu Willems Lebzeiten eingeschränkt. Anders als ihr verstorbener Gatte stand Königin Emma jedoch der konstitutionellen Monarchie aufgeschlossen gegenüber. So förderte sie die Bestrebungen, dem Parlament mehr Macht einzuräumen und die Monarchie zu erneuern. Auf diese Weise wurde sie zur Wegbereiterin der modernen Niederlande, und das niederländische Königshaus steht dem Schloss Pyrmont bis heute sehr nahe.

 

Glückel Hameln – erfolgreiche Geschäftsfrau und erste Autobiografin Deutschlands – Als Jüdin in Hameln geächtet, als Händlerin europaweit erfolgreich und doch in Armut gestorben

Glückel Hameln, geb. Pinkerle (1645 oder 1646-1724)

Glückel Hameln, geb. Pinkerle @ Fotograf unbekannt

Hätte sie ihr Leben nicht in sieben Büchern niedergeschrieben, wir wüssten nichts über das Schicksal der Glückel Hameln geb. Pinkerle. Mit nicht einmal zwölf Jahren wurde die Tochter eines Hamburger Diamantenhändlers mit Chajim Hameln verlobt, dem Sohn eines der lediglich zwei Juden, denen es erlaubt war, in der Stadt Hameln zu leben. Mit vierzehn heirateten die beiden, und Glückel zog zur Familie ihres Mannes nach Hameln. Sie war unglücklich dort, beschrieb die Stadt später als einen „lumpigem, unlustigen Ort“. Doch in der Familie ihres Mannes fühlte sie sich aufgehoben und äußerst wohl. Die Frömmigkeit ihrer Schwiegereltern beeindruckte und beeinflusste sie sehr. Bei allem Unbill, der kam, fand sie immer festen Halt in ihrem Glauben.

Und Unbill sollte kommen. Nach einem Jahr zog das junge Ehepaar nach Hamburg, auch wenn das Leben und Arbeiten für Juden dort nicht viel einfacher war. Doch immerhin war die jüdische Gemeinde erheblich größer als in Hameln.

Chajim Hameln baute mit Hilfe seiner Frau Glückel einen gut gehenden Handel, zunächst mit Edelsteinen, dann mit Gold auf. Vierzehn Kinder hatten die beiden und führten eine glückliche Ehe. Als Chajim 1689 plötzlich starb, musste Glückel selbst für die acht unmündigen ihrer zwölf überlebenden Kinder sorgen. Sie beschloss, das Geschäft allein weiterzuführen. Ihr Angebot bestand aus Juwelen und Gold, aber auch aus Tuchwaren. Sie gründete gar eine Strumpfwarenmanufaktur und führte erfolgreich Handel von Hamburg über Berlin und Amsterdam bis hin nach Paris. Doch ihr zweiter Ehemann ging bankrott und Glückel starb mittellos im Haus ihrer Tochter.

Mit 45 Jahren hatte Glückel begonnen, ihre Erinnerungen aufzuschreiben, damit ihre Kinder wussten, aus welcher Familie sie stammten. Es ist die erste ausführliche Autobiografie einer Frau, die die Zeit überdauert hat. Sie schildert darin das Leben des 17. Jahrhunderts zwischen Verfolgung, Ächtung, Reichtum und Pest auf besonders eindrückliche Weise.

 

Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel – Königstochter und Universitätsgründerin – Wie die Klugheit einer jungen Frau in Braunschweig und auf Fürstenberg bis heute Folgen hat

Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel, geb. Prinzessin von Preußen (1716-1801)

Herzogin Philippine Charlotte von Braunschweig-Wolfenbüttel © Braunschweigisches Landesmuseum

Prinzessin Philippine Charlotte, Tochter des preußischen Königs Friedrich Wilhelm I. und Lieblingsschwester des Alten Fritz wurde in Potsdam einer harten preußischen Erziehung unterzogen. Einen Ausgleich fand das fröhliche, lebenslustige Mädchen in ihrem Glauben und in der Kunst. Sie liebte die Musik, und sie widmete sich später aktiv der Malerei, um ihren Vater zu beeindrucken. Mit vierzehn Jahren verlobte sie sich und heiratete 1733 den Prinzen Carl I. von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern. Nur zwei Jahre später wurde ihr Mann mit gerade einmal 22 Jahren regierender Herzog. Ihm kam die preußische Bildung und große Herzenswärme seiner wenn auch noch sehr jungen Frau zugute, die ihn in vielen Dingen klug beriet. Lottine, wie die Prinzessin genannt wurde, bekam dreizehn Kinder, doch vier von ihnen starben schon früh – ein Verlust, den Lottine nur schwer verwand.

Sie widmete sich zeitlebens den Künsten, von der Literatur bis hin zu Musik und Theater. Als sie den protestantischen Theologen Johann Friedrich Wilhelm Jerusalem im Jahr 1744 kennenlernte, inspirierte sie diese Begegnung zu der Gründung eines neuen, selbstständigen Bildungsinstitutes. Nur ein Jahr später wurde mit ihrer Hilfe das Collegium Carolinum eröffnet, das schließlich zur heutigen Technischen Universität Braunschweig wurde. Das Collegium und die dahin berufenen Lehrenden trugen dazu bei, dass das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel eine Zeit lang zu einem intellektuellen Zentrum der Aufklärung in Deutschland wurde.

Der Weserdistrict, der heutige Landkreis Holzminden, war zu Lottines Zeit ein sehr strukturschwacher Raum. Ihr Gemahl gründete deshalb 1747 die Porzellanmanufaktur Fürstenberg. Das blaue Blumendekor, das die Herzogin allen anderen vorgezogen haben soll, trägt bis heute ihren Namen (Lottine) und erinnert damit an eine außergewöhnlich kluge und kunstinteressierte Frau.

 

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern – Königin von Preußen – Die „notwendigste Person für den Staat, für die Armen und für mich“

Elisabeth Christine Königin von Preußen, geb. von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern (1715-1797)

Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern, spätere Königin von Preußen © Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg / Roland Handrick

Er wird bis heute gefeiert und verehrt, der „Alte Fritz“ – seine Frau hingegen, die Königin von Preußen, übersieht die Öffentlichkeit genauso wie es damals schon ihr Gatte häufig tat. Elisabeth Christine von Braunschweig-Wolfenbüttel-Bevern war kein leichtes Los beschieden. Aufgewachsen in sehr harmonischen Familienverhältnissen unter anderem auf Schloss Bevern, kannte sie es gar nicht anders, als dass sie genauso behandelt wurde wie ihre beiden Brüder Carl und Anton Ulrich. Doch dann wurde sie mit 17 Jahren auf Wunsch des preußischen Königs Friedrich Wilhelms I. mit seinem Sohn Friedrich vermählt. Friedrich, der so klug, so musisch hoch begabt und interessiert war, war zugleich durch die militärisch-preußische Erziehung seines tyrannischen Vaters stark geprägt. Mit der auferzwungenen, ungeliebten Ehefrau konnte er wenig anfangen. Am preußischen Hof hatte sie einen schweren Stand, sogar der persönliche Kontakt zu ihrer eigenen Familie wurde ihr durch Friedrich untersagt. Einzig Briefe durfte sie ihnen schreiben. Die Ehe der beiden blieb kinderlos.

Die Königin wandte sich den Künsten zu. In der ihr zugewiesenen Sommer-residenz Schloss Schönhausen trug sie eine beachtliche Bibliothek zusammen. Sie verfasste einige Schriften in französischer Sprache, übersetzte, malte und widmete sich der Musik, der Handarbeit und der Pflege des Gartens.

Doch was ihr ein Gedenken über ihren Tod hinaus sicherte, war ihre Arbeit für Bedürftige und für wohltätige Zwecke. Ihr Gatte schien dies immerhin zu würdigen, als er seinen Leibarzt einmal zu ihr beorderte mit den Worten, dass es sich bei Elisabeth Christine um „die teuerste und notwendigste Person für den Staat, für die Armen und für mich“ handele. Dennoch ließ er sie einzig zeremonielle Pflichten in der Öffentlichkeit wahrnehmen und schloss sie ansonsten vom preußischen Hofe aus. Nach seinem Tod übergab sie ihre Pflichten als Regentin an ihre Nachfolgerin, Königin Friederike Luise, nahm jedoch auch weiterhin öffentliche Aufgaben wahr. König Friedrich Wilhelm II pflegte ein enges Verhältnis zu ihr.

 

Marie von Sachsen-Altenburg – die letzte Königin von Hannover als Mäzenin der Kunst- Von der Gründung der Henrietten-Stiftung und vom Leben abseits der Hofschranzen auf Schloss Marienburg

Königin Marie von Hannover, geb. von Sachsen-Altenburg (1818-1907)

Königin Marie von Hannover © Schloss Marienburg

Es kam nicht häufig vor, dass europäische Königspaare repräsentative Veranstaltungen mieden und dadurch gesellschaftliche Isolation, ja, sogar politische Nachteile in Kauf nahmen, um ein bescheidenes Leben, angereichert durch Kunst und Kultur, zu führen. Doch der letzte König von Hannover, Georg V., und seine Frau Marie taten genau dies.

Marie von Sachsen-Altenburg wuchs in Thüringen in einem der kleinsten Herzogtümer Deutschlands als älteste von sechs Schwestern auf. Noch während ihrer Jugend starben zwei ihrer Schwestern. Mit 21 Jahren lernte sie schließlich auf der Nordseeinsel Norderney den Kronprinzen Georg von Hannover kennen und lieben.

Ihre Hochzeit im Jahr 1843 wurde recht prunkvoll über fünf volle Tage lang gefeiert. Nach den Festlichkeiten folgte der Umzug nach Hannover, wo nicht nur die drei Kinder zur Welt kamen. Georg und Marie machten hier auch sehr zum Missfallen des Königs und der Hofschranzen aus ihrer gegenseitigen Zuneigung kein Hehl. Ihnen lag das höfische Protokoll wenig, Kronprinzessin Marie stillte gar ihre Kinder selbst, anstatt sie einer Amme zu übergeben. Das Volk liebte die beiden jedoch und war beglückt von ihrer Bürgernähe. Besonders Maries großzügiges Engagement für wohltätige Zwecke wurde hoch geachtet. Mit dem Erbe ihrer Großmutter Henriette von Württemberg gründete sie schließlich 1860 die hannoversche Henrietten-Stiftung, die bis heute besteht.

Ihre Wohltätigkeit dehnte Marie auch auf die Künste aus. Sie und ihr Mann luden jede Woche zu Konzerten ins Schloss Herrenhausen, und Hannover wurde zu einem Zentrum musikalischen Lebens in Deutschland. Die Kronprinzessin, selbst mit einer tiefen Altstimme gesegnet, unterstützte diverse Künstlerinnen finanziell, insbesondere die Sopranistin Asminde Ubrich aus Hildesheim.

Als Georg nach dem Tode seines Vaters König von Hannover wurde, setzten die beiden ihr Engagement für die Künste weiter fort. Dies gipfelte zunächst in dem Bau des Schlosses Marienburg, auf dem es in der kurzen Zeit, die sie es bewohnen konnten, zahlreiche Konzerte und andere Kunst gab. Als König Georg die eindringliche Bitte seiner Frau überhörte, zugunsten des Sohnes abzudanken, um den Thron nicht an Preußen zu verlieren, musste die Familie ins Exil gehen.

Im österreichischen Gmunden schließlich blieben sie ihrer Liebe zur Musik treu und begrüßten in den wesentlich bescheideneren Verhältnissen noch immer Künstler wie den Geigenvirtuosen Joseph Joachim und den Komponisten Johannes Brahms.

 

Juliane Fürstin zu Schaumburg-Lippe – Reformatorin der Landwirtschaft und des Gesundheitswesens – Wie eine junge Witwe in kurzer Zeit nicht nur auf Schloss Bückeburg große Veränderungen bewirkte

Juliane Fürstin zu Schaumburg-Lippe, geb. von Hessen-Philippsthal (1761-1799)

Juliane Fürstin zu Schaumburg-Lippe © Schloss Bückeburg

Ohne ihren Einsatz hätte es vielleicht nie eine Pockenschutzimpfung gegeben, keine Alleen in Bückeburg und keine kostenlose Verteilung von Schulbüchern. Sieben Jahre war sie mit dem 38 Jahre älteren Grafen Philipp Ernst zu Schaumburg-Lippe verheiratet. Als er plötzlich starb, musste die erst 26-jährige Juliane von Hessen-Philippsthal kaum vier Tage später Schloss und Stadt Bückeburg sowie die Regentschaft ihres Sohnes, des Erbgrafen, gegen hessische Infanterieregimenter verteidigen. Dank ihrer schnellen Reaktion, den Kaiser sowie den König von Preußen um Hilfe zu bitten, zog sich das hessische Militär nach zwei Monaten zurück, und Juliane konnte wieder nach Hause zurückkehren.

In den folgenden zwölf Jahren übernahm sie die Regierung in Vormundschaft für ihren erst dreijährigen Sohn. Unter ihrer Ägide stiegen die Erträge der fürstlichen Güter und Forsten beachtlich, sie nahm den Bauern einige Lasten, sie gründete den Kurort (Bad) Eilsen und ließ zahlreiche Chausseen und Alleen anlegen. Juliane stellte Gelder bereit, um neue Volksschulen und Stellen für Lehrer zu schaffen. Und sie unterstützte die neuartige Impfung gegen Pocken, indem sie selbst mit ihrem Sohn nach Lausanne reiste, um ihn dort impfen zu lassen. Doch nicht nur das, sie ließ einen Gesundheitskatechismus kostenlos in Schulen verteilen, der sogar in mehrere Sprachen übersetzt wurde.

Ihr persönliches Interesse galt den schönen Künsten, besonders der Musik. Der Ruf der Bückeburger Hofcapelle unter Leitung von Johann Christoph Friedrich Bach, einem Sohn Johann Sebastian Bachs, wuchs dank Julianes Förderung weit über Bückeburgs Grenzen hinaus. Die Fürstin spielte selbst in Theaterstücken mit, und vor allem lernte sie bei Bach Cembalo zu spielen und brachte es darin zu großer Meisterschaft. Juliane konnte ihr Werk nicht vollenden – sie starb mit nur 38 Jahren an den Folgen einer schweren Erkältung.


So haben es sich die Sieben Schlösser und Hameln zur Aufgabe gemacht, ihre Frauen immer wieder in besonderer Weise zu würdigen. Sie sind in öffentlich zugänglichen Gemälden und Dokumenten genauso präsent wie in den Führungen durch die Schlösser und der Stadt Hameln.

Weitere Informationen zu den Sieben Schlössern im Leine- und Weserbergland und Hameln sowie ihren aktuellen Ausstellungen und Terminen finden Sie auf der Website www.siebenschloesser.de

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