Von beschaulich bis hoch hinaus

2. Mai 2012 | Von | Kategorie: Hamburg

Vom Museumsdorf Volksdorf in den Kletterwald Hamburg

Gleich zwei Attraktionen voller Gegensätze gibt es im Hamburger Stadtteil Volksdorf: ein kleines, beschauliches Museumsdorf, das Einblick in das bäuerliche Leben des 18. und 19. Jahrhundert gibt, und einen Kletterwald, einen Hochseilgarten mit sieben Parcours, der Kick des 21. Jahrhunderts.

Die erste urkundliche Erwähnung Volksdorfs geht auf das Jahr 1296 zurück. Ursprünglich gehörte es zu Stormarn. 1437 verpfändete der damalige Grundherr Bruneke von Alveslo Volksdorf zusammen mit anderen Dörfern an Hamburg. Das Pfand wurde jedoch niemals ausgelöst. Volksdorf wurde eines der Hamburger Walddörfer. Dies sind Stadtteile im Nordosten der Hansestadt, die zum Teil seit dem Mittelalter zu Hamburgs Territorium außerhalb seiner Mauern gehörten.

Harderhof im Museumsdorf Volksdorf

Am U-Bahnhof Volksdorf ist das Museumsdorf bereits ausgeschildert. Man überquert die Claus-Ferck-Str. und folgt geradeaus einem gepflasterten Weg in eine kleine Grünanlage. Am Ende der Anlage trifft der Pastorenstieg auf die Straße „Im Alten Dorfe“, an der sich das Museumsdorf befindet. Es entstand in den 1960er Jahren und gewährt einen Einblick in die vergangene bäuerliche Bau- und Wohnkultur des hamburgischen und holsteinischen Geestlandes und ist Teil des alten Dorfes Volksdorf. Drei der Häuser befinden sich an ihren ursprünglichen Standorten. In den 1960er und 70er Jahren wurden die einzelnen Gebäude restauriert oder rekonstruiert. Dominiert wird das Museumsdorf vom Harderhof mit Tenne, Flett (Herdstelle), Bauern- und Altenteilerdöns. Allerdings handelt es sich um eine Rekonstruktion. Das Originalhaus von 1759 brannte 1967 ab. Links davon befinden sich das älteste Gebäude, das Spiekerhus aus dem 17. Jahrhundert, und eine Grützmühle. Roggen-, Gerste- und Buchweizengrütze waren vor Einführung der Kartoffel ein wichtiges Nahrungsmittel. Der Antrieb des hölzernen Mahlwerks erfolgt nicht durch Wind oder Wasser, sondern durch Pferde, weshalb eine solche Mühle auch Rossmühle genannt wird. In Mühle, Schmiede und Backhaus finden heute museumspädagogische Veranstaltungen für Schüler statt. Aber natürlich gehören auch Tiere wie Hühner, Enten, Puten, Schafe, Ziegen oder Schweine auf einen Bauernhof. Größtenteils handelt es sich um vom Aussterben bedrohte Haustierrassen.

Auf dem Gelände des Museumsdorfs befindet sich auch das heutige Restaurant Dorfkrug Volksdorf. Früher gehörte das Instenhaus zum Harderhof. Es war Wohn- und Wirtschaftsgebäude für Tagelöhner, die auf dem Harderhof arbeiteten.

An mehreren Tagen im Jahr geht es weniger beschaulich, sondern lebhaft und manchmal auch festlich zu im Museumsdorf. Dann gibt es Gewerketage, Bauernmärkte, Entedank oder Tanz um den Maibaum.

Kletterwald Hamburg

Eine Attraktion des 21. Jahrhunderts gibt es in der Nähe der U-Bahnstation Meiendorfer Weg. Nach Überquerung dieser Straße biegt man auf einem kleinen Weg in den Volksdorfer Wald direkt gegenüber der U-Bahnstation ein. Man hält sich rechts und erblickt nach zirka zwei Minuten eine Freifläche mit Spielplatz, Kasse und Kiosk. Hier werden Gruppen und Einzelpersonen in die Sicherheitsbedingungen des Hochseilgartens „Kletterwald Hamburg“ eingeführt, bekommen Schutzhelme, Klettergurte und Sicherheitsausrüstung angelegt. Und schon geht es los. Das Mindestalter beträgt fünf Jahre, und 110 Zentimeter muss man mindestens groß sein, um den zwei Meter hohen Niagara-Trail oder den Amazonas-Parcours zu bewältigen. Für alle anderen Kletterpfade sind 140 Zentimeter Körpergröße erforderlich. Mit dem Expoglider-Sicherungssystem ist man ununterbrochen mit einem Sicherungs-Stahlseil verbunden. Man fädelt sich vor Beginn der Klettertour auf dem Boden ein und bleibt solange an dem Stahlseil gesichert, bis man wieder festen Boden unter den Füßen hat. Ein Aus- und Einsichern oder ein „Umhängen“ ist nicht notwendig. Insgesamt besteht der Hochseilgarten aus sieben Parcours unterschiedlichen Schwierigkeitsgrads. Die Mount-Everest-Route verläuft in – für Zuschauer schwindelerregenden – acht Metern Höhe. Und mit der Seilbahn „Flying Fox“ schwebt man an seinem Ende wieder dem Volksdorfer Waldboden entgegen.

Informationen:

Museumsdorf Volksdorf
Im Alten Dorfe 46 – 48
22359 Hamburg
Tel. 040-6039098
www.museumsdorf-volksdorf.de

Öffnungszeiten:
Geschäftsstelle: Di 9 – 12 Uhr und Do 10 – 12 Uhr
Gelände: Di – So 9 – 17 Uhr – Eintritt frei
Von Innen sind die Gebäude nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen:
April – Oktober: Fr – So 15 Uhr
November – März: So 15 Uhr

Restaurants:
Dorfkrug Volksdorf
Restaurant und Weinwirtschaft
Im Alten Dorfe 44
22359 Hamburg
Tel. 040-6039294
www.dorfkrug-volksdorf.com

Bier-Restaurant Eulenkrug
Im Alten Dorfe 60
22359 Hamburg
Tel. 040-6038781
www.bier-restaurant-eulenkrug.de

Kletterwald Hamburg
Meiendorferweg 122 – 128
22359 Hamburg
www.kletterwald-hamburg.com
Tel. 04102-200919 (Mo – Fr)

Öffnungszeiten:
Täglich 10 – 19 Uhr, im Sommer auch länger
Letzter Einstieg 2,5 Stunden vor Schluss.
Voranmeldung – besonders für Gruppen – erbeten.
Bei starkem Wind und Regen bleibt der Kletterwald geschlossen.

© Text und Fotos: Dagmar Krappe

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