Über Stock und Stein

4. Juli 2016 | Von | Kategorie: Nordd. Tiefland

Mit dem Mountainbike durchs Nettetal bei Osnabrück

Der letzten Wagen erreicht den Parkplatz. Die Gruppe ist nun komplett. Jetzt müssen nur noch schnell die Mountain-Bikes (MTB) aus den Fahrradhaltern der Autos geholt werden. Dann kann es sofort losgehen. Na ja, so schnell dann doch wieder nicht. Denn bevor die frohe Runde in die Pedale treten will und darf, möchte Kursleiter Niels Auer noch seine Mitfahrer in die Geheimnisse des Radfahrens im Gelände einweihen. Noch einmal die Schulbank drücken? Zum Radfahren lernen? Das sollte doch fast jeder können – oder? Matthias Guder von der Bergschule Osnabrück nickt zustimmend, „die meisten Menschen können es schon, sicher.“ Doch dieses Wissen reicht nicht immer aus, um mit einem Mountain-Bike durch das Gelände über Stock und Stein zu fahren. „Wir bringen unseren Kursteilnehmern die wichtigen Techniken und Verhaltensregeln bei, um kräftesparend und sicher über die Wege zu fahren“.

Bergschule Osnabrück

Mountainbiking will gelernt sein

Matthias Guder und sein Team sehen sich auch ein wenig als Botschafter für das Osnabrücker Land. Und weil sich die Schulbank im TerraVita-Park befindet, darf auch der Umweltschutzaspekt heute nicht fehlen. „Unsere Gegend ist doch so schön, dass wir hier unseren Sport in einer Gemeinschaft gut ausüben können, wir aber uns gleichzeitig so verhalten, das Natur, Waldbewohner und Mitmenschen nicht gestört werden.“

Egal mit welcher Intension die Schüler auf Tour gehen wollen, der Bedarf an derlei Unterricht ist durchaus vorhanden und steigt stetig. Daher bietet die Bergschule Osnabrück regelmäßig in drei Technikstufen Kurse zum MTB-Fahren an. Doch nicht nur hier in der Friedensstadt schätzen die Radler die Vorzüge einer schönen Landschaft und eines profunden Schulunterrichts. Über die Landesgrenze hinweg bis weit ins südliche Münsterland reicht inzwischen der gute Ruf des Nettetals. Die heimischen Wälder lassen sich nicht nur im Fahrradsattel sondern auch in Wanderschuhen erkunden. So stehen neben Radfahren auch Kurse zum richtigen Bergwandern mit auf dem Lehrplan.

Bergschule Osnabrück

Bergwandern im platten Norddeutschland? Da muss Matthias Guder schmunzeln. „Wir Osnabrücker wissen natürlich, dass wir zwischen Wiehengebirge und Teutoburger Wald leben und schon etwas kräftiger in die Pedale treten müssen oder uns beim Wandern ein klein wenig mehr anstrengen müssen, wenn es wieder bergauf geht“. Doch wissen es auch die anderen? Gerade in den Tiefen des südlicher gelegenen Bundeslandes zieht es die Nachbarn aus NRW lieber ins Sauerland als ins Osnabrücker Land, um dort die Bergregion zu erkunden.

Bereits im Nettetal können bis zu 800 Höhenmeter erklommen werden. „Heute Morgen werden es allerdings „nur“ 500 Höhenmeter sein“, verrät Niels Auer vorab. Schließlich ist es ja der „Schnupperkurs“, in dem knapp ein halbes Dutzend Männer und Frauen an ihrem fahrerischen Können feilen wollen. Bevor alle in die Pedale treten dürften erklärt Fahrlehrer Niels zunächst Funktionen und Aufbau einer modernen Kettenschaltung und noch wichtiger, was beim sicheren Bremsen alles zu beachten ist. Dann startet das dreistündige Naturerleben. Zum Kennenlernen des Gefährts rollt die Gruppe zunächst über asphaltierte Wege. Als erstes rauscht ein Straßenschild vorbei – „Höchstgeschwindigkeit: 50 Kilometer pro Stunde“, „ Vorsicht Fußgänger“. Dass mit den Fußgängern ist vernünftig, die 50 scheinen doch arg ambitioniert zu sein, noch…

Bergschule Osnabrück

Kursleiter Nils Auer von der Bergschule Osnabrück gibt Instruktionen

Die Fahrt beginnt ja gerade erst. Wenige Meter später geht es rechts ab: die erste Lektion kann beginnen, welche Grundhaltung bequem und gleichzeitig auch optimal ist, um mit einem Mountainbike zügig und sicher durch den Wald zu kommen. Der Fahrradsattel ist oft überflüssig oder zumindest im Wege. Der Pedaleur steht mehr auf den Pedalen und die Arme sind leicht eingeknickt. „So lassen sich Bodenunebenheiten besser abfedern“, verrät Niels Auer den Mitfahrerinnen und Mitfahrern. Langsam kreist er auf seinem Drahtesel um seine Schüler. Wichtig sind ebenso Bremsmanöver. Die Crux dabei, die Geschwindigkeit muss verringert werden, ohne eine Bremsspur im Wald zu hinterlassen. En passant erfahren die Anwesenden auch, dass das schnelle „Downhill fahren“, quer durch die Natur mehr ein Tabu als ein Spaß ist. Tiere können aufgeschreckt werden, Spaziergänger, Wanderer oder der Sportler selbst verletzt werden. „Das ist ein absolutes ’no go’“, erklärte Matthias Guder schon im Vorfeld.

An der nächsten Weggabelung können die Radler ihr erlerntes Wissen bereits anwenden: Ein Pärchen samt Haushund kreuzt den Weg. Alle halten an und lassen dem Trio den Weg nach oben. Selbst der kleine Racker hat trotz Allradantrieb leichte Probleme den Anstieg überhaupt zu schaffen. Mit leichten Mühen erreicht Bello ebenfalls das Plateau, wo Frauchen und Herrchen auf ihn warteten. „Da fahren wir auch gleich hoch!“, meint Niels Auer lakonisch und zeigt auf den oberen Rand des Pfades. Niemand protestiert, niemand widerspricht. Niemand kam auf den Gedanken, es nicht zu schaffen. Auch die Ansprüche an die eigene Kondition sind eben hoch.

Bergschule Osnabrück

die Tücke der Baumwurzel

Noch sind die Steigungen einfacher. Unterwegs genießen weitere Mountainbiker das hügelige Terrain des Nettetals. Ein freundlicher Gruß und schon sind die Profis vorbei geradelt. Ein dicker Zweig am Wegesrand dient nun als Aufgabe. Zunächst gilt es, punktgenau vor dem Hindernis anzuhalten und drumherum zu fahren. Hört sich leichter an als gesagt, doch nachdem sich alle an dieser Aufgabe geübt haben, läuft es wie am Schnürchen. Bereits sehr professionell sehen die Versuche der nächsten Schwierigkeitsstufe aus: Wie lässt sich der kleine Ast sicher überfahren? Das Einnehmen der Grundhaltung, stehend, den Schwerpunkt leicht hinten verlagert, vorsichtig drüber zu fahren, das war die Lösung. Von Minute zu Minute wurden die Frauen und Männer sicherer und das sportliche Zweirad zum Freund. Gibt es zwischen Männern und Frauen Unterschiede beim Mountainbiking? „Sicher“, erklärt Matthias Guder und verrät: „Für Frauen steht mehr der Fahrgenuss, die Gemeinschaft im Vordergrund, Männer sehen mehr das Kräftemessen, das Spiel als wichtigen Antriebsfaktor an.“

Wer noch kein eigenes Mountainbike sein eigen nennt und dennoch in einer Gruppe durch das Nettetal streifen möchte, für den hat die Bergschule Osnabrück ein Angebot parat: Sie vermietet geländegängige Drahtesel. Hinzu kommen Fahrkurse in drei Schwierigkeitsstufen sowie der Schnupperkurs. Wandern und Klettern stehen ebenfalls auf dem Stunden- und Tourenplan der Schule.

Informationen

Bergschule Osnabrück
Johannisstraße 87a
49074 Osnabrück,
Tel. 0541 / 98 26 67 20
www.bergschule-osnabrueck.de

Bergschule Osnabrück

Bergschule Osnabrück – per Mountainbike durchs Nettetal

© Helge Holz (Text und Fotos)

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